Positiv-Buch II (Nº 178 #oneaday)

Weiterdenken und ein Plan

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Heute also die versprochene Fortsetzung zum Positiv-Buch mit meinen wirren Gedanken. Ich schreibe diesen Text, um mir beim Schreiben klarzuwerden über das, wovon ich hier schreibe.
 
Aber zuerst danke ich allen für die aufmunternden, verständnisvollen, nachfragenden und mutmachenden Kommentare. Das hat mir wirklich weitergeholfen.

Für mich ist es zur Zeit wirklich schwer, Gutes zu sehen bzw. es nicht gegen das Negative aufzurechnen. Wie bei vielen anderen Menschen hat sich bei mir Mutlosigkeit breitgemacht; die Zahl der an Depression Erkrankten (oder nur die Zahl der Diagnostizierten?) nimmt zu. Als Ausrede möchte ich das wirklich nicht nutzen, denn es ist schwer genug, damit zu leben. Mich dahinter zu verstecken – “Hey, ich habe Depression, deshalb kann ich nichts!” – ist auch nicht hilfreich.

Früher war ich ja auch anders.

War ich das wirklich? Ja, aber jemand hat mir eingetrichtert, daß ich ein Versager bin, wenn ich die Erwartungen, die so verdammt hoch gehängten Erwartungen und die, die nicht in meine Vorstellung von meinem Leben paßten, nicht erfülle. Irgendwann habe ich versucht, diese Erwartungen zu erfüllen. Und es nicht geschafft (es war gleich, ob wirklich ich dafür verantwortlich war oder jemand anderes).

Seitdem bin ich mit diesem Stigma versehen: Versager. Seit meinem Schulanfang. Wenigstens das habe ich gelernt und behalten. Wenigstens da hat Erziehung funktioniert.

Jetzt, 40 Jahre später, kämpfe ich damit. Jetzt muß ich mich damit rumschlagen.

Mir fehlen die kleinen, täglichen Erfolge – ich nehme sie (zumindest) nicht (für) wahr! Ich muß lernen, daß ich eben kein Versager bin. Mein Therapeut sagte mir mal, daß ich immerhin viele Jahre überlebt habe, Freunde habe, auch einen Beruf hatte, kreativ bin – all das waren und sind Erfolge, habe ich geschafft. Nur muß ich jetzt lernen, das als Erfolg zu sehen, nämlich den Vorgang positiv zu bewerten und nicht das (manchmal unrühmliche) Ende als das Bestimmende anzusehen.

Die Schwierigkeit ist die, daß ich aufrechne. Und daß meiner Meinung nach den positiven (eigentlich normalen, aber weil ich nicht mehr normal bin, sind sie wohl positiv zu bewerten) Erlebnissen zu viele negative gegenüberstehen. Mein Blick muß weg vom Unerledigten hin zu dem, was ich geschafft habe, vom Ängstigenden hin zum bestärkenden, erfolgreich Abgeschlossenen.

Bei diesem Paradigmenwechsel (ein Betrachtungs- und Verhaltensmuster wird durch ein manchmal sogar radikal anderes Muster ersetzt) kann mir das Positiv- oder Danke-Buch helfen. Glaube ich. Heute. Seit ein paar Tagen. Nachdem ich es in der Vergangenheit schon mehrfach versuchte und daran immer wieder scheiterte, also sogar dabei versagte.

Jetzt habe ich mir einen Termin gesetzt, zu dem ich mit diesem Hilfsmittel erneut beginne. Und ich habe mir einen Weg gesucht, es zu schaffen. Weil ich das so Notwendige mit dem Angenehmen verbinden kann.

Ja.

Es gibt nämlich etwas, das ich mit der Hilfe sehr vieler Menschen seit dem 1. Januar 2011 konsequent erfolgreich schaffe: Tagtäglich einen Text zu veröffentlichen. Ab dem 1. Juli werde ich es fertigbringen, auch täglich etwas Positives zu bemerken oder für etwas zu danken und das dann nach außen zu tragen. Und wenn ich es irgendwie in meine Texte hier oder in den zugehörigen Quelltext als Kommentar einbaue oder im neunten Stock umsetze.

Es wird funktionieren. Das mit der Höhenangst auf Brücken ist ja auch schon viel besser geworden, denn ich übe weiter. Jawoll!

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

178 / 365 – One post a day (WP-count: 567 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Positiv-Buch II (Nº 178 #oneaday)

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  2. fudelchen sagt:

    Üben ist immer gut, aber muß nicht alles können, doch wenn es dir Freude machen sollte, dann übe, kann nicht schaden.
    *aufdieschulterklopf*
    GLG Marianne ♥

  3. Ars Somniandi sagt:

    Lieber Emil,

    ich muss gestehen, ich bin (fast) sprachlos. Für den Moment. Diese Zeilen sind mir mehr als nahe gehend -es bedarf keiner Erwähnung, dass ich mich hier mehr als gespiegelt sehe, aber darum geht’s nicht- und wenn ich wüßte, wie man Deine (derzeitige) Sicht vielleicht um ein paar Nuancen erhellen könnte, ich würde es sofort tun. Aber, es gibt hier wohl keine „Patentrezepte“…

    … Aber, wenn Du magst, vielleicht könnten wir uns mal in Halle treffen und einfach mal reden; wo auch immer… Ich habe das Gefühl, dass es eine Bereicherung wäre, sich mit Dir zu unterhalten, real, nicht virtuell. Dessau ist ja nicht so weit weg von Halle. Dies aber nur als kleiner, ich hoffe nicht zu frecher Vorschlag; manchmal bin ich sehr spontan; und eigentlich hat es sich immer gelohnt…

    Toller Beitrag!

    Herzlichst,
    Steffen

    • der_emil sagt:

      Treffen? Herzlich gerne (solange es nicht in meiner Wohnung sein muß *schäm*). Mail kommt morgen …

      • Ars Somniandi sagt:

        Quatsch!
        Halle hat doch genug Ecken, wo wir uns verkrümmeln können — ich tät mich echt freuen… Antworte dann, wenn Du magst; keine Hektik und kein „Unter-Druck-setzen“ — Nur, wie gesagt, ich bin -durchaus auch von meiner Mentalität- ein sehr spontaner Mensch…

        Herzlichst,
        S.

  4. sucherin sagt:

    Deine Beiträge zum Positiv-Buch haben mich richtig umgehauen. Ich finde es sehr mutig und bewundere Dich, dass Du so offen und ehrlich schreibst. Sehr viel davon ist mir sehr gut bekannt, Ich selber bekomme aus Deinen Beiträgen häufig gute Anregungen, bin aber leider selber noch nicht so weit……….
    Viele liebe Grüße

  5. Gudrun sagt:

    Lieber Emil,
    nein, sprachlos bin ich jetzt nicht, weil ich das Problem kenne aus meinem unmittelbaren Umfels. Einer ganz, ganz nahen Verwandten ging es ähnlich. Sie war auch nicht mehr in der Lage, kleine Fortschritt, Erfolge … wahrzunehmen. Damit Empfindungen wieder kommen, hat sie sich selbst verletzt.
    Was habe ich gekämpft. Vieles nicht verstanden, was mir die Psychologin erklären wollte.
    Der Kampf hat sich gelohnt. Wir haben beide gelernt, auch mit einander umzugehen und uns zu erklären. Die Krankheit wird nie verschwinden, aber die junge Frau hat gelernt damit umzugehen.

    Zwei Dinge finde ich richtig gut: Offenheit, damit irgendwann mal das Verstecken-müssen aufhört, für alle betroffenen. Und Wege versuchen, darüber schreiben. Auch das wird von vielen gelesen werden. Und die Wege werden bei jeden anders sein, aber sie zu gehen, ist offensiv. Und wie!

    Ich wünsch dir Glück, lieber Emil.

    Liebe Grüße von gleich um die Ecke.

  6. Ilona Form sagt:

    Lieber Emil, ich bin stolz darauf Dich zu kennen. Wie oft hast Du mir schon weitergeholfen,
    wenn es mal schlimm war. Du bist kein Versager. Ich finde,Du versagst nicht mehr als viele
    andere auch. Bist ein toller Mensch und ich danke Dir für Deine Schreiben……..
    Viele Grüsse Deine Illo.*******

    • der_emil sagt:

      Das kann ich Dir zurückgeben. Dein Durchhaltevermögen hat mir in letzter Mut gemacht weiterzugehen, weiterzumachen. Ich denk z. B. an Deinen ersten Gang die paar Stufen zum Garten …

  7. gerda röken sagt:

    …. Vergebung ist der Schlüssel zum Glück….. ich habe eine Kerze für dich angezündet…..

    • der_emil sagt:

      Dafür möchte ich auch danken. (Ich tu das auch gerne mal, obwohl ich nicht katholisch bin.)

      • gerda röken sagt:

        …..Lieber Emil…. weder die Vergebung noch die Kerze sind „Erfindungen“ der Katholischen Kirche….. das sind universelle Techniken spiritueller Art…… überall auf der Welt findest du das…. es sind Techniken der Heilung, nicht der Therapie, denn das sind zwei verschiedene paar Schuhe…. Heilung ist immer die Integration des Ganzen auf einer höheren Ebene….. du musst lernen dir selbst zu vergeben, sonst kommst du keinen Schritt weiter…. übrigens…. ich bin beeindruckt von deiner Fähigkeit so ausdrucksvoll und berührend ! zu be-schreiben…. Gruß Gerda

  8. Synapse sagt:

    Hallo Emil,
    ich lese wirklich mit großem Interesse und starker Aufmerksamkeit deine Zeilen, möchte bzw, kann zu diesem wirklich sehr ernstem Thema keine Aussage machen, ohne ein sinnloses Bla Bla zu hinterlassen. Ich habe schlicht und einfach mit Menschen, die unter solchen Problemen leiden, noch nie etwas zu tun gehabt. Ich finde es allerdings mehr als bemerkenswert, wie schonungslos offen du hier deine Sicht der Dinge wiedergibst. Ohne psychologischen Hintergrundkenntnisse würde ich aber mal sagen, dass du auf gutem Wege bist – alleine schon deshalb, weil du deine Probleme erkannt hast und am arbeiten bist. Auch, wenn du immer noch Zweifel an dir hast. Ich finde, du machst dich gut.

    Grüßlis, Mandy

    • der_emil sagt:

      Hallo Mandy,

      schonungslos offen hätte ich beim Therapeuten sein sollen,und dort konnte und / oder wollte ich es (noch) nicht.

      Außerdem ist das hier trotz allem nur die Oberfläche, also das, was ich mir mitzuteilen gestatte. Da ist noch immer vieles beschönigt, relativiert, verallgemeinert. Ach, und weil Du meinst, daß Du noch nie mit Depressiven zu tun hattest: Im täglichen Leben, draußen, erkennst mensch das auch bei mir nur sehr selten.

  9. Lieber Emil
    Wirre Gedanken hast Du uns versprochen, die bist Du uns aber schuldig geblieben. Ich sehe da nur einen elegant formulierten Text von hohem Reflektionsgrad. Als es mir so ging wie Dir jetzt hätte ich das nicht auf die Kette bekommen, und den Mut, öffentlich über mein Befinden zu reden, hätte ich nicht aufgebracht.

    Ich finde ja, es ist nicht immer ein Verstecken hinter der Krankheit, wenn man sagt, verdammt noch mal, ich habe Depressionen, deswegen kann ich manche Dinge nicht anders sehen, als ich sie gerade sehe, deswegen habe ich nicht die Kraft, das Bad zu putzen, oder überhaupt aus dem Bett zu kommen.

    Ja, es werden immer mehr Depressionen diagnostiziert, das Thema wird mittlerweile auch diskutiert, aber nach meinem Eindruck wird man als „Befallener“ nicht ernst genommen. Es ist ja äußerlich nichts zu sehen, keine schweinasse Stirn, keine laufende Nase, kein appes Bein, keine schärende Wunde. Es ist auch nicht nachzuvollziehen wie man sich fühlt, wenn etwas, das im eigenen Inneren wohnt, die Farbe aus den Dingen saugt, die Freude aus dem Leben.

    Schlimm ist, dass die Mitwelt, die Gesellschaft von den Erkrankten erwartet, selbst als kranke noch einem „Idealbild“ der Erkrankung zu entsprechen. Wehe man läuft nicht als gebeugtes blasses Wesen mit tränenfeuchten Augen durch die Welt. Jahre, Jahrzehnte bin ich von Pontius zu Pilatus gelaufen, wenn die Kraft mal reichte, aber da ich mit dem Klischeebild nicht dienen konnte, blieb ich mit meinen Betrübnissen allein. Jetzt, wo es nicht mehr wahr ist, habe ich meine Depressionen und meine Antriebsschwäche amtlich.

    Diese Sache mit den Erwartungen, die man nicht erfüllen kann, kenne ich nur zu gut. Die halbe Kindheit bekommt man eingebläut, man könne nichts, man strenge sich nicht genug an, aber andererseits brauche man ja erst gar nicht anfangen, man tauge ja eh nichts. Was immer man tut, es reicht nicht. Ich war jahrelang unter den Klassenbesten, aber was war schon meine 1 im Aufsatz, irgend eine Anne aus der Nachbarschaft hatte eben die schönere Schrift. Ich konnte leisten was ich wollte, ich war trotzdem der Versager, weil ich nichts taugte.

    Irgendwann beginnt man dann das selbst zu glauben, muss ja stimmen, wenn die eigenen Eltern, die Verwandten, die Lehrer das sagen. Das färbt alles ein, nicht nur die Erwartungen, die man an die eigenen Leistungen stellt. Ich habe das schönste Mädchen des Gymnasiums (einer von zweien aus meiner Klasse, die das geschafft hatten, blieb aber trotzdem der Versager) abgeschleppt, genauer gesagt sie hat mich abgeschleppt, den ich hätte ja zu viel angst gehabt. In meinen Augen verwandelte sie sich in eine graue Maus, denn nach der „Logik“, die ich mir aneignet hatte konnte sich doch ein schönes intelligentes Mädchen doch nicht für den Cheflooser interessieren!

    Viele Jahre später erzählten mir die ehemaligen Mitschüler, die halbe Schule habe mich gehasst, weil ich die Frau abbekommen hatte und die Mädchen seien enttäuscht gewesen, dass Ilse das Rennen gemacht hatte. Mich haben Frauen angesprochen, „ich war so verliebt in dich, und du hast mich noch nicht mal angekuckt“. Selbst nach all den Jahren konnte es doch nur eine „logische“ Erklärung geben? Entweder wollten die mich alle verarschen, oder die haben alle ’ne Macke.

    Und zäh klebte das Bild des Versagers, des einsamen Aussenseiters in der Schule, so verdammt vereinnahmend und alles überdeckend. Mir sind Erinnerungen abhanden gekommen, damals oder ich habe sie abhanden kommen lassen, damit das düstere Bild nicht gestört werde, Irgendwann stieß mich jemand drauf, der einsame Außenseiter war Oberstufensprecher, stellvertretender Schulsprecher Kursprecher in über der Hälfte aller Kurse, Vertrauensschüler für die Unterstufe. Ich konnte das sogar in einer alten Schülerzeitung die jemand aufgehoben hatte nachlesen. Objektive Tatsachen, die ich nicht integrieren konnte, Erzählungen, die mich nicht betrafen.

    Viel später erst bin ich aufgewacht und hatte zwei Erinnerungen, zwei Erzählungen. Der selbe Kerl, zwei Leben und ich hab und hab sie nicht zusammenbringen können, wie in diesen Bildern, wo du entweder eine alte Frau oder ein junges Mädchen siehst. Dann hat es Jahre gedauert, bis diese beiden Erzählungen ineinander geflossen sind zu einer einzigen Erinnerung.

    Das hat sich jahrelang so angefühlt, als würde sich nichts bewegen, oder sogar nach hinten bewegen. Die Sachen, die du beschreibst, habe ich alle auch ausprobiert, wieder aufgehört, wieder angefangen, gezweifelt und oft war die „Belohnung“, dass der Schmerz nur stechender und beissender und gemeiner wurde. Mittlerweile hat er sich verpisst, der Schmerz und schaut nur gelegentlich vorbei, damit ich nicht zu übermütig werde…

    So seltsam es vielleicht klingt, oft hatte ich angst, wenn ich die Depression verliere, verliere ich auch alles andere, was mich ausmacht, ich würde mich quasie auflösen, ein ganz anderer werden, vielleicht sogar jemand, den ich nicht leiden können würde. aber das ist nicht geschehen.

    Ich wollte, ich hätte irgendeinen Ratschlag, aber ich habe keinen, nichts, was du nicht schon dutzende Male gehört hättest aber ich habe keinen, außer vielleicht den:

    Versuche Nachsichtig zu sein mit Dir

    Uwe

    • der_emil sagt:

      Was immer man tut, es reicht nicht. Ich war jahrelang unter den Klassenbesten, aber was war schon meine 1 im Aufsatz, irgend eine Anne aus der Nachbarschaft hatte eben die schönere Schrift. Ich konnte leisten was ich wollte, ich war trotzdem der Versager, weil ich nichts taugte.

      Der “Bessere” in der eigenen Familie war mein jüngerer, gewollterer Bruder – der Goldjunge … Er konnte zwar auch nichts dafür, aber trotzdem.

      Ja, was bleibt, wenn die Krankheit mit all ihren Symptomen und all ihren Auswirkungen weg ist? Vielleicht hab ich auch aus dieser Angst heraus manches noch nicht geschafft. Erinnerungen habe ich abgeschafft, mir dafür eine passendere Vergangenheit gebastelt. Und dann diese neue Person Der Emil geschaffen (oder vervollkommnet, denn als Spitzname trug ich das schon seit 197x) …

      Ein ehrliches Danke für Deinen ausführlichen Beitrag! Und ja, ich versuch’s.

  10. Was Dir bleibt, wenn diese Krankheit mit all ihren Symptomen und Auswirkungen weg ist? Dir bleibt der Erklärungsdruck erspart. Dieses ewige „Streng Dich einfach ein bißchen an…. so schlimm ist es doch nun auch nicht….gib dir mal etwas Mühe….was heißt hier Depression, jeder ist mal traurig….steig doch einfach in den Fahrstuhl ein, ich bin doch dabei….wie, Du fährst keine U.Bahn mehr? Was solldenn das? Kannst doch jederzeit aussteigen…Im kino sitzt man doch in der Mitte am besten, warum willst du ausgerechnet am Gang sitzen?…Therapie, son Quatsch, die haben doch selber ein Rad ab….“ u.s.w., u.s.w. Nach gut vier Jahren klassischer Psychoanalyse fühle ich mich als ziemlich geheilt, aber nicht vollständig. Ich mache all die Dinge, vor denen ich irgendwann begann mich zu fürchten, und ich habe gelernt mich zu mögen. Die Analyse ist 11 Jahre her, im letzten Frühjahr bemerkte ich Anzeichen einer beginnender Depression. Ich habe sofort eine Therapie begonnen, die ich vor 6 Wochen für mich erfolgreich beenden konnte.
    Die Idee Deines Positiv-Buches finde ich sehr gut. Aber setze Dich nicht unter Druck! An manchen Tagen gibt es vielleicht nichts positives. Aber das entspannt niederzuschreiben, ist dann vielleicht der positive Moment.
    Liebe Grüße
    Elvira

    • der_emil sagt:

      Danke dafür, daß Du Deine Erfahrungen mit mir teilst. Erklärungsdruck hab ich bisher selten – meine Fassade bröckelt zwar, aber noch hält sie im Alltag. Doch es geht nicht mehr lange so weiter. Mir bleibt ja für anderes kaum noch Kraft.

      Und wenn es mal nichts Positives gibt, dann kann ich vielleicht für etwas danken …

  11. Ich hoffe, dass Du einen wirklich (nicht-virtuellen) guten Freund hast. Damit meine ich nicht jemanden, der immer nur zustimmend nickt, sondern jemanden, der Dir zuhört – so wie Du ihm! Wenn Du solch einen Menschen um Dich weißt, ist das sehr positiv!

  12. freidenkerin sagt:

    Was du schreibst, und vor allem, wie du dich beschreibst kommt mir sehr bekannt vor… Das liest sich jetzt sicherlich doof und abgedroschen, aber es gibt einen Weg hinaus aus den Depressionen, und auch aus dem Irrglauben, ein Versager zu sein. Ich kann und will dir keinen coolen Ratschläge erteilen, denn jeder Mensch ist anders und ein Universum für sich, aber du solltest mit dem Gegeneinander-Aufrechnen aufhören. Das vergeudet nur unnötige Seelenkraft – und zieht dich letztendlich nur weiter hinunter…
    Ich habe eine Psychotherapie und -analyse hinter mir, die insgesamt vier Jahre in Anspruch nahm. Diese wöchendlichen Sitzungen, oder besser gesagt Liegungen bei einer sehr kompetenten und einfühlsamen Therapeutin haben mich Traumen und Neurosen verarbeiten lassen und eine neue Sicht der Dinge geschaffen…
    So richtig meine Innere Mitte gefunden habe ich allerdings erst Anfang dieses Jahres, als eine Bekannte mir folgendes Buch empfahl: „Zart besaitet – das Leben als HochSensible Person“, von Georg Parlow…
    Es hat sich beinahe alles, aber wirklich alles seit Ende der Therapien und seit mehrfacher Lektüre dieses Buches zum Guten gewendet – und ich habe als Folge davon einen supercoolen Job an Land ziehen können…
    Lieber Emil, du packst das! Kopf hoch! Hier sind Menschen, die dich gut leiden können, akzeptieren und respektieren, so wie du bist! Und wenn du nicht gut laufen kannst, dann tragen wir dich halt ein Stückerl…
    Herzlichst!

  13. Angie sagt:

    Lieber Emil,
    ich drück dir die Daumen! Ich schaffe es selber nicht daraus. Wenn du das Buch liest schreibe mal etwas dazu, ich bin auch immerzu auf der Suche.
    Ganz liebe Grüße
    Angie

    • der_emil sagt:

      Du auch?

      Was hab ich hier nur ausgelöst?

      Über das (und auch andere Bücher) werd ich berichten.

      • Angie sagt:

        Wieso du ausgelöst? *grins*
        Ich habe schon vor 20 Jahren drei Jahre dicke Therapie ohne Erfolg. Bin gespannt, ob du mit dem Buch weiter kommst. Ich bin ja auch ständig auf der Suche.
        Mein Halt ist meine kleine Pferdezucht. Urlaub oder Ausgehen oder Schmuck gibt es sowieso nicht, da kann ich etwas Geld dafür ausgeben.
        Die Zigeuner haben mich als Kind darauf gebracht, weil ich immer so traurig durch die Stadt lief, haben sie mich auf ein Pony gesetzt. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich.
        Das du den Mut hast hier so zu schreiben finde ich toll! Das kann ich gar nicht.
        Ganz liebe Grüße
        Angie

  14. mayarosa sagt:

    Lieber Emil,
    ich weiß nicht, wie man jemandem aus einer Depression raushilft. Ich weiß nur, dass der Vergleich der Anfang von Unglück ist. Und ich weiß, dass es gut ist, wenn man anfängt, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind. Du bist, wie du bist. Und das ist gut so. LG

  15. syntaxia sagt:

    Lieber Emil,
    deine Zeilen tragen Gedanken von mir. Wir sind stets unser größter Kritiker und unser unerbitterlichster, nicht wahr?! Nichts Positives sehen können und letztlich auch immer irgendwie Pech zu haben im Leben. Das ist dann quasi unser Beweis. Lob von anderen hat immer einen Haken. Sich selbst nie gut genug sein ist verdammt anstrengend. Und in der negativen Stimmung sind wir so zu Hause, dass uns alles andere fremd und unangenehm erscheint.
    Vor Jahren habe ich auch so ein Dankbarkeitsbuch begonnen. Von vorn habe ich alles aufgeschrieben, für das ich an dem Tag dankbar war. Das Buch herumgedreht habe ich (von hinten also) Freuden eingetragen. Es begann mit 100 Dingen, die mir Freude bereiten. ich dachte, das bekomme ich nie hin. Doch es wurden immer mehr. Klitzekleine Freuden vielleicht nur, doch auch die zählen!! Heute ist es die Natur, die mir Freudenmomente beschert, für die ich dann wieder nur dankbar sein kann.
    Eine gute Idee ist es, dies in einem Blog zu tun. Nachlesen allein schon bringt dann dieses Gefühl oft wieder hervor.
    Viel Glück dabei!
    ..wünscht dir die syntaxia

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