Interessantes und Nachdenkenswertes
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Las ich doch am Wochenende in einem der kostenlosen Wochenblättchen etwas über die Situation von arbeitenden Menschen in Sachsen. Dazu gibt es eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), in der erstmals die durchschnittliche Bestandsdauer der sächsischen Arbeitsplätze und -verträge berechnet wurde. Man
«… fand heraus, dass ein Arbeitsplatz in Sachsen rund 8,8 Jahre existiert. Das ist der höchste Wert in Ostdeutschland. Nur Arbeitsplätze in den alten Bundesländern haben länger Bestand. Im Erzgebirge ist es noch “sicherer”. Eine Stelle wird 9,18 Jahre alt.»
“So unsicher sind unsere Arbeitsstellen”. Wochenspiegel Ausgabe Aue/Schwarzenberg – Stollberg, 2012-07-07, S. 2.
Also gibt es den Arbeitsplatz, den jemand besetzt, nichteinmal zehn Jahre. In vielen Fällen behält aber nicht ein Mensch diese Stelle während ihrer Lebensdauer. Nacheinander werden mehrere Leute auf diesem Arbeitsplatz beschäftigt sein.
Im Artikel heißt es dazu:
«In Sachsen behalten Frauen und Männer ihren Job für rund 2,3 Jahre. Im ostdeutschen Vergleich liegt man nach Thüringen auf Platz zwei und über Schnitt im Osten (2,17 Jahre). Im Erzgebirgskreis liegt der Wert bei 2,49 Jahren.»
Und etwas weiter:
«Für den WochenSpiegel hat sich Dr. Antje Weyh die Mühe gemacht, sich speziell zwei Branchen anzusehen, die allgemein als sicher gelten: Das Verarbeitende Gewerbe und “Öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung”. Das Ergebnis: Verweildauer im Verarbeitenden Gewerbe: 3,7 Jahre (Sachsen sowie Erzgebirge). Verweildauer Öffentlicher Dienst: 3,6 Jahre (Sachsen), 2,7 Jahre (Erzgebirge).»
Das heißt, daß jeder, der Arbeit hat, diese im Schnitt für ganze zweieinhalb Jahre hat. Auch im Öffentlichen Dienst, in den Behörden sind es nur 2,7 Jahre! Alle zweieinhalb Jahre muß sich der Erzgebirger neue Arbeit suchen! Klar sind das nur im Schnitt zweieinhalb Jahre: Es gibt sicher Leute, die auch heute noch 15 oder 20 Jahre an ihrem Arbeitsplatz bleiben.
Aber viele wechseln demnach auch noch öfter. Und keiner wundert sich, daß Menschen nicht öfter Eltern werden wollen, daß die Unsicherheit der Menschen weiter zunimmt!? Daß in den Ämtern kaum noch jemand echten Durchblick hat? Meine Güte, da geht doch etwas ganz gewaltig schief.
Leider habe ich keine Studien zu anderen Regionen gefunden. Wäre doch mal interessant, das für alle Bundesländer oder gar im internationalen Vergleich zu sehen? Und wie bitteschön sieht es in Bezug auf die Qualifikationsanforderungen der Stelle, auf die Entlohnung aus?
Ich habe mir die Studie – dank dieses Artikels der Arbeitsagentur Regionaldirektion Sachsen (der Begriff erinnert mich immer irgendwie an die Konzert- und Gastspieldirektion von früher) über den dort angegebenen Link heruntergeladen und werde sie komplett lesen.
Den von mir zitierten WochenSpiegel-Artikel kann jeder im “e-Paper” ansehen (dazu auf der Seite “Samstag”, dann “Aue-Stollberg” und danach den vom 7. Juli 2012 anklicken).
Jaja, keine leichte Kost. Trotzdem denke ich darüber nach, vor allem über die Wirkungen, die diese Kurzfristigkeit der Arbeitsstellen auf die Menschen hat!
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 11. Juli 2012 waren eine ganze Anzahl von Ideen, die festgehalten wurden.
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über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können in meinem Blog erfragt werden.
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So kurze Zeiten hätte ich nun nicht gedacht, allerdings haben wir auch schon oft gesagt, das die jungen Leute kaum gute Chancen haben und bei dieser unsicheren Lage eben keine Familie mehr gründen. Es wird ja auch nix für sie getan… so erlebe ich es bei einigen Frauen mit Kind/ern…
Wir haben da sehr viel Glück mein Mann ist über 30 Jahre in seiner Firma, war aber oft sehr wackelig dort… Selbst unsere kleinen Job machen wir nun schon über 25 Jahre!
LG, Petra
Mir gings ja auch so. So kurz? – und da fing ich an zu denken…
Ich arbeite selber (im Westen!) von einem befristeteten Vertrag zum nächsten…. Es wird immer absurder und abartiger.
Reblogged this on Blog des Germanys next Bundeskabinetts und kommentierte:
Interessant und nachdenkenswert. Danke, bester Emil.
lieber emil
die zahlen sind schon spannend und geben zu denken. meine „längste stelle“ hatte ich knapp drei jahre. nur einmal wurde mir aber gekündigt, weil der arbeitsort, ein flüchtlingszentrum, geschlossen wurde. alle andern male wechselte ich aus lust auf neues und interesse an anderem. viele, die ich kenne, haben es so gehandhabt. mag sein, dass ich dennoch eine (privilegierte) ausnahme bin, dennoch sollte der freiwillige wechsel in deine überlegungen einbezogen erden. einfach so als impuls, gell.
die zeit ist vorbei, wo menschen ein leben lang die gleiche arbeit verrichten wollen. das hat vielleicht auch mit horizonterweiterung und mut zu tun.
deine gedanken und zitate geben dennoch zu denken. und auch die unzähligen bettlerInnen, die wir heute in hamburg gesehen haben.
Hab ich nicht mit einbezogen, stimmt – aber sowohl im Artikel als auch in der Studie ist es immer mit genannt.
Am schlimmsten find ich diese kurze Verweildauer in der “Öffentlichen Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung”. Das ist wirklich übel.
Sind denn da auch interne Stellenwechsel mitgemeint, so von einer Abteilung zur anderen ?
So wie ich die Studie lese: Ja. Siehe Rotation (bzw. nur befristete Beschäftigung) in den ALG-II-Behörden.
da bin ich grad ein bißchen fassungslos, dass es SO aussieht! wäre wirklich mal interessant eine bundesweite Statistik zu diesem Thema zu lesen…
ich selbst bin ja eher so eine Wanderarbeiterin, aber das liegt an mir selbst… das andere sind die Arbeitsstellen selbst… irgendwie schon seltsam!
danke für die Aufklärung und herzliche Grüße