Und die Vergangenheit
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Über eine Brücke gehen? Durch die Ritzen zwischen den Brettern ist das Wasser darunter zu sehen. Sie mag stabil sein und am armdicken Seil sicher hängen. Die Träger halten sicher zuverlässig auch andere Lasten als mich aus. Und ihre Enden ruhen fest auf stabilen Pfeilern. Sie schwankt und schwingt nicht – trotz allem stehe ich einige Zeit heftig atmend davor.
Drübergehen? Die nächste ist über einen Kilometer weg. Und zu meinem Ziel 50 Meter hinterm anderen Ende dieser Brücke hier müßte ich die Strecke zweimal zurücklegen. Ach, ich vergeß es einfach, geh wieder nach Hause. Ich muß ja nicht dem Akkordeonspieler lauschen.
Umkehren. Heimkehren. Und wissen, daß ich mal wieder versagt habe? Aus einer völlig irrationalen Angst heraus? In meinem Kopf tönt es wieder: «Ja, kehr um. Hast noch nie was zu einem (guten) Ende gebracht. Immer nur angefangen. Dann nicht auf mich gehört und alles hingeschmissen!» Ich weiß, daß es anders war. Trotzdem steht vor meinen Augen diese blinkende Schrift:
Versager!
Macht sich vor Angst in die Hose!
Versager! Versager!
Versager!
Da steh ich an der Brücke. Mir ist schlecht, ich habe das Gefühl, gleich umzufallen. Dann wäre ich wieder da, wo ich ihrer Meinung nach sein soll, weil ich wiedermal versagt habe: Am Boden, im Dreck. Ich atme tief durch, richte den Blick auf das andere Ende. Dann geh ich – in der Mitte bleibend – die etwa 20 Meter hinüber.
Auf der anderen Seite saß ich auf einer Bank, lauschte dem Akkordeon und begann, an diesem Text hier zu schreiben. Dann fiel mir ein, daß ich meinen Erfolg hätte mit der Kamera festhalten können. Also ging ich noch zweimal über die Brücke.
Und dann nochmal.
Es ist übrigens doch eine Hängebrücke. Aus Stahl und Holz zwar, aber deutlich spürbar eine Hängebrücke. Andere Fußgänger und Radfahrer bringen das Bauwerk deutlich zum Schwanken.
Doch für heute hatte / habe ich die Angst im Griff. Jetzt steh ich hier oben und habe genug photographiert. Ich schreibe grad diesen Text zuende. Mitten auf der Brücke, am Geländer stehend und ins Wasser blickend.
Schade, daß ich davon kein Bild haben kann, jedenfalls kein gutes. Ach, ich mach einfach ein paar, auch wenn es nicht besonders gut aussieht. Und weil es so viele Bilder sind, hab ich sie heute mal von slide.com eingebunden.
Auf dem Heimweg nahm ich noch eine viel schmalere meiner Angstbrücken mit …
Der Verfasser des Blogs schleicht ein wenig stolz davon und dankt für’s Lesen.
205 / 365 – One post a day (counted: 364 words)



*umarm*
Hach Emil,
HUUUT ab!! Du weißt ja das auch ich Höhen- / Brückenangst habe. Ich hab jetzt schon Kribbeln im Bauch wenn ich an’s Laternenfest denk und das ich da auch irgendwie über die Brücken muss um auf die Peißnitz zu kommen. Aber ich werd wohl wie immer bis zur Brücke labern und labern und an der Brücke angekommen, Klappe zu und im Stechschritt drüber hasten.
Wenn ich am anderen Ende der Brücke angekommen bin, geht das Gelaber wieder weiter als wäre nix gewesen.
Ich war ja schon sehr stolz das ich auf dem Kolkturm in der Heide war und da runter geschaut habe.
Ja, ich weiß wie du dich fühlst.
Hey da hab ich doch mal ne Idee für nen neuen Blog, ich tu was ich noch nie getan hab oder was ich schon immer mal tun wollte.
Was halten die lieben Leser denn davon??
Ich wünsche allen Lesern eine schöne Woche.
Ich würd nie von Versagen sprechen, nur weil ich nicht über eine Brücke gehen kann. Ich kanns immer dann wenn es für mich einen Sinn macht.
Toll wie Du das geschafft hast! Aber setz Dich doch nicht ständig unter Druck…
LG, Petra
Tja, ich bin da „gut konditioniet“ …
Moin Emil, siehst aber ziemlich relaxed aus. Hast wahr … versuchen sonst gibt es keine Ergebnisse.
Es ist vollbracht ****** Bravo. Sei stolz auf Dich. Hast Dir selber ein Geburtstagsgeschenk gemacht!!!
Tapferer Emil, bin stolz auf Dich … Grüsslis Deine Illo. ********
Gratuliere Dir! Du kannst stolz auf Dich sein, dass Du es versucht und dann auch noch geschafft hast.
Ich hab zwar keine Höhenangst oder Probleme über schwankende Brücken zu gehen, dafür aber so manches Problem oder Angst in anderen Situationen. Und ich weiß leider nur zu gut wie es ist, wenn man sich selbst als Versager sieht und auch das Gefühl, wie man auf andere wirkt, die ja alle angeblich immer alles ohne Probleme schaffen.
Doch man sollte sich nicht so viel draus machen, was andere denken. Und schafft man mal was nicht, tja, dann war es halt vielleicht der falsche Zeitpunkt und man probiert es ein anderes mal wieder.
Aber gerade das ist oft halt auch leichter gesagt als getan. 😉 Weiß ich leider auch aus eigener Erfahrung.
Arrgh, da würde ich auch Höhenangst bekommen und deswegen bist du doch kein Versager.
Grüßlis ♥ Marianne
Gratuliere! Freu mich für dich. Sei stolz auf dich! Du hast was Wichtiges geschafft.
Und deinem inneren Meckermonster sag mal, es darf ruhig auch mal die Klappe halten 😉
Das ist eines aus der Vergangenheit, das ich nur verdammt schwer loswerden kann – um es genau zu sagen: Ich werde es niemals loswerden. Ich kann es auch niemals zum Schweigen bringen …
is ja großartig. geschrieben. und wenns stimmt. sowieso.
Ja, war tatsächlich so. Hab sogar noch weggelassen, daß ich dann derjenige war, der die Schwanenbrücke schaukeln lies, auf daß die Kinder kreischten …
Bravo!
Na siehst Du, mit einem Ziel vor Augen geht es doch. Und fotografieren ist ein guter Trick. Einfach durch die Linse gucken lenkt ab und schwupp bist Du schon auf der anderen Seite.
Chapeau!
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Ich selbst kenne dieses Gefühl der Höhenangst nicht.
Bei mir kann es nie hoch genug sein. Ich liebe es einfach von oben alles überblicken zu können, diese Weite.
Aber es gibt Dinge vor denen ich auch Angst habe und mich niemals wagen würde, so wie du!
Liebe Grüße,
Nati
Ich selbst kenne dieses Gefühl der Höhenangst nicht.
Bei mir kann es nie hoch genug sein. Ich liebe es einfach von oben alles überblicken zu können, diese Weite.
Aber es gibt Dinge vor denen ich auch Angst habe und mich niemals wagen würde, so wie du!
Liebe Grüße zu dir,
Nati