003–2024: Tintentraum

Was soll mir der nun sagen?

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Ich träumte in der vergangenen Nacht – vielleicht war es auch am heutigen Morgen – einen Tintentraum:

Die tiefschwarze Tinte, mit der ich schrieb, wurde schlagartig farblos, völlig unsichtbar. Die Buchstaben und Worte auf dem Papier nicht mehr erkennbar. Ich raufte mir die Haare, zündete mir eine dritte Kerze an (Mehr Licht!) und konnte vom Geschriebenen dennoch nichts mehr sehen. Da versuchte ich es statt in der linierten Kladde auf einem Blanko-Schmierzettel: Die Schrift war sichtbar, in schweinchenrosa. Oh, dann wollte ich wissen, wie es auf kariertem Papier aussah: ein blasses Blauviolett erschien. Auf einen Stück schwarzen Karton war nichts zu erkennen. Und als ich schließlich ein Stück von dem mir völlig mißfallenden punktkarierten („dotted”) Papier versuchte, erschien die Schrift in einem sonderbaren Giftgrün (der Erzgebirger nennt es Tschi­tsche­rie­grieh, sonst ist es als Tschitscheringrün bekannt). Auf liniertem Papier kam mit der entfärbten, ehemals tiefschwarzen Tinte nichts sichtbar Geschriebenes zustande. Die Tinte im Glas war noch immer schwarz, nur in der Kladde, beim Schreiben, auf dem linierten Papier blieb sie farblos, nicht mehr erkennbar.

 

Sonderbar. Sehr. Oder nicht? Ist, was ich aufschreibe, so unnütz, daß es nicht sichtbar sein muß oder braucht? — Nein, das glaube ich nicht …

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich stellte heute 16 Bücher in einen öffentlichen Bücherschrank. Der völlig kaputte Schnell­kochtopf (Deckel fehlt, Griff abgebrochen) landete im Müll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 3. Januar 2024 mit den weggebrachten Büchern, mit durch- und aussortierten Notizen, mit der erledigten Arbeit im Haushalt.

© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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7 Kommentare zu 003–2024: Tintentraum

  1. piri sagt:

    Glaub ich auch nicht, unnütze ist das nicht, was du aufschreibst und auf anderem Papier ist’s ja zu lesen. Wenn auch in ganz andren Farben.

  2. C Stern sagt:

    Ich beobachte, dass sehr tiefsinnig lebende Menschen dazu neigen, sich dahingehend zu untersuchen, ob sie „Unnützes“ von sich geben. Der Anspruch an uns selbst ist ein sehr großer – und wir dürfen stets darauf achten, uns davon nicht untergraben zu lassen. So zumindest mein Empfinden, meine Erfahrung.
    Vielleicht kann Dein Traum ein Hinweis darauf sein, dass das, was und wie wir denken, nicht Bestand haben muss, sondern ebenfalls einem Wandel unterworfen ist? Dass auch das, was geschrieben steht, sich in ein paar Jahren anders liest, der Wahrnehmungsgehalt sich verändert hat, die Erfahrungen mehr, der Horizont weiter ist.

    Ich bin gerade dabei, vieles von dem, was ich vor -zig Jahren von mir gegeben habe, meinem Aktenvernichter anzuvertrauen. Ich habe das große Bedürfnis, aufzuräumen. Was vergangen ist, ist vergangen, jetzt ist jetzt. (Ein großes Motto, erneut angefacht vom wunderbaren und auch von mir auf meinem Blog beschriebenen Film „Perfect Days“, Wim Wenders.) Es reichen meine Erinnerungen, die meinen Geist bewegen. Auch hier ist Sortieren ein großer Wunsch.
    Herzliche Grüße!

    • Der Emil sagt:

      Nun, unnütz ist mein Geschriebenes nicht. Es ist für mich oft nachvollziehbares Denken, schöne Geschichte, Anregung – nichtmal Dada finde ich unnütz. Selbst nach Jahrzehnten nicht.

      Ja, jetzt ist jetzt. Dennoch möchte und kann ich nur sehr wenig Aufgeschriebenes wegwerfen; es sind zumeist lose Blätter und Zettel mit Belanglosigkeiten. Die Kladden bleiben mir.

  3. Der Emil sagt:

    @Lyrum00psem@troet.cafe

    Die Fragerei war rhetorisch, aber wir sind – die Träume betreffend – einer Meinung.

    @deremil@deremil.blogda.ch

  4. Gudrun sagt:

    Oh nein, unnütz ist deine Schreibe gar nicht. Und das ist dir auch schon oft gesagt worden. Glaub an dich und an das, was du gut kannst und die Farbe der Tinte bleibt kräftig in der Farbe.
    So deute ich deinen Traum. Und nun wünsche ich dir einfach viel Freude am Schreiben für dieses Jahr, in deiner guten und ganz eigenen Art.
    Grüße von nebenan.

    • Der Emil sagt:

      Die Fragerei war ja – ich schrieb es schon – rhetorisch. Ohne das Schreiben würde ich platzen.

      Und außerhalb des Traums funktioniert die schwarze Tinte ja auch.

      Danke.

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