080–2024: Plünderung

Geahnt, ja, aber nicht nicht in diesem Ausmaß.

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Der 23. März ist der letzte Tag, an dem – so noch Ware vorhanden sein sollte – der Supermarkt hier um die Ecke (knapp 1.000 m entfernt) geöffnet ist. Ich war heute noch ein letztes Mal dort und habe Kaffee gekauft, vier Päckchen Markenkaffee mit 50 % Preisnachlaß, ein jedes also für 3,24 €. Und Gewürzgurken. Und das war es auch schon. Selbst Senf und die richtig hochwertigen Spirituosen sind bereits komplett ausverkauft (oder ausgeräumt). Einges Trostlose hatte ich erwartet, das gebe ich zu. Aber das, was ich heute sah, das grenzte schon arg an Leichenfledderei nacheiner Plünderung: leere Regale, soweit das Auge reicht. Die übriggebliebenen Artikel an den unmöglichsten Stellen wahllos zusammengewürfelt. Und auch leere Verpackun­gen, aus denen die Artikel entnommen waren (vielleicht, um sie nicht bezahlen zu wollen), und anderer Müll lag einfach auf dem Fußboden herum.

An der Nachbarkasse wurde dann noch darüber gestritten, wieviel Prozent Nachlaß nun auf eine bestimmte Produktgruppe laut Aushang am Regal (50 % auf Gemüse­konserven) bzw. Kassensystem (30 % auf Wurstkonserven) zu gewähren sind. Ja, ich schämte mich für die Ausdrücke dieses Mannes, der sich im breitesten Glauchschen Hochadelsdialekt (sarkastische Bezeichnung für das in Halle Glaucha gesprochene Kauderwelsch) sehr, sehr lautstark echauffierte.

Ab nächste Woche wird dieses Geschäft (Haupthändler in einem größeren Einkaufs­zen­trum) fehlen. Mir auch, denn dort gab es Pfandrückgabeautomaten, die fast alles nahmen, was mit Pfand versehen war und ist, auch die Joghurtgläser zum Beispiel. Der Weg bis zum nächsten Pfandpiratenparadies ist mehr als doppelt so weit. Noch weiß niemand, was in die Räumlichkeiten einziehen wird. Und wann das geschieht. Ich befürchte außerdem, daß das Fehlen des Hauptgeschäftes Auswirkungen auf die anderen Händler im Komplex haben wird.

Ein wenig traurig bin ich jetzt.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich stellte drei Bücher ins Öffentliche Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 20. März 2024 mit dem sehr günstigen Kaffee, mit einem Gang um die Ententeiche, mit einer zum Sotieren vorbereiteten Klappbox voller Krimskrams.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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10 Kommentare zu 080–2024: Plünderung

  1. Der Emil sagt:

    @muldenkind@troet.cafe

    Ja, aber: Die Mehrhheit ist nicht so.

    @deremil@deremil.blogda.ch

  2. Nati sagt:

    Ich weiß schon warum ich solche Ausverkäufe und Geschäftseröffnungen meide. Da kommt das Tier im Menschen hervor. Einfach nur furchtbar solch ein benehmen.

  3. Lin sagt:

    Vor einigen Jahren hat bei uns auch der Lebensmittelladen, in dem wir Stammkunden waren, zugemacht. Wir haben den Ausverkauf gemieden, sind aber kurz vor Schluss nochmal hin, um uns vom Personal zu verabschieden. Es war wirklich schrecklich, wie Leichenfledderei, und zwar fast ausschließlich von Leuten, die man sonst nie im Laden gesehen hat. Für die Kassiererin war es auch ganz schlimm und sie freute sich so, ein paar bekannte Gesichter zu sehen.

    • Der Emil sagt:

      Einige vom Personal erkannten mich auch immer wieder, von denen verabschiedete ich mich in den letzten drei Wochen schon.

      Meiner Meinung nach verschwinden immer wieder die falschen Läden …

  4. Gudrun sagt:

    Ich weiß nicht, warum ich mich in solchen Situationen immer schäme, obwohl ich am wenigsten Grund dazu habe. Diese Gier macht mir aber auch Angst. Wie verhalten sich Menschen in einer wirklich prekären Situation?

    • C Stern sagt:

      Auch ich kenne das von mir, dieses Schämen für Leute (mit unaussprechlichen Verhaltensweisen), die das nicht tun.
      Ich bin nicht so sicher, dass diese Art von Individuen nicht doch die Mehrheit darstellen. In meinem engsten Umfeld verhält sich das zwar anders, aber wenn die Kreise größer werden …
      Erst neulich habe ich das Thema Nachhaltigkeit zu einem Tischgespräch gemacht. Ich visioniere ja diesen menschlichen Geist, allerdings habe ich mir eine Abfuhr geholt, von durchaus sehr geistesbemühten Menschen. Ja, was würden denn da die vielen Unternehmen machen, die Kleidung, Autos, Haushaltsgeräte, Smartphones, …, herstellen. Die würden dann gewaltige Umsatzeinbußen haben – und viele Menschen würden so ihre Arbeitsplätze verlieren.
      Also soll auf Kosten der Umwelt einfach weiter viel zu viel produziert werden.
      Damit – die Schlussfolgerung meiner Gesprächspartner – nur ja keine Arbeitsplätze verloren gehen. Ach was, das erledigt ohnehin die KI … Das sind Visionen, einfach grauenhaft!

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