Mu Zimeis intimes Tagebuch läßt mich träumen.
(K)Eine Buchritik
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Als ich letztens durch die Stadtbibliothek schlenderte, fiel mir ein Buch in die Hände – im wahrsten Sinn des Wortes. An den Pfeilern sind Bücher auf Haltern aus Draht präsentiert, und ich blieb mit der Schulter an einem davon hängen. Ein Buch fiel herab. Ich fing es auf.
Ah. Mu Zimei. Kannte ich nicht. Mein intimes Tagebuch? Hm. Achso? Eine chinesische Bloggerin, die hier sozusagen eine Druckversion ihres mittlerweile vom Staat verbotenen und geschlossenen Blogs vorlegt? Na, mal schauen. So schlimm, wie der Titel es hoffen läßt, wird es bestimmt nicht sein.
Ich las. Nichts besonders interessantes. Letzthin schrieb jemand über ein Buch: “Eines, das man gelesen haben kann, aber nicht gelesen haben muß.” (Wer wars?) Vielleicht liegt es auch daran, daß ich weder das chinesische Original noch eine direkte Übersetzung vor mir habe, sondern eine – allerdings sprachlich sehr schöne – Übersetzung aus dem Französischen (von Isabell Lorenz)?
Zwei Perlen fand ich doch darin, direkt aneinandergereiht.
Meine Art der Liebe? Ein gut eingetragener Pantoffel, der noch ein klein wenig Spielraum läßt. Er paßt annähernd jedem und gibt jedem beliebigen guten Halt.
Mu Zimei: Mein intimes Tagebuch. S. 172
Das hat ein Augenzwinkern. Und sofort geht es weiter mit bei mir seufzerauslösender Phantasie:
Von Zeit zu Zeit würde ich mich gern in einen Riesen verwandeln, um den Himmel zu berühren. Ihr könntet dann auf meine Schultern klettern und die Sterne einsammeln.
Mu Zimei: Mein intimes Tagebuch. S. 172
Das ist Sprache, wie ich sie mag. Beide Zitate malen ganze Bilderzyklen in meinem Kopf.
Besonders das zweite: Es gibt Filmszenen in Schluchten der chinesischen (japanischen) Bergwelt, in denen ein unwirklich mächtiges, eindrucksvolles Grün zu sehen ist. Und aus einem dieser Täler steht Gulliver auf und hebt einige Slackmesan und einige Trackmesan gen Sternenzelt, damit sie Sterne einsammeln können. Gullivers Füße stehen im Nebel, der Leib ist sonnenbeschienen und seine Nase ist mitten in den Wolken. Ab den Augen ragt er darüber hinaus und reckt seine Hände mit den Winzlingen darauf nach oben.
Wegen dieser beiden Sätze schon ist das Buch bei mir nicht ganz durchgefallen. Ich behalte etwas davon bei mir – von:
Mu Zimei: Mein intimes Tagebuch. Roman, 1. Auflage 2007.
© Aufbau Verlagsgruppe GmbH, Berlin 2007. ISBN 978-3-7466-2306-1
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 12. Juli 2012 war eine hochkonzentrierte Redaktionssitzung, die sehr vorfristig beendet werden konnte.
© 2012 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
195 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 438 words)


Oh ja, ein schöner Gedanke.
Wenn es bei uns regnet und gleich darauf die Sonne durch kommt, ist genau über einem der Nachbarshäuser schräg gegenüber ein tiefhängender Regenbogen zu sehen… So, dass man glatt meint, man brauche nur hin greifen…
So long,
Corinna
Das ist sicher immer wieder ein kleines Wunder …
Hach, ich wäre bestimmt einer der Ersten, die da mit hochkraxeln würden … Es ist doch manchmal ganz schön, so nahe an den Sternen zu sein.
Bibliotheksbesuch steht bei mir jetzt auch an. Endlich wieder …
Liebe Grüße von gleich nebenan
Vielleicht gäbe es eine Leipziger Seilschaft?
Der zweite Spruch ist ja wunderschön! Ja, den würde ich auch gern bei mir behalten. Teilen wir?
Oh bittesehr! (Wie lautet wohl die direkte Übersetzung aus dem Chinesischen ins Deutsche?)
Oh man, den Sternen soooo nahe, das ist grandios.
Vorhin, es regnete endlich mal nicht, ich war in der Küche, schaute raus, ein Regenbogen!
Wie elektrisiert bin ich eins höher gerannt, den Fotoapparat geschnappt und Fotos. Er war sogar ganz, doch der Fotoapparat hat ihn nicht gant gekriegt. Außerdem anfangs ein Teil doppelt.
So nah dem Himmel……
Da hab ich im neunten Stock wohl einen kleinen Vorteil?
Das ist wohl so, lach. Habe die Fotos gerade gealden. Noch nicht im Blog, kommt gleich.
zwei sehr schöne zitate. sehr poetisch. mag ich auch beide und ich muss sagen, dass die zitate mich neugierig machen auf das buch. vielleicht lese ich es auch mal.
Ich hätte es nie mitgenommen, wenn es mir nicht in die Hände gefallen wäre.
Und viel mehr als diese beiden Bruchstücke … Aber ja, lies doch selbst.
ja, vielleicht fällt es mir ja auch mal in die hände. im moment habe ich noch genug zu lesen, ich freue mich aber immer, wenn ich interessante anregungen finde und dein feedback zum buch mit den zitaten zusammen, hat mich neugierig gemacht. danke dafür! liebe grüße!
das erste Zitat fällt bei mir auf Widerspruch, ich mag diese Pantoffelidee nicht, irgendwie riecht sie, trotz kleinem Platz, verstaubt.
das zweite Zitiat hingegen finde ich einfach nur wunderbar und deine Ideen dazu auch
(Ganz erhlich: Es gab früher so einen gästepantoffeleigenen Geruch, nicht ganz eklig, aber naja.)
Was mich wundert: Hierzulande kennt man meist nur die beiden Reisen nach Liliput (und Blefuscu) und nach Brobdingnag. Die anderen sind mir bis heute noch unbekannt (aber ich muß! sie jetzt lesen 😉 )
genau, lieber Emil, diesen Geruch meine ich…
und Gulliver sollte ich doch auch unbedingt einmal so richtig und rundrum lesen, kenne nur Ausschnitte!