2023/361 – Papierkalender


Altmodisch, unpraktisch, überflüssig – oder?

To get a Google translation use this link.

 

Vorgestern schrieb ich ja schon über meinen Kalender. Wiedereinmal ist es nicht der, den ich am liebsten gehabt hätte; den gab es in diesem Jahr in der von mir gewünschten Form nicht im stationären Handel. Also nichts kleines Schwarzes, sondern das da:

 

In Leinenoptik gebundener Kalender, dunkelgrün, mit erhaben geprägtem goldenen Dekor im Jugendstil: Eine Fee wie aus griechischer Mythologie mit Flügeln und Zweigen in den Händen; sie schaut nach rechts, aus ihren Haaren entspringt nach oben ein Baumstamm mit Zweigen und Blättern. Unten rechts in der Ecke eine Fledermaus und direkt vor/über ihr eine nicht erkennbare Figur, vielleicht eine Elfe, sowie die Zahl 2024. Es sind über das gesamte Bild einige Sterne verstreut.

Mein Kalender für das Jahr 2024.

 

Aber wozu noch einen Kalender aus Papier? Ist doch alles im Rechner, im Tablet und im Smartphone abrufbar? Stimmt. Jedenfalls im Prinzip. Denn ohne Strom oder wenn mal kein Internet verfügbar ist: Was dann? Deshalb habe ich auch ziemlich viele Adressen in einem Adreßbuch notiert. Backup auf Papier, hält wahrscheinlich länger als jeder heute übliche Datenträger für Computer. Ich hatte ja erst in diesem Jahr das Problem, daß ich eine Zeit lang Bilder in einem Format – Lurawave – speicherte, das heute i. allg. nicht mehr lesbar ist. Und ich weiß, da sind noch Textdateien in alten Works-Formaten. Meine Handschrift sollte auch in vielen Jahren noch lesbar sein. So wie all die alten Handschriften, mit denen ich mich noch immer beschäftige. Mittlerweile ist das Papier ja auch säurefrei, so daß es nicht mehr von selbst zerfällt. Andererseits: Wer wird in vielen Jahr(zehnt)en denn noch wissen wollen, was ich in meinen Kalendern notierte? Aber ich mache das ja für mich und nicht für die Nachwelt. (Was mit meinen Kladden geschieht, das hab ich mittlerweile festgelegt. Aber die Kalender?)

Ja, ich nutze die elektronische Variante auch. Es geht ja auch nicht mehr ohne (für mich, der ich seit über 35 Jahren mit Computern umgehe, zu tun habe). Und wenn das so weitergeht, dann werden Menschen ohne Smartphone bald von vielem ausgeschlossen sein. Das wird auch für Menschen gelten, die weiterhin mit Bargeld bezahlen wollen oder müssen. Versteht mich bitte nicht falsch, ich bin absolut nicht gegen Fortschritt, aber doch nicht un jeden Preis, nicht unter Verlust der digitalen Selbstbestimmung, nicht unter Verlust des Rechts auf Anonymität.

Papierkalender. Immer dabei wie auch Kladde und Stifte (Kugelschreiber, Füller, Bleistift). Gehört für mich sozusagen zur Handtaschengrundausrüstung bzw. zu der des Rucksacks. Im nächsten Jahr im Jugendstildekor.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 27. Dezember 2023 war ich zufrieden mit der gebügelten und weggeräumten Wäsche, mit entsorgten „Erinnerungsstücken” (ich erinnerte mich nicht mehr an das, woran sie mich hätten erinnern können), mit einigen entzif­ferten Kurrentsätzen (aus einem Christliches Vergißmeinnicht).

© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter 2023, Erlebtes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

10 Kommentare zu 2023/361 – Papierkalender

  1. Pit sagt:

    Einen Papierkalender (mit Bildern) haben wir immer an der Wand haengen, einfach als Monatsuebersicht, und einen kleinen Taschenkalender haben wir immer dabei, um sofort Termine eintragen zu koennen. Die uebertrage ich dann allerdings in meinen Outlook Kalender, weil mit Outlook dann jeden Tag an anstehende Termine erinnert.
    Liebe Gruesse, einen guten Rutsch, und alles Gute im kommenden Jahr,
    Pit

    • Der Emil sagt:

      An der Wand hab ich auch noch Kalender hängen. Aber in die trage ich nichts ein.

      Möge das kommende Jahr eines werden, das voller zufriedener Tage für euch ist.

  2. Gudrun sagt:

    Der elektronische Kalender ist gut, weil er eine Erinnerungsfunktion hat. Gut so, wenn man Arzttermine ein halbes Jahr später hat. Ich habe auch einen Papierkalender. Da kann ich herumschreiben, wenn sich was ändert, eine Zeichnung zu irgendeinem Projekt kritzeln und einen Haken setzen und Schlussbemerkungen machen. Ich weiß, dass es auch dafür Rechnerprogramme gibt. Ich möchte das aber so.
    Grüße von der noch stillen Stadtb nebenan

  3. C Stern sagt:

    Wunderbar, Dein Kalender ist genau der nach meinem Herzen, ein toller Einband!

    Auch ich schreibe noch immer in Kalendern – und daran wird sich nichts ändern.
    Irgendwann werde ich sie auch vernichten, denn meine Kalender fungieren ebenso als Tagebuch. Und meine Gedanken sollen auch meine bleiben.
    Einen Kalender online führe ich nicht, sehr wohl auf meinem Handy, da haben allerdings nur 10 Einträge Platz, also immer die wichtigsten.
    Der Papierkalender wird in unterschiedlichen Farben gestaltet, um die Termine in „privat“ und „beruflich“ vorzusortieren und auch in diesen Kategorien gibt es noch farbliche Gestaltungen, so gelingt es mir recht gut, einen Überblick zu behalten.
    Ich bin ein haptisch ausgerichteter Mensch – und so werde ich auch immer zum Buch greifen, nicht zum eBook-Reader.
    Digitale Selbstbestimmung, auch für mich ein großes Thema!
    Liebe Grüße, C Stern

    • Der Emil sagt:

      Ja, ich arbeite auch mit verschiedenen Farben in den Kalendern – und mit Büchern halte ich es wie Du.

      (Aber den Online-Kalender brauche ich tatsächlich.)

  4. Roswitha sagt:

    mein smartphone ist zum telefonieren, zu sonst nichts, ausser gelegentlichen nachrichten von den enkeln, da ich so selten draufschaue. ich habe eine wandkalender und einen pultkalender um termine zu notieren. ausserdem gibt es einen kleinen gedenktagkalender an der wand, er ist schon viele jahre alt, in ihm stehen geburtstage(inzwischen auch verstorbene). und einen minikalender von der bank für unterwegs eintragungen zu machen oder für die nachschau. ich lese auch nur gedruckte bücher, hole gebrauchte, verschenke gelesene und sorge so für materialersparnis. ich mache weder onlinebanking noch muss ich immer erreichbar sein. so ist das leben für mich gut.

    • Der Emil sagt:

      Naja, mein Smartphone liefert mir den Internetzugang, ist manchmal Einkaufszettel, manchmal Notizblock – beides aber nur in Ausnahmesituationen. Meins ist fast überall und immer dabei.

      Die meisten meiner Bücher sind aus #PublicLibrary Öffentlichen Bücherschränken und kehren auch wieder dahin zurück. Auch die meisten von mir gekauften landen oft dort.

  5. Sonja sagt:

    An der Wand meine drei Literaturkalender und für Termine der Wochenquerkalender mit Sprüchen von klugen Frauen, genau!

    • Der Emil sagt:

      Meist hängen zwei Kalender an der Wand.

      Und dann eben ein ganz bestimmter Moleskine oder eben etwas ähnliches (PaperBlanks diesmal), aber es muß jeder Tag eine eigene Seite haben, nur einfach liniert, ohne jede weitere Untereilung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert