Singstunde (Nº 242 #oneaday)

Musikalische Heimkehr und Dialektübung

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Weil ich vorgestern wiedereinmal auf meine Vergangenheit zurückgeworfen wurde, saß ich gestern nachmittag auf meiner Gitarre klimpernd zuhause und sang Volkslieder aus dem Erzgebirge. Unter anderem auch das hier (das ebenfalls zum gestrigen Thema, zur Heimkehr, paßt):

 
Vergaß dei Haamit net
 

Vergaß dei Haamit net, su singt jeds Vögela,
vergaß dei Haamit net, su rauscht der Wald.
Es heilt der Sturm uns zu in kalter Winterschzeit:
Vergaß dei Haamit net, dort is dei Halt!
     Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
     su wolln mir Arzgebirger sei.
 
Jeds Blümel, wos do blüht, der Wind, daar drüberzieht,
un's Bachel rauscht uns immer haamlich zu:
Vergaß dei Haamit net! Denk an de Gungezeit,
wie du derham gelücklich warscht und fruh!
     Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
     su wolln mir Arzgebirger sei.
 
Als letzten Abschiedsgruß rufft noch der Voter nooch,
wenn's Kind verlossen muß es Elternhaus:
Vergaß dei Haamit net un ehr dei Muttersproch!
Mog's komme, wie's när will, horch, halt fei aus!
     Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
     su wolln mir Arzgebirger sei.
 
Wächst aah när Gros dort drubn, is aah der Winter lang,
sei doch de Barg voll Walder frisch un grü.
Vergaß dei Haamit net, wenn's noch su aafach is,
denn in der Haamit is doch immer schie!
     Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
     su wolln mir Arzgebirger sei.
 
Drüm Leit von Arzgebirg, blebbt aafach, racht un fest,
wie unnre Walder drubn of grüner Flur.
Un loßt uns alle Zeit echt deitsche Brüder sei
un gabbt ann Handschlog drauf zen alten Schwur:
     Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
     su wolln mir Arzgebirger sei.
 

Worte und Weise von Anton Günther.
 

 

So sieht der Text in der Originalschreibweise des Anton Günther aus, der auch “Tholer-Hans-Tonl” genannt wurde. Und nun liefere ich die Übersetzung dazu:

Vergiß deine Heimat nicht, so singt jedes Vögelein, / vergiß deine Heimat nicht, so rauscht der Wald. / Es heult der Sturm uns zu in kalter Winterszeit: / Vergiß deine Heimat nicht, dort ist dein Halt!
         Fest steh' zum Volk, der Heimat treu, / so woll'n wir Erzgebirger sein.
Jedes Blümlein, das da blüht, der Wind, der drüberzieht, / und 's Bächlein rauscht uns immer heimlich zu: / Vergiß deine Heimat nicht! Denk an die Jungenzeit, / wie du daheim glücklich warst und froh!
         Fest steh' zum Volk, der Heimat treu, / so woll'n wir Erzgebirger sein.
Als letzten Abschiedsgruß ruft noch der Vater nach, / wenn's Kind verlassen muß das Elternhaus: / Vergiß deine Heimat nicht und ehr' deine Muttersprache! / Mag's kommen, wie's nur will, horch, halt doch aus!
         Fest steh' zum Volk, der Heimat treu, / so woll'n wir Erzgebirger sein.
Wächst auch nur Gras dort droben, ist auch der Winter lang, / sind doch die Berge voller Wälder frisch und grü. / Vergiß deine Heimt nicht, wenn's noch so einfach ist, / denn in der Heimat ist es doch immer schön!
         Fest steh' zum Volk, der Heimat treu, / so woll'n wir Erzgebirger sein.
Drum Leute vom Erzgebirge, bleibt einfach, recht und fest, / wie unsere Wälder droben auf grüner Flur. / Und laßt uns alle Zeit echt deutsche Brüder sein / und gebt einen Handschlag drauf zum alten Schwur:
         Fest steh' zum Volk, der Heimat treu, / so woll'n wir Erzgebirger sein.
 

Ich habe meinem Vater keine Gelegenheit gegeben, mir etwas nachzurufen, leider. Ich hatte jeden Gedanken (bis auf das Weihnachtsbrauchtum) an das Erzgebirge verdrängt. Lange Zeit. Erst 2010 war ich wieder dort, nach fast acht Jahren, in diesem Dorf, vor jenem Haus. Vielleicht hole ich das Eine oder Andere noch nach …

So langsam beginne ich, mich dem Dialekt wieder anzunähern. In den Liedern kann ich es schon, das Erzgebirgische; im Gespräch klingt es mir selbst noch fremd. Aber ich übe ja dran wenn ich mit meiner Liebsten spreche. Und ich übe daran, wenn ich singe. Noch klingt es unwirklich, noch.

Zum Jahresende schäme ich mich aber nicht mehr, so zu singen wie diese beiden da:

Der Verfasser des Blogs schleicht volksliedersingend davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 29. August 2011 waren die Gesangsübungen, in denen ich erschreckt feststellte, wieviele Texte ich doch vergessen hatte.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Singstunde (Nº 242 #oneaday)

  1. fudelchen sagt:

    Ich laß mal einen lieben Gruß hier, ist schon so spät, muß ins Bett.

    Herzlichst ♥ Marianne

  2. colorsigns sagt:

    hatte versucht ohne übersetzung zu verstehen, klappte jedoch nicht , erst unten dann
    bei deiner hochdeutschen form
    ein begreifen ; ) volkslieder habe etwas magisches für mich , egal in welcher sprache oder in welchem dialekt , ich danke dir für diesen beitrag
    herzlichst christin

  3. freidenkerin sagt:

    Ich bin nach einem gar argen Eklat, in Szene gesetzt durch meine Mutter, kurz nach dem Tod meines Vaters auch nicht mehr in der Heimat gewesen – und das werden jetzt bald zwei Jahre. Einerseits zieht es mich schon dorthin, zumindest für einen kurzen Besuch, andererseits möchte ich aber gewisse Dinge schon sehr gerne ruhen lassen und mich so gar nicht mehr damit konfrontiert sehen…

    • der_emil sagt:

      Bei mir ist’s länger her und ich ließ damals auch Frau und Kinder dort … ging wortlos und ohne Erklärung …

      Den Rest hast Du ja vielleicht schon bei mir gelesen …

  4. Gudrun sagt:

    Weihnachten werde ich an dich denken, lieber Emil. Da gehört das Arzgebirgsch einfach dazu.
    Vielleicht braucht man ein bestimmtes Alter, um über die Heimat nachzudenken. Als junge Gudrun war das einfach nicht mein Ding, wahrscheinlich, weil mir die Heimatduselei mancher politischer Gruppen auf den Keks ging, und weil ich Angst hatte, an der „Scholle“ kleben zu bleiben.
    Zum ersten Mal ernsthaft nachgedacht über meinen persönlichen Heimatbegriff habe ich auf einer Litauen-Reise, als mich alte Litauer fragten, ob ich keine Sehnsucht nach München habe, das sei doch auch meine Heimat. Nein, ich hatte keine Sehnsucht nach München.
    Vor einigen Tagen zog es mich richtig „nach Hause“, ins Altenburgsche. Es hat mir gut getan, die Menschen in ihren ureigenen Dialekt sprechen zu hören und durch die engen Gassen Altenburgs zu laufen, die mir damals, ganz früher, schon so gefallen haben.Wohnen werde ich dort wahrscheinlich nie wieder, aber meine Heimat wird es bleiben.Das weiß ich jetzt.

    Und Weihnachten werde ich eben die erzgebirgschen Lieder mitsingen. Ich glaube, es ist eine Katastrophe, aber es tut gut. Und so weit ist es ja nicht entfernt von Altenburg.

    Liebe Grüße von der Gudrun, von gleich Nebenan

  5. bauchundnase sagt:

    Das Erzgebirge also, soso … Irgendwie ist das ein sehr klebriger Landstrich. Man kommt sehr schwer davon los. Und wenn man sich versucht zu lösen wird einem spätestens Weihnachten in der Fremde bewusst, dass es eben nicht die Heimat ist. …
    Das Lied bekomme ich jetzt nicht mehr aus dem Kopf. Und dank des Textes kann ich jetzt sogar mitsingen. *gg*

  6. minibares sagt:

    Habs immerhin verstanden, auch wenn ich im Ruhrgebiet daheim bin.
    Wir haben früher viel gesungen, die Fahrtenlieder alle. Die konnte ich auch alle. Hab soviel vergessen, eben, weil sie niemand mehr singt.

  7. *Eva* sagt:

    Vu drhamm: De Vugelbeern sei scho ruet. Aber Schwamme gibts heier noch kaane. Ze truckn. 🙂
    Beste Grüße vom Bergvolk … Eva

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