Toter Frosch (#272)

Fliegen vor einer weißen Wolke

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Die vom toten Frosch beschriebene Flugbahn war nicht sehr lang. Kann sein, der Gummi in meinem Katapult war zu schwach oder die Büroklammer war zu klein, aus der ich mir das Katapult gebaut hatte. Die Sonne ging gerade unter und vor ihrer roten Scheibe wurde der Schatten des Frosches nur kurz sichtbar.

Dem fliegenden Tier rief ich noch “Weiche Landung!” hinterher – aber wahrscheinlich hörte er es nicht mehr. So wie ich nicht hörte, daß der Frosch irgendwo aufschlug. Nach einer Weile nahm ich mein Buch wieder zur Hand. Peter Handke, “Die morawische Nacht”, und das schlug ich auf. Sekunde und [irgendwas] stand da mehr als zwei Dutzend mal.

Im Träumen kann ich meinen Kopf nicht schütteln, jedenfalls nicht in der Nacht. Sonst schleudere ich die Träume aus mir heraus und sie werden Realität. Vielleicht wird dann später mein Schuldirktor von den toten fliegenden Fröschen getroffen oder er trifft meine Mutter. Also: Er, der Schuldirektor, der, mit dem ich auf dem Abschlußball meines Bruders Brüderschaft trinken mußte, weil “Sie dumme Sau!” nunmal nicht klingt, trifft meine Mutter.

Wieder lausche ich in den Sonnenuntergang und höre den Frosch zwitschern. Vergnügt rudert er jetzt vor einer weißen Wolke durch den Himmel. Er will mich an etwas erinnern, ich weiß es im Traum, aber ich kann mich nicht erinnern, an was er mich erinnern soll. Hätte ich doch nur einen Knoten in mein Taschentuch gemacht – doch viel nützte das auch nicht, denn mein Hemd hat keine Taschen. Und Beine mit Hosen darüber scheine ich nicht zu haben.

So fliege ich dem toten, vor einer Wolke rudernden Frosch hinterher, der auf der Suche nach meiner Familie ist (das weiß ich seltsamerweise auch im Traum). Finden allerdings werden wir nichts, niemanden, denn hier am Himmel sind wir allein. Und nach unten zu schauen traue ich mich nicht – wegen der Höhe und wegen der fehlenden Beine, die zwar den Vorteil haben, daß mich kein Storch hineinbeißen kann, mir aber doch als Verlust gegenwärtig sind.

Der Frosch hört auf, mit seinen Hinterbeinen zu strampeln. Langsam sinkt er nach unten. Ich blicke ihm hinterher, muß so zwangsläufig nach unten sehen. Wenn ich hinabblicke, stürze ich ab, das war mir klar.

 

Schweißnaß wachte ich vom Fallgefühl auf … Was ich da wieder zusammenträumte! Wo Frosch und Buch herkommen ist mir klar. Aber der Rest?

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 27. September 2012 war die Wirkung der umgestellten Medikation (Blutdruck nicht mehr 140/95 [im Schnitt], sondern 120/75, und der Ruhepuls von 85 runter auf 65 – Kann das tatsächlich schon nach einem, anderthalbem Tag so wirksam sein?) und eine Stunde flennen bei Videos von Britains Got Talent.

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272 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 492 words)

Über Der Emil

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0 Kommentare zu Toter Frosch (#272)

  1. Gudrun sagt:

    Vielleicht nehme ich deinen Traum jetzt mit, denn ich gehe jetzt schlafen. So spät komme ich von Arbeit, aber da kann ich gleich noch bei dir hereinschauen. Ich weiß doch, dass du wieder fleißig warst.
    Gute Nacht, lieber Emil, und einen richtig schönen Traum.

  2. Ich hoffe du konntest anschließend traumlos schlafen. LG Gabi

  3. piri ulbrich sagt:

    Dein Traum, Emil, erinnert mich an meine Träume, ich habe zwar keinen toten Frosch durch die Gegend geschickt, aber geflogen bin ich, und tu es heute noch, selber durch die Luft. Komme unsanft auf und weiß dann nicht, was ich bin – Tier oder Mensch oder Zwischending dessen?!

    Mein Ruhepuls ist auch um die 90 und so kann ich verstehen, dass du heilfroh bist, nicht mehr ständig unter Strom stehen zu müssen.

    Ich wünsch dir einen guten Morgen, ausgeschlafen und die Alpträume hinter dir …

  4. Ich könnte mir vorstellen, dass der Frosch etwas symbolisiert, was Du loswerden willst. Etwas, das eigentlich längst erledigt ist, Dich aber nach wie vor belastet. Wenn man nicht genau weiß, wie etwas geht, versucht man häufig, es sich anzulesen. Realität und Traum verschwimmen oftmals und doch haben sie miteinander zu tun. Was? Das mag jedesmal wechseln.

  5. Sofasophia sagt:

    klasse geschrieben, obwohl der traum ja nicht wirklich lustig ist. fliegen im traum tu ich nicht mehr so oft wie früher. der freie fall.
    da kann ich nur sagen: zum glück war es „nur ein traum“ …

    beim toten frosch muss ich unweigerlich an jenen im langsam heiss gewordenen wasser denken. er hat des ausstieg verpasst und starb. so ungefähr?

    • Der Emil sagt:

      Der Frosch war der vom Monitor beim Ultraschall, der, über den ich so lachen mußte. Das Buch les ich gerade.

      Fliegen im Traum kenn ich auch – es ist selten so angenehmigung wie in diesem.

      Ach. Im Traum weiß ich immer, was er bedeutet. bis ich es hier in dieser Welt auch wissen?

  6. Frau Blau sagt:

    es ist eine klasse Geschichte, die von vielenschichtigen Symbolen getragen wird… da lässt sich gut forschen…
    herzliche Grüße

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