107–2024: Stille

In absoluter Form ist sie für mich sehr unangenehm.

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Wie unterschiedlich sie doch ist, die Stille, wie unterschiedlich ich sie wahrnehme. Und: Wie verschieden ich doch Situationen wahrnehme, die ich trotz vorhandener Geräusche als Stille bezeichne!

Windradrauschen und Vogelstimmen stören die Stille im einsamen Gehöft zum Beispiel nicht, auch das Knacken der Scheite im Feuer gehört zur Stille dort dazu wie das Gackern dreier Hennen. Hier wird die Stille nicht gestört durch das Ticken diverser Zeitmesser und auch nicht durch die geschlossenen Fenster wahrnehm­bare Verkehrsgeräusch rund ums Haus. Selbst im Radiostudio: Das leise Rauschen der Klimaanlage gehörte zur Stille dazu. Die Stille im Wald oder an der See: Würde ich sie ohne dazugehörende Geräusche als Stille wahrnehmen?

Ja, ich war einmal in einem wirklich geräuschlosen Raum, in einem schalltoten Raum. Nein, dort habe ich mich absolut nicht wohlgefühlt: Es war zu still. Absolute Stille ohne jedes Geräusch wirkt auf mich erdrückend. Meine Stille braucht ein Geräusch, Geräusche, die zu ihr gehören; und wenn es nur Wind oder Wasser sind, von dem Rauschen herkommt oder leises Zirpen von Insekten …

Könnt ihr euch überhaupt eine Stille ohne jedes Geräusch vorstellen, wirklich ohne jedes Geräusch? Oder ist es wie bei mir? Benutzen wir das Wort Stille „nur” falsch oder inkorrekt und sollten daher jenen Zustand besser Ruhe nennen, geräuscharme, lärmfreie Ruhe?

Ich stelle fest: Die Benennung ist mir tatsächlich egal, denn Stille ist für mich mehr ein Gefühl.

 

Erinnerung des Tages:
Ich habe mir noch dies und das vom/​zum Wochenende notiert.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 16. April 2024 mit der anderen Stille zuhause, mit den in die angestammte Ordnung weggeräumten Dingen, mit erhaltener Post.

© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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11 Kommentare zu 107–2024: Stille

  1. Muldenkind sagt:

    @deremil
    Oh, das kenne ich 💚
    Und sofort denke ich an mein kleines Nimmerempfangsland, wo es auch nicht wirklich und absolut still (und menschenleer) ist.
    Stille als Gefühl, das ist es! Wie du sagst.

    • Der Emil sagt:

      Die Stille ist auch in Kirchen nie absolut – aber nahe dran …

      • Muldenkind sagt:

        @deremil
        Und manchmal frage ich mich dann, ist das jetzt gut oder eher weniger… 🤔

  2. Nati sagt:

    Absolute Stille finde ich sehr unangenehm. Im Garten wenn die Vögel zwitschern und der Wind rauscht, das empfinde ich als angenehme erholsame Stille. Da man in der Ferne auch Stadtgeräusche hört.
    Auf dem Land aber, wo es kein Autoverkehr gibt, keine Stimmen aus der Ferne, keine Stadtgeräusche, dort fühle ich mich auf Dauer unwohl. Es ist einfach zu ruhig für mich als Stadtmensch.
    Ich hätte früher nicht gedacht, dass ich die Landruhe als Lärmempfindlicher Mensch unangenehm empfinden würde.

  3. Elvira sagt:

    Ich konnte nie verstehen, warum bei meiner Mutter immer der Fernseher lief, selbst, wenn sie nicht im Wohnzimmer war. Heute verstehe ich es. Einsamkeit geht oft einher mit einer anderen Form der Stille, einer Stille, die unerträglich werden kann, der zu entfliehen ein Radio oder Fernseher helfen kann.

    • Der Emil sagt:

      Ja, das mache ich manchmal auch schon: Dann dudelt ein Radiosender. (Außerdem führe ich zuhause laute Selbstgespräche …)

      • Elvira sagt:

        Meine Selbstgespräche sind spontane Äußerungen oder ich sage mir vor, was ich gerade in welcher Reihenfolge zu tun gedenke. Ist das schon bedenklich?

        • Der Emil sagt:

          Solange Du Dir dabei nicht widersprichst … 😀

          (Genau so übrigens mach ich das auch, laut ansagen, was ich tu; und manchmal frage ich mich, warum ich das jetzt mache.)

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