Zwei gefundene Sätze und ein Lied
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Es war – nein, es ist noch Pfingsten. Und am Sonnabend war ich ja unterwegs auf Themensuche. Wenn nicht etwas später das Fast-Unglück geschehen wäre, dann …
Wenn irgendwo etwas rumliegt, so macht mich das immer neugierig. In der Straßenbahn lag am Pfingst-Sonnabend-Nachmittag etwas, das ich einem Pfingstgottesdienst zuordne. In meiner Phantasie wurde oder wird in einer Gemeinde der Stadt etwas ähnliches wie ein Krippenspiel aufgeführt. Oder es kamen im Gottesdienst verschiedene Gemeindeglieder zu Wort, in einer Art Inszenierung, Wechselgespräch:

Am Pfingstsonnabend

Kirche war gestern
«Kirche war gestern.» Ich stelle mir diese Worte von einem Kind oder Teenager gesprochen vor, mit einer sehnsuchtsvollen Traurigkeit in der Stimme. Kirche war gestern. Als Institution? Als Gebäude? Als Zusammenhalt stiftende Gemeinschaft? Kirche war gestern … Auch morgen noch ist Kirche, besser: Glaube. Denn es hat doch jeder etwas, woran sie oder er glaubt.
Da fällt mir ein: ich war auch noch nicht in der Kirche, jedenfalls nicht zu Pfingsten in diesem Jahr. Noch zu keinem Gottesdienst in diesem Jahr. Und doch bin ich sehr oft in einer Kirche, jede Woche mindestens einmal. Ich mag die Atmosphäre, die Ruhe, die dort in mich einkehrt.
Für einige Augenblicke den Alltag vor der Tür lassen. Einkehren. Mich auf das Glauben zurückziehen, nur kurz einmal nicht wissen müssen. Das geht in Kirchen (und Kapellen) viel leichter als zuhause oder draußen in der Natur. Gut – auf Friedhöfen geht es auch, aber in Kirchen erlebe ich es am einfachsten und intensivsten. Dieses Atemholen.
Und wenn ich ganz mutig bin, gehe ich in der Kirche an eine Stelle, an der mich keiner sehen kann, zum Beispiel auf eine Empore. Dann greife ich zum EKG, schlage 321 (die Lied-Nummer, nicht die Seite) auf oder im GL die 266 und singe. Denn zu diesem Lied habe ich eine sehr besondere Beziehung. Es ist immer Bestandteil des Neustädtler Haldensingens (zumindest gewesen, als ich vor 2000 noch daran teilnahm).
Wer Kirchenlieder oder Kirche nicht mag, muß das Video ja nicht anhören oder ansehen.
(Leider finde ich die als schnelleren Marsch gesungene Variante aus Neustädtel nicht.)
Und dann fällt mir ein Satz vor die Füße, am Pfingstsonntag, als ich das aus der Bibliothek mitgebrachte a tempo lese, und der Satz paßt zu meinem Wochenende und zum Zettel in der Straßenbahn:
Wenn mir der Optimismus fehlt, ist das nicht so schlimm, wie wenn ich die Hoffnung verliere.Anfangssatz des Artikels «Hoffnung, Tod und Sinnerfahrung»
von Jörg Ewertowski, a tempo Nr. 150 vom Juni 2012, S. 18
(zur Zeit erhältlich als Beilage in “alverde”, dem Kundenmagazin der dm-Kette)
Und ich lese den Artikel zuende und kenne wieder den Unterschied zwischen Hoffnung und Optimismus. Und weiß wieder, daß Hoffnung sein muß und Optimismus sein darf.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 27. Mai 2012 war die erlebte Ruhe.
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über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können in meinem Blog erfragt werden.
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Nun danket alle Gott – habe ich vor 2 Wochen auf einer Beerdingung gesungen. Es war Wunsch des Verstorbenen für sein gutes über 90 Jahre währendes Leben danken zu lassen. Suppe – Brot – Kaffee + Kuchen hatte er auch vorher ausgesucht. Es ist gut, wenn Dinge, Lebensläufe gut zum Abschluß kommen. Die getrageneren Versionen gefallen mir auch besser.
Dafür sind die getragenen Versionen gut, ja. Mir persönlich allerdings ist die schnelle Marschversion näher …
Danke für das Zitat, das nehme ich mir mit … ja, dein Artikel gefällt mir, damit kann ich mich identifizieren …
Liebe Grüße und einen guten Pfingstmontag, mit Optimismus und sehr viel Hoffnung
SK
Wir gehen auch gerne in Kirchen. Meistens so für uns, ab und zu auch mal in einen Gottesdienst. MIr persönlich hilft es, um mich mal wieder auf das wesentliche zu besinnen und ähnlich wie Du, einfach die Atmosphäre aufzunehmen.
Wenn mir der Optimismus fehlt, ist das nicht so schlimm, wie wenn ich die Hoffnung verliere.
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Dieses Zitat nehme ich mir mit. Es berührt mich wie übrigens auch dein ganzer Post. Im Grunde bin ich gar kein gläubiger Mensch und doch halte auch ich mich gerne in Kirchen auf. Letztes Jahr war ich in Tangermünde und da steht eine wundervolle Kirche. In dieser habe ich das erste Mal an einem Gottesdienst teilgenommen. Das war nicht so ganz mein Ding. Gebe ich ehrlich zu. Und doch habe ich mich an diesem Tag mehr als wohl gefühlt. Ich fühlte mich regelrecht getragen. Noch lange habe ich immer wieder über dieses Feeling nachgedacht und tue es auch jetzt wieder. Was ist das, was uns so in Kirchen heimisch fühlen lässt? Was?
Was das in den Kirchen ist?
Sehr oft stehen Kirchen auf sogenannten Kraftorten, Kraftplätzen – sagen die Einen. Die Anderen meinen, daß es an der Gemeinschaft liegt, die in Kirchen gelebt und gestiftet wird. Und gläubige Christen sagen, es liegt an der spürbaren Gegenwart Gottes. In den größeren Sakralbauten herrscht oft auch ein ganz besonderes Raumklima, es ist im Sommer meist angenehm kühl und im Winter auch nicht zu warm und nicht zu kalt.
Nach einem Gottesdienst – gleich welcher Kirche – wirkt das gemeinsame Erleben nach: Ein bißchen glauben doch die meisten Menschen noch an Wunder und ein höheres Etwas …
Och, das ist aber schön erklärt. Ziemlich viele Leute gehen gern mal zu Kirchenveranstaltungen, obwohl sie die biblischen Dinge unschlüssig finden und so. Aber die Sehnsucht nach Gruppenerlebnissen mit Innehaltefaktor ist da..
Reblogged this on Germanys next Kabinettsküche und kommentierte:
Danke lieber Emil.
das, lieber emil, tue ich manchmal auch gerne, einfach eine kirhe betreten… den sakralen raum… und am schönsten ist es, wenn nur ich dort bin, mit mir und all dem sakralen allein… aber ich kann es auch gut in der natur, den heiligen raum betreten…
damit du mich nicht missverstehst, ich bin weder katholisch, noch evangelisch, noch… heilig ist heilig und braucht die schubladen nicht. dann wird es zur religion und was das für folgen hatte, ist uns ja wohlbekannt!
ein schöner text ist und das zitiat wunderbar!