173–2024: Nachtruhe

Sie wurde – nicht zum ersten Mal – gestört.

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Beim Einschlafen höre ich Donnergrollen; schlagartig bin ich wieder wach. Ich setze mich an den Schreibplatz und zünde eine Kerze an. Weil das Fenster im Zimmer noch weit geöffnet ist, flackert die Flamme. Ich schalte das Radion ein, leise klingt die Musik meiner Jugendzeit durchs Halbdunkel. Vor mir liegt leeres, unbeschriebenes Papier. So warte ich auf den ersten Blitz, wenigstens auf ein Wetterleuchten. Auf notierenswerte Worte. Abgehühlt hat es sich, darum lege ich mir eine Decke über die Schultern. So läßt es sich aushalten, alles, das Donnergrollen, die damit noch immer verbundene, nach all den Jahren noch immer spürbare Unruhe. Ganz wie früher bei den Großeltern am Küchentisch, an dem alle saßen und hofften, vom Blitz verschont zu werden. Doch hier bleibt es beim Grollen in der Ferne. Kein Krachen, kein Blitz, kein Regen. Mäßiger Wind. Ganz so, als traue sich das Gewitter nicht über den Fluß, nicht in die Stadt – es bleibt fern. Und so schließe ich nach einer knappen Stunde das Fenster, schiebe das noch immer leere Papier wieder zusammen, lösche die Kerze und gehe ein zweites Mal schlafen.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Heute brachte ich 28 CDs in einen Öffentlichen Bücherschrank #publiclibrary.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 21. Juni 2024 mit einigen gerippten CDs, mit den weggebrachten CDs, mit dem unerwarteten Treffen und Schwätzchen unterwegs.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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2 Kommentare zu 173–2024: Nachtruhe

  1. Elvira sagt:

    Wenn es bei uns gewitterte, dann setzten wir Kinder uns auf den Balkon. Da war so eine Erwartung, ein leichter Grusel, trotz der Gewissheit, dass uns nichts geschehen kann. Und so ein Fünkchen, ich weiß nicht, wie ich es benennen kann, heute würde man vielleicht sensationslüstern sagen, so ein Kribbeln, ob nicht doch etwas passieren könnte. Und immer diese Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung, wenn das Gewitter weiterzog. Meine Schwiegermutter war eine sehr taffe Frau, aber vor Gewitter fürchtete sie sich, es weckte jedesmal Erinnerungen an den Krieg. Darum mochte sie auch kein Feuerwerk.

    • Der Emil sagt:

      Es war wohl so, daß beide Großelternpaare durch Blitzeinschlag vor bzw. während des II WK Schäden erlitten (zumindest erzählte das die Familie so). Auch bei mir bleibt ein Rest Angst vor der Naturgewalt während schwerer Gewitter.

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