Beinahe Alltag war das, aber eben doch nicht ganz.
Heute früh wollte ich einfach nicht aufstehen. Ich wollte liegenbleiben im Luftstrom meiner Ventilatoren. Also nahm ich mein Buch und versuchte zu lesen. Nein, nein, das funktionierte nicht, nicht mit diesem Buch. Ein anderes (wissenschaftliche Phantastik) paßte auch nicht und ein drittes wollte ich nicht erst versuchen. Ich stand auf, machte Kaffee, saß vorm Rechner. Wieder ist es (noch immer) viel zu schwül für mich. Und dazu kam schon nach kurzer Zeit ein sonderbares, ungutes Bauchgefühl, das mich an die Depression erinnert.
Kann ich grad wirklich nicht brauchen.
Also: Soll ich auf dieses Bauchgefühl hören?
Nein. Mach ich nicht, entschied ich. Also ließ ich die Waschmaschine laufen, konnte dabei diesen und jenen Handgriff erledigen. Eine Kiste voller Papier hernehmen und versuchen, gnadenlos auszusortieren. Damit kam ich nicht so recht voran. Na klar, das war ja zu erwarten bei diesem unguten Gefühl. Nein! So nicht! Das wäre dann der Weg hinunter, da will ich nicht hin. Wo ist jetzt das passende Geländer?
Rausgehen. Heute auch. Die Vorbereitungen dauern länger, wenn ich ein so ungutes Gefühl habe, gegen das ich ja handeln muß und will. Aber ich schaffe es irgendwann. Ich steige in den Bus, in eine Funkenkutsche, in eine zweite. Gehe zu einem Öffentlichen Bücherregal, das ich nur selten besuche, weil andere leichter erreichbar sind für mich. Vier gelesene Bücher hatte ich mitgenommen, die ich dort zurücklasse. Andere Straßenbahn, umsteigen, weiterfahren. Etwas im Vorbeifahren am Straßenrand gesehen und überlegt, ob ich aussteige und mir diese „Zu-Verschenken”-Kiste ansehe. Nein, ich hab sowieso zuviel Krempel, von dem ich mich trennen muß, aber oft nicht trennen kann. Woanders aussteigen, Wege und Straßen entlanggehen. Einige davon hatte ich noch nie unter meinen Füßen. Es ist schwül, das Shirt klebt mir unterm Rucksack auf dem Rücken. Da bin ich an einer Sparkassen-„Filiale” (heute ein reiner Automatenstandort), an dem ich wirklich noch nie Geld abgehoben habe. Gut, hab ich auch das gleich erledigt.
Heimwärts geht es mit einigen Umwegen. Die neuen TINA sind alle gut klimatisiert, in denen läßt es sich aushalten. Einmal steige ich aus, weil ich eine Toilette brauche (Friedhöfe und Krankenhäuser sind meine Favoriten, oder Verwaltungsgebäude mit freiem Zugang). Dann gehe ich ungeplant noch zu einem Textil-Billigheimer und suche vergeblich nach schwarzen T-Shirts mit V-Ausschnitt in meiner Größe (mindestens 3XL). Auch in einem anderen dieser Läden werde ich nicht fündig. Vielleicht mache ich mich dann morgen extra deswegen auf. Heute habe ich mich lange genug gegen das ungute Gefühl in meinem Bauch gewehrt, es war nie wirklich weg, aber ich blieb stur.
Um Neun saß ich am Rechner, um Elf war mir klar, daß ich raus muß. Drei Stunden brauchte ich, bis ich etwa um Zwei aus dem Haus gehen konnte. Und kurz nach Sechs war ich wieder zuhause. Alltag bei mir, beinahe Alltag.
Knapp 7000 Schritte bei Wetter wie direkt vor einem Gewitter: schwül und leichter Wind, bedeckter Himmel. Nicht ein Tropfen Regen, kein Donner, nichts von 14.00 Uhr bis 19.30 Uhr. Die verwirrenden Zeitformen in diesem Beitrag korrigiere ich nicht.
Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Vier Bücher ließ ich frei.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden machten mich am 31.07.2026 die klimatisierten TINA, das Imzaumhalten des Bauchgefühls, das Eis gleich nach dem Nachhausekommen.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

