227.2026: Gaudi

Ich werde aber nichts über Antonio schreiben.

 

„Was für eine Gaudi!” — Der, die oder das Gaudi – da, wo ich herkomme, war das ziemlich egal. Dieses Wort für Vergnügen oder Spaß, an dem man beteiligt war oder ist, das man beobachten konnte oder kann. Und es ist wohl zumindest denen, die das Lied „Gaudeamus igitur” kennen, klar: Gaudi kommt irgendwie aus dem Lateinischen. Volksbelustigung kommt mir in den Sinn; Bespaßung aber kann ich mir Gaudi nicht in Verbindung bringen.

Überhaupt: Bespaßung. Ja, hab ich auch schon verwendet für mein Agieren auf den Märkten, doch irgendwie mag ich das Wort und vor allem seine Bedeutung für mich nicht: Da gibt es die (aktiven) Bespaßenden und die (passiven) Bespaßten, das klingt für mich nach etwas ohne jegliches gemeinsames Tun. Irgendwie nach (billigem) Unterhal­tungs­programm und Animation auf Kreuzfahrten oder in (abgeschlossenen) Ferienanlagen mit verpflichtender Teilnahme. Oder Morgenradiolustigkeit. Brrrrrrr.

Gaudi hingegen …

Und ab diesem Moment geht mein Denkicht wieder seltsame Wege. Denn es gibt im Erzgebirgischen ein Wort, das vielleicht sogar von Gaudi herkommen kann: de Gahd. Dieses Essen war „e Gahd”, dieser Tanzmusikformation zu lauschen und nach ihren Melodien zu tanzen war „e Gahd”, der Gang über den Jahrmarkt/Rummel war „e Gahd” – alles, was schön, gut, unterhaltsam, befriedigend, erfreuend, schmackhaft usw. usf. sein kann, ist dem Erzgebirger „e Gahd”. Bespaßung zählt wirklich nicht zu den Dingen, die „e Gahd” waren oder sind. Was für ein schöner Satz: „Oder esu e Gahd, die hattn mr lang nimmeh!” (Eine solche Freude, die hatten wir lange nicht­mehr.) Das wird bei Bespaßung nie gesagt.

Gaudi. Ein Wort, das mit der immer detaillierteren Einordnung in Unterformen, Spezialgebieten, Spezialisierungen verschwand, oder? Scheint mir ähnlich zu sein wie bei den Komödiantes, die heute streng geschieden werden in Schauspieler, Clowns, Comedians und Kabarettisten und was weiß ich noch alles. Hab ihr bei diesen Bezeichnungnen nicht auch ganz unterschiedliche Charakteristiken dazu im Kopf? Vorstellungen von dem, was euch da erwartet? Ist Gaudi nur zu altmodisch als Wort oder doch weg aus dem, was ich mein Leben und meine Zeit nenne?

 

Erinnerung des Tages:
Seit etwas mehr als zwei Jahren habe ich diese schöne, unsinnige, sehnsüchtige Hoffnung.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 24.09.2026 die vervollständigte Ausrüstung, das Einladen, die Badewanne.


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Über Der Emil

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