Ich muß nur durch/in den Schrank …
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Ebenfalls beim Räumen in meinem Schrank gefunden, eindeutig neueren Datums, aber ohne Datum. Keine Erinnerung daran. Vielleicht zur Zeit der Therapie geschrieben, im letzten Quartal 2011, um irgendetwas damit zu verarbeiten?
Kaum wußte er noch, wo ihm sein Kopf steht. Statt endlich Ruhe zu finden für all das, was in der letzten Zeit liegengeblieben war, hatte er seinen Terminkalender enger gefüllt als je zuvor. Und das waren nicht die Pflichttermine auf den Ämtern und bei den Behörden, die da von ihm wahrgenommen werden, und nicht die Museums- oder Galeriebesuche, auf die er sich freute. Oder gar sein Beruf.
Nun erfuhr er am eigenen Leib, daß “sich unentbehrlich machen” ein Fehler ein kann. Er schien es endlich zu sein, unentbehrlich, und wurde wegen vieler Kleinigkeiten ständig um Hilfe gebeten.
Es war wirklich schmeichelhaft, wenn er hörte, daß er als der Spezialist galt und noch gilt. Aber er verflucht den Tag, an dem er beschloß, besser als alle anderen zu sein. Wenigstens auf einem, einem einzigen Gebiet. Natürlich fiel es ihm damals leicht, sehr leicht sogar, sein Halbwissen als umfassende, solide Sachkenntnis sowie seine stümperhaften Versuche als erprobte und zuverlässige Handlungabläufe erscheinen zu lassen. Nicht umsonst ist der Einäugige König unter den Blinden.
Aber das ist lange Zeit her. Immer schwerer fällt es ihm, sich das notwendige “Fachwissen” anzueignen, manches auszuprobieren und sich an die älteren Sachen zu erinnern. Vor allem jetzt, da er nichts mehr damit zu tun hat, naja, nicht mehr direkt damit zu tun hat. Es fehlt einfach der tägliche Umgang “mit der Materie”.
Seine Frau hatte ihn hinausgeworfen. Er stand plötzlich ohne Kind und ohne großen Haushalt da, bezog nur noch staatliche Unterstützung – dabei war die Elternzeit so wunderbar, so ruhig, ao erfüllend gewesen. Und alle Freunde fragten ihn und fragen ihn, beinahe zehn Jahre nach diesem Schicksalsschlag, noch immer nach Tips und Hilfe bei Erziehung und Haushalt.
Und jedesmal werden dabei die Erinnerungen an die Liebe seines Lebens wach, an die vielen alten Geschichten und Geschehnisse, die er immer gern zum Besten gab. Und an sein Kind, das er seitdem nicht mehr sehen durfte … Die Tränen, die ihm dabei übers Gesicht laufen, hat nie jemand gesehen.
Bestimmt sehr gut tiefenpsychologisch deutbar. Oh weh!
Verzeiht mir meinen Ausflug in die Geschichte, in die Tiefen meines Schrankes. Manchmal scheine ich durch den in eine andere Welt zu gelangen – in mein ganz persönliches, privates Narnia.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 5. März 2013 war die riesige Schüssel Salat, die ich am Abend verputzte.
© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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danke fürs teilen. das berührt mich grad sehr.
vielen Dank, lieber Emil, für deine Spurenfindung … irgendwie scheint das gerade bei mehreren dran zu sein …
die Geschichte von deiner Frau und dem Kind macht mir einen Kloß im hals-
liebe Grüße Ulli
Es ist zwar meine Geschichte, aber nicht meine Geschichte – ich hab es nicht erlebt, also waren es auch nicht meine Frau und nicht mein Kind.
Ich miste aus …
sorry, irgendwie häufen sich da gerade die Missverständnisse, ich dachte es ginge um dein Erleben, hab mich nur gewundert, dass du es in der dritten Person geschrieben hast …
nix für ungut, lieber Emil …
Oh, da war kein Grund, weshalb Du Dich entschuldigen …
Allein die Vorstellung, sowas erlebt zu haben, also haben es wohl Freunde erleben müssen.
Und du hast mitgelitten.
Denn solche Geschehnisse passieren öfter, als man mitbekommt.
Wahrscheinlich eine zugespitzte Synthese aus Gehörtem, Gelesenem und Erlebtem … Kathartisch, irgendwie?
Voll erwischt !!! Haben wir nicht alle Geschichten,sei es im Schrank oder in einer Ecke des Buecherregals vergraben. Bringt die Maerzsonne so etwas geballt in uns hervor.? Seit Tagen ringe ich mit Worten und bin kaum in der Lage es schriftlich festzuhalten.