353 im #Advent 2023 – Die 19. Tür


Wieder sind Menschen auf der Suche. Wonach? Warum?

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Das ist der 14. Adventskalender hier. Ich widme ihn allen, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, und allen, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen wieder für Menschen und Tiere, die Hoffnung und Trost brauchen.

 

Bald ist es wieder soweit. Häuser, die das ganze Jahr über leerstehen, füllen sich. Wobei: Häuser sagt heute niemand mehr, oder? Kirche heißt es heute oder Sakralbau, nicht mehr Haus Gottes.

Nein, lauft nicht gleich weg, ich habe doch nur ein paar Fragen und will etwas aus meinem Denkicht herzeigen.

Selbst zur DDR-Zeiten, als das ganze Brimborium nur geduldet war, waren die Kirchen zu den Weihnachtsfesten voll. Bis auf den letzten Platz gefüllt – und manchmal standen die Menschen sogar noch in den Gängen. Ja, da waren auch Genossen, Mitglieder der SED anwesend, nicht als Spitzel, sondern … als Menschen, die an diesem Tag, in dieser Zeit etwas suchten, das sonst kaum noch zu finden war, von dem aber nicht nur sie nicht wußten, was das wohl sein könnte. Es war ja so schön feierlich, so besinnlich, so … so … Ach, ganz genau beschreiben konnte es nicht einmal der, der die Veranstaltung leitete. Der gesunde Menschenverstand fordert, daß da ja ein Grund sein muß für diesen Drang, wenigstens an diesem einen Tag in eine Kirche zu gehen. Niemand aber konnte den Grund deutlich benennen. Was das ganze Jahr über unmöglich und unschicklich schien, verpönt war: An diesem einen Tag „mußte” es sein.

Und niemand, auch niemand von den wenigen regelmäßigen Kirchgängern konnte das wirklich verständlich erklären.

Sogar bei der NVA wurden zur Weihnachtsfeier Lieder gesungen, die in den Kirchen­ge­sang­büchern zu finden waren und sind.

Tradition, ja, natürlich. Doch nur an diesem einen Tag im Jahr. Heute sind noch weniger Menschen als zu Zeiten der DDR Glieder der Kirche, wie es hochoffi­ziell heißt. Und immer mehr Menschen treten aus aus diesen Institutionen. Auch ich denke sehr oft, daß es die Institution nicht mehr braucht. Nur zur Weihnachtszeit, an diesem einen Tag, der außer der von der Kirche ihn ihn hineingebrachten keine besondere Bedeutung hat, an diesem einen Tag ergreifen Menschen gerne die Gelegenheit, sich in diesen Häusern zu versammeln. Gemeinsamkeit zu erleben. Sogar miteinander zu singen.

Aber warum? Das frage ich mich noch immer.

Vor fünf Jahren zitierte ich „Was wollen die bloß?”, aber findet sich dort eine klare Antwort auf jene und meine Fragen? Nein, dort werden auch keine Antworten gegeben oder gefunden.

So aufgeklärt sich die Menschen auch geben heutzutage, an diesem einen Tag tun sie, was sich rational kaum begründen läßt. Was suchen sie, was hoffen sie zu finden? Und wieso gerade in den Kirchen?

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Adventszeit.

Der Emil

 

Am 18. Dezember 2023 war ich zufrieden mit dem völlig unerwarteten Paket, mit dem beim Imker gekauften Honig, mit dem frisch bezogenen Bett (und den 15 weggebrachten Büchern).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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6 Kommentare zu 353 im #Advent 2023 – Die 19. Tür

  1. Gudrun sagt:

    Als Kind war ich mit meiner Freundin mal in der Kirche. Sie war christlich und ich wollte ehrlichen Herzens wissen, was die Leute da drinnen machen. Es war keine gute Begegnung und ich war nie wieder dort.
    Weihnachten ist für mich ein Familienfest. „ Driving Home for Christmas“, vielleicht gefällt mir das Lied von Chris Rea deshalb so gut, weil ich mich das ganze Jahr auf meine Familie freue. Wir sind sonst nicht mehr so zusammen, wohnen weit entfernt von einander. Wir essen zusammen Stollen, das Räuchermännchen nebelt und am 24. wird der Baum geschmückt. Und wenn der Katzenpapa dann den Gastkater abholen will, laden wir ihn ein, sich zu uns zu setzen. Es sollte niemand alleine sein.

    • Der Emil sagt:

      Natürlich war/ist auch für mich das Weihnachtsfest ein Familienfest.

      Aber wenn ich die Gelegenheit habe (was sehr oft geschah), war ich auch in einer Kirche. Wenn ich mich an die Christmette im Bergmannsdom Sankt Wolfgang in Schneeberg erinnere, mit den bergmännischen Akteuren, dann blieb davon ein Gefühl der Gemeinschaft und es blieben andere, die ich nicht wirklich benennen oder beschreiben kann. Und wir sind oft dortgewesen: Nachts zu Fuß übern Berg in die Nachbarstadt, etwa eine Stunde waren wir da unterwegs …

      • Gudrun sagt:

        Ich glaube, bei dir, in deiner Heimat, waren die Kirchen anders als in meinem Industriegebiet. Es ist schön, wenn du solche gute und schöne Erinnerungen haben kannst.

        • Der Emil sagt:

          Naja, das grad in St. Wolfgang hatte viel mit dem größten Industriebetrieb der DDR zu tun: Mit dem Bergbau der SDAG Wismut und mit den Bergleuten und ihren Traditionen, die trotz oder gerade wegen des Staates gepflegt wurden. Und vielleicht ist es in den Dorfkirchen auch anders (gewesen) als in denen der Großstädte.

  2. Selbst mein Vater, der das Jahr über nie in die Kirche ging, begleitete uns jährlich an einem Weihnachtstag. Unsere Mutter ging nach dem Krieg jeden Sonntag und wir mussten zum Kindergottesdienst. – Erst, als mein erstes Kind tödlich verunglückt war, habe ich mich fern gehalten… Dann wurde es noch einmal anders mit meinem 2. Mann, aber als der von der Stasi geholt wurde, war ich hochschwanger und seitdem will ich nix mehr davon wissen. – Kirchen betrete ich nur noch zu Besichtigungen!!!

    • Der Emil sagt:

      Verständlich.

      Ich war ja auch als Ausgetretener schon drei Jahre im Kirchenchor und gestaltete die Gottesdienste mit. War schon seltsam.

      Noch heute mag ich die Atmospäre in den Gebäuden; die Institutionen allerdings …

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