031.2026: Verlegen

Wenn Selbstverständlichkeiten zum Ausnahmehandeln werden.

 

Manchmal machen mich ein Wort oder ein Satz wirklich ganz verlegen. Vor allem, wenn ich für etwas „gelobt” werde, das doch selbstverständlich ist. Heute in der Straßenbahn voller Schulkinder, deren Schulranzen (oder wie die Dinger heutzutage heißen) alle einen eigenen Sitzplatz benötigen, stand ich auf, als eine wirklich ältere Dame einstieg, und bat sie, sich doch bitte zu setzen. „Das ist aber hochanständig von ihnen, junger Mann. Vielen Dank.” Im Vergleich mit ihr stimmte das jung sogar. Mich machten ihre Worte ganz verlegen; die Kinder und Jugendlichen um uns herum blieben wie ihre Schulranzen sitzen und starrten mehrheitlich weiter auf ihre mobilen Endgeräte.

Früher lernte der Nachwuchs bei den Jungen oder Thälmann-Pionieren oder bei den Pfad­findern oder im CVJM oder oder oder … noch, daß älteren und gebrechlichen Personen in den Verkehrsmitteln ein Sitzplatz angeboten werden soll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 29.01.2026 bisher besorgte Dinge, die Fahrt mit der vierten TINA (854), die Zeit in meiner Wanne.


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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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15 Kommentare zu 031.2026: Verlegen

  1. Hiraeth sagt:

    Ja, so ist das heutzutage, leider …

  2. Ja, früher… Heutzutage darf man als ältere schwerbehindere Person dankbar sein, wenn man bei der Bitte um einen Sitzplatz nicht dumm angemacht wird.

  3. Franci sagt:

    Ja, heute bekommen die Kinder Einschlafbegleitung und Windelwechsel bis ins 2. Schuljahr. Dann Elterntaxi usw. usw. Was soll man da noch erwarten können…

  4. piri sagt:

    Ja, früher sind wir auch noch zu Fuß zur Schule gegangen …

    • Der Emil sagt:

      Was aber unter anderem auch daran lag, daß es in jedem Kuhdorf eine Schule gab und daß auf den Straßen auch viel weniger Fahrzeuge unterwegs waren.

      • Sabia sagt:

        und ist es nicht merkwürdig, dass wir uns diese Schulen nicht mehr leisten können, obwohl wir doch Gott und die Welt
        rationalisieren und das Bruttosozialprodukt bis ins Unendliche steigern?

  5. Nati sagt:

    Schade drum, dass solche Werte nicht mehr (vor)gelebt werden.
    Ich hätte eines der Kinder gebeten für die Dame aufzustehen. Da hätten garantiert ein paar Kids mehr aufgeblickt, anstatt weiter ins Handy zu glotzen.

  6. Sabi sagt:

    @deremil Die Kinder sind zum großen Teil daran gewöhnt, immer zu bekommen, was sie wollen, ohne je Rücksichtnahme zu lernen.
    So ist es leider.

  7. Seit letztem Jahr wird MIR immer mal wieder ein Sitzplatz angeboten. Wie Herr Buddenbohm in Hamburg immer sagt: „Kein Tag ohne Demütigung!“ 🙂

  8. Thweologin sagt:

    Von den Eltern lernte man das, oder von der Oma in Hellbeige, die einem in der Straßenbahn die Handtasche um die Ohren haute und einen Satz keifte, der mit „Diese Jugend von heute….“ begann. Dann stand man immer auf.

  9. Die einzigen, die hier in der großen, dummen Stadt an der Isar einer Dame unaufgefordert und lächelnd Platz machen, sind die arabischen und afghanischen Jungs, von denen ich es eigentlich nicht erwartet hätte. Und die Männer vom Boxverein.

  10. annette sagt:

    Ich schätze mal, das liegt daran, dass die wenigsten Eltern mit ihren Kindern Bus fahren und entsprechendes gutes Benehmen vorleben können. Mir wurde auch schon einige Male ein Platz angeboten, fast immer von halbwüchsigen männlichen Jugendlichen mit schwarzen Haaren!
    Ich habe allerdings auch schon mal eine „keifende Oma“ darauf hingewiesen, dass man durchaus freundlich um den Platz des Rucksacks bitten kann.

  11. anneeulia sagt:

    Also das war selbst im Schulbus selbstverständlich, wenn ältere Damen mitfuhren.
    Aber ich denke es kommt auch immer auf die Art des auftretens der älteren Herren und Damen an.

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