Was mir zu Erinnerungen noch so in den Sinn kam.
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Für manche ist ja heute π-Day, π-Tag: 3/14. Und wer es „ganz genau” machen will, der achtet zusätzlich noch auf die Uhrzeit (in angloamerikanischer Schreibweise 1:59:26 pm) und hat damit 3,1415926 und sieben exakte Nachkommastellen der Kreiszahl. Und deswegen denke ich an all das, was ich irgendwann einmal auswendig lernte.
Ich erinnere mich daran, daß wir als Schüler:innen und Student:inn:en versuchten, so viele Stellen der Kreiszahl π und auch der Eulerschen Zahl e auswendig zu wissen wie wir nur konnten. Es gab Wettbewerbe im Zahlansagen, ich war nie der Beste. Bei Gedichten jedoch … „Festgemauert in der Erden, sieh da, sieh da, Timotheus, der alte Winter in seiner Schwäche, aus hielt er, bis er das Ufer gewann …” Und es gab mehr als Schiller und Goethe und Fontane.
Immer wieder wurde an vielen Bildungssystemen kritisiert, daß viel zu viel auswendig gelernt werden müßte: Gedichte, Liedtexte, Formeln, Kommaregeln, wann ß und wann Doppel-s geschrieben werden muß, die Geradzahl-Regel (Na, wißt ihr noch, was das ist und wo das benötigt wird?), das Coulombsche Gesetz, die Planetennamen usw. usf. Und für viele dieser auswendig zu lernenden Sachen gab es einfach zu merkende Eselsbrücken wie das vielgerühmte „Bedächtig kommt einhergeschritten vier Drittel π mal r zur Dritten” – das kennt ihr aber noch, nicht wahr? Oder „Drei drei drei – große Keilerei”? Solche Dinge zu wissen war lange vor der Zeit des immer verfügbaren Internets notwendig, denn nachschlagen mußte man in Büchern, in Tabellen all das, was man nicht anwendungsbereit im Kopf hatte.
Es hatte also auch sein Gutes, dieses Auswendiglernen, es war sogar notwendig. Und irgendwann hatte jeder von uns den Dreh raus, wie das geht, etwas für zwei oder drei Tage im Kopf zu behalten oder gar für immer sicher abzuspeichern. Den Zitronensäurezyklus beispielsweise wußte ich auswendig für die Bio-Prüfung zum Abitur; heute weiß ich darüber nur noch, das darin ADP und ATP vorkamen und eben diese Zitronensäure und daß der was mit … ja, womit denn nur zu tun hatte, und ist das mit dem ADP und dem ATP wirklich so? Auch die Namen der Basen A C G T, aus denen sich DNA zusammensetzt und RNA, sind in meinem Gedächtnis verschüttet, aber die könnte ich ja jederzeit wie den Zitronensäurezyklus suchmaschinen.
Ja, und dann Fremdsprachen. Mein Russisch, auf das ich sintemalen stolz sein konnte (auch wenn ich nach Aussage einer Moskowiterin einen fürchterlichen Leningrader Dialekt sprach), ist wegen Nichtgebrauchs mittlerweile … Ihr könnt es euch denken.
Und die, die heute nichts mehr, nein, kaum noch was auswendig lernen, die ihr Hirn nicht damit beschäftigen, nicht damit trainieren: Was können sich diejenigen noch wie lange merken?
Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Die alte Personenwaage (LCD-Display defekt), die ich gestern ersetzte, hab ich zerlegt und alles, was nicht Elektronik war, in den Müll geworfen.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden war ich am 14. März 2024 mit der Kramerei im Gedächtnis, mit dem komplett gepackten Krimskrams, mit dem Bad in der Wanne.
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Ja so ist es leider. Auch zu meiner Zeit war es noch üblich gewisse Dinge auswendig zu lernen. Bei meinen Jungs allerdings gab es dies kaum und man merkt es bei der heutigen Jugend wie wenig im Langzeitgedächtnis verankert bleibt.
o Gott, ja, der Zitronensäurezyklus!! konnte ich, hab jetzt keine Ahnung mehr. irgendwas mit Photosynthese, glaub ich. Gedichte haben wir leider fast nicht gelernt, dafür unregelmäßige lateinische Verben. Die kann ich heute noch. toller, tollo, sustuli, sublatum und so. Habe es gemocht.