Die Wiederentdeckung der Langsamkeit
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Ah – das war wirklich nicht sehr einfach gestern. Es fühlte sich so ungewohnt an. So direkt. Geerdet. Aber der Reihe nach.
Es soll hier in Halle eine Brücke geben, an der junge Paare Schlösser befestigen – und den Schlüssel dann in die Saale werfen. Ich halte nicht viel von dem “Brauch”. Aber meine allerallerallerbeste Freundin wollte wissen, wo das eben hier in der Stadt ist.
Gestern früh stolperte ich über einen Artikel im Online-Angebot der MZ: Seufzerbrücke in Halle (Druckfassung als PDF habe ich hier). Aha, ich mußte zur Schafbrücke.
Bis zum Gimritzer Damm brachte mich der Bus. Dort überquerte ich die Straße und zog meine Schuhe aus.
Zunächst ging ich noch auf Asphalt, doch dann, im Gimritzer Park (wo das Bild entstand), begann mein «Eiertanz». Das erste Mal in diesem Jahr barfuß. Oh, was schlich ich – mal mit dem Ballen, mal mit der Ferse zuerst auftretend, mal über die Außenkante des Fußes, mal über die Innenkante abrollend – über die Wege! Zeitweilig wich ich auf die recht frisch gemähten Rasenflächen aus.
Welch eine Wohltat war es, als ich schon nach wenigen hundert Metern dann die Schafbrücke, mein erstes Ziel, erreichte. Gehen auf Holzdielen. Wie angenehm! Dort machte ich dann einige Bilder von den Schlössern.
Weiter ging ich – wieder über spitze Steinchen. Es muß für andere ein sehr belustigender Anblick gewesen sein, wie ich – storchenähnlich – durch die Gegend stakste. Doch ich blieb hart. Bis zu den Pulverweiden, bis zur Hafenbahnbrücke ging ich weiter barfuß. Zwar sollen dort auch Schlösser hängen, entdeckt habe ich aber keine.
Und so beschloß ich, auch den Rückweg bis zur Straßenbahnhaltestelle “Saline” barfuß weiterzugehen. Am Ufer der Elisabethsaale entlang, an der Stadtschleuse vorbei, die unter der Hochstraße am anderen Ufer des Flusses liegt. Für die Strecke (unten im Bild blau gepunktet) brauchte ich sage und schreibe zweieinhalb Stunden reine Gehzeit.
Und meine Füße sahen aus …
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 25. Mai 2012 waren kühles Wasser und Seife für meine Füße, nachdem mich Straßenbahn und Bus nachhause brachten.
© 2012 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Auf Gras vielleicht, aber sonst würde ich kaum 100 m barfuß schaffen. Ein verweichlichtes Stadtkind eben! Ich!
Das war so ein „Ich will das unbedingt schaffen“-Ding. Klar habe ich gleich übertrieben (rund 4 km), aber wenn es August wird, dann macht es keine Schwierigkeiten mehr. Ich will mich dran gewöhnen … Bin ja auch ein verweichlichtes Stadtmensch geworden.
Emil, sag doch mal bitte was zu dem Vodafongedöns – was könnte ich denn machen? Soll im zum rosa Riesen, wenn Kabel gar nicht geht?
Ich k…. bald ab – jetzt nachts 2.00 Uhr habe ich 322 kBits/sek.
Nee, barfuß, das schaffe ich nicht mehr…
Da mußt Du aber wirklich gut aufpassen, denn es liegt ja auch sicher mal Glas herum.
Bei uns habe ich auch schon ein Schloß an einer Brücke gesehen, finde ich irgendwie nett, sowas zu tun.
LG, Petra
Diese „Schloss“-Brücken gibt es mittlerweile überall, ich habe mir bisher keine Gedanken darüber gemacht, denke, dass ist ein trend, der auch wieder vorübergeht. Ganz anders das Gehen ohne Schuh und Strumpf. In einigen Gegenden gibt es Wege, die mit ganz unterschiedlichen Materialien angelegt wurden. Moos wechselt sich ab mit feinen Steinen, groben Kies, Waldboden mit Tannennadeln (!), Sand, Kopfsteinpflaster und mehr. Im Bayerischen Wald habe ich das auf einem Naturlehrpfad ausprobiert. War überwiegend pieksig.
Liebe Grüße,
Elvira
Also eigentlich müsstest du mir jetzt leid tun. Trotzdem, ich sitze jetzt hier mit einem breiten Grinsen, weil ich mir deinen Laufstil gerade bildlich vorgestellt habe (eine tolle Zeichenübung für Bewegung übrigens :D). Tja, du hast nun zerschundene Füße, und ich solche Hände, obwohl ich nicht auf ihnen gelaufen bin.
Liebe Grüße von der Gudrun
(Schafbrücke? Ich glaube, da muss ich mal hin.)
Zerschunden waren die Füße nicht – nur dreckig (u.a. Harz).
Wenn Du eine richtige Schafbrücke sehen möchtest, dann nimm diese: Schafbrücke Beesen. Ich komm gerne mit und zeig sie Dir.
ich habe das in heidelberg auch gesehen, die idee hat was. wenn das jemand will. 🙂
In meinen Nachbarorten gibt es auch einige solche Schlösser-verkettungs-stellen. Mir persönlich gefällt die Idee gar nicht, angebunden zu sein und dann auch noch freiwillig den Schlüssel wegzuwerfen. (?)
Barfusslaufen in der Stadt ? Da kann man gar nicht lässig sein, vor Bedenken wegen Glas und Hundekacke, nee nee. Und schade. An sich ist das geerdete Gefühl ja großartig.
So schlimm ist das mit den Scherben und der Schei… garnicht. Da, wo ich immerwieder barfuß gehe, ist es recht sauber.
Trotzdem doof, dass einen MItmenschen so auf bestimmte Strecken begrenzen. Andererseits, auf dem Dorf oder im Mittelalter wäre man wohl Hühnerkacke und anderen allgemeineren Matsch gelatscht 😉