Beispielhaftes Telefonat (#312)

Nach einer Glanzleistung

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Grad bin ich heimgekommen, noch im Bewußtsein meines Erfolges. Da klingelt das Telefon.

Ah ja, hallo. … Soooooo. Ach Du: Ich habs geschafft. Jaja, tatsächlich, war richtig schwer. Hättest Du nicht geglaubt, was? Ehrlich gesagt hab nichtmal ich selber dran geglaubt. Nein! Neeeeeeiiiin! Niemals! Jedenfalls nicht in diesem Jahr. Aber doch! Hör mir doch zu! Hör doch einfach zu: ich habs getan. Ja, jetzt bin ich erleichtert. Früher hätt ich das haben können? Ha! Du hast ja nicht meine … Und Ahnung davon hast Du auch nicht. Nein.

Natürlich wars nicht einfach. Was dachtest Du denn? Und ich bin auch reichlich seltsam angesehen worden dort. Vor allem die … na Du weißt schon, die hat sowas von seltsam mich angesehen. Mit dem Kopf geschüttelt hat die ganz heimlich. Aber ich habs trotzdem gesehen. Und geschwitzt hab ich dabei, kann ich Dir sagen!

Jaaaaaa. Vorher war ich wieder zwölfunddrölfzig Mal auf dem Klo – wie immer, wenn ich so aufgeregt bin. Hast es ja schon oft genug miterlebt. Nein, ich bin nicht zu spät gewesen. Wann ich dort war? Naja, kurz vor Fünf. Nein, kurz vor Fünf, nicht kurz nach … Ach was, Zeit hatte ich doch genug, hat ja niemand auf mich gewartet. Oooooooh, jetzt nerv‘ nicht. Klar wollt‘ ich um Vier schon dortsein. Na und?

Siehste, jetzt war ich ja doch dort. Genau. Hey, jetzt mach mir meinen Erfolg nicht madig! Es ist mir egal, daß das für andere ein Klacks ist. Für mich wars schwer. Sauschwer. Ja. Jaja. Nöööö. Wie bitte?

Wie kommst Du denn jetzt auf Zahnarzt? Nein, ich war nicht beim Zahnarzt. Echt nicht. Nein, auch nicht zur Darmspiegelung. Zahnarzt ist erst übernächste Woche.

Wo ich war? Na das hab ich Dir doch am Anfang gesagt! Wie: nein. Ich habs nicht? Nichts hab ich Dir gesagt? Also bitte – so hörst Du mir zu?! Was machst Du denn wieder nebenher? Im Internet surfen? Oder im Fehsbuck tschättn? Ach, nichts? Und das soll ich Dir glauben?

Was soll ich endlich … Na hab ich doch am Anfang. Nein, ich sags nicht nochmal. Nein, nein. Ach so? Ach so machst Du das? Mich erpressen? Das ist jetzt echt fies von Dir. Wirklich.

Na gut. Guuuuut! Ja. Du hast was? Du hast waaaas? Ach Du Schreck! Ach Du Schreckschreckschreck. Jaja. Ja. Uijuijuijuijuijui. Naaaaaah … Na. Klar.

Ja, dann bis – wie Du weiß immernochnicht … Naja, hab ich gesagt, ganz am Anfang gesagt. Was? Na daß ich mir heute neue Boxershorts gekauft habe. Hallo? Haaalllllloooooo? Hallo?

Wieso hat die denn jetzt einfach aufgelegt?

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 6. November 2012 war trotzdem eine Sache, die ich geschafft habe!

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Beispielhaftes Telefonat (#312)

  1. Amelie sagt:

    Sehr schön!!

  2. Jetzt musste ich so lachen. So etwas erlebe ich immer wieder live. Mein Sohn tut sich so schwer, wenn er Boxershorts kaufen muss. Meist schickt er mich los, da es ihm so peinlich ist.
    Aber auch dieses nicht zuhören, oder aneinander vorbeireden passiert immer öfter. Viele nehmen sich gar nicht die Zeit richtig zuzuhören.
    LG Gabi

  3. Follygirl sagt:

    Wirklich ganz KLASSE!!!

  4. snoopylife sagt:

    Herrlich 🙂

  5. Frau Blau sagt:

    Schmunzelgrüßlis an dich lieber Emil 🙂

  6. Himmelhoch sagt:

    Neckische Pointe!

  7. piri ulbrich sagt:

    GrinS

  8. Ach, Boxershorts hast du gekauft? ja, hast du die dann vorher auch noch anprobieren müssen? Ich hoff, es war nicht zu teuer. ^^

    Dafür ist es ja eine schöne Geschichte geworden und bei deiner deutlichen Aussprache hört man das Sächsich aber kaum noch raus. ;-))

  9. hahahaha…ich fands witzig. Die Spannung blieb bis zum Schlusss, denn ich wollte ja auch wissen, was du nun (endlich) getan hattest. Auf den Kauf einer Boxershort wäre ich nie gekommen…..Kopfkino 😉
    LG Martina

  10. Toll 🙂

  11. Sofasophia sagt:

    herrlich gelacht hab ich 🙂 du hast das zeug zum hörbuchautor!!!

  12. Sofasophia sagt:

    ähm, hörspiel mein ich natürlich … 😉

  13. syntaxia sagt:

    Ich weiß nicht was mich mehr schmunzeln ließ, der Inhalt oder der feine Dialekt! 🙂

    ..grüßt dich Monika (als Dialektfan)

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