352 im #Advent 2023 – Die 18. Tür


Ein Nachmittag zu zweit im Wald.

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Das ist der 14. Adventskalender hier. Ich widme ihn allen, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, und allen, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen wieder für Menschen und Tiere, die Hoffnung und Trost brauchen.

 

 

Es ging nocheinmal hinaus in den Wald. Nicht, um den Weih­nachts­baum zu holen, das wird erst einen oder zwei Tage vor dem Heiligen Abend gemacht. An diesem Tag ging er mit dem Großvater noch einmal Reisig holen. Das erledigt Opa, der Knabe hatte einen Korb dabei, in dem er Zapfen und Kuttern (Rindenstücke) sammeln wird. Für den Küchenherd bei Oma.

Gleich nach dem Mittagessen machten sie sich auf den Weg. Der Großvater verzichtete deshalb sogar auf seinen Mittags­schlaf auf dem Kannapee in der Küche. Nach einer halben Stunde auf einem Feldweg stapften die beiden hinein in den Hochwald, auf ein Fichtendickicht zu. Der Junge sollte draußen bleiben und Zapfen und Rindenstücke sammeln, sich dabei aber nicht weit von der Stelle entfernen, an der der Großvater jetzt verschwand. Aus dem Dickicht hörte er noch die Stimme, die ihm etwa eine Viertelstunde Zeit gab für seine Aufgabe.

Es gab nur wenige Rindenstücke. Und der Junge, der jetzt ganz allein im Wald zu sein schien, bückte sich hie und da nach den Zapfen. Er rief in Richtung Dickicht, daß es hier viel zu wenig zu finden gäbe. Aber er erhielt keine Antwort. Da zuckte das Kind mit den Schultern und ging noch ein paar Meter weiter. Der Korb füllte sich nur sehr langsam, viel zu langsam, dachte der Knabe. Aber er konnte ja keine Zapfen von den Bäumen schütteln. Ob die Viertelstunde wohl schon um war? In einem Bogen ging er zurück, lief ein wenig zu weit, so daß er die Stelle von Großvaters Verschwinden verfehlte. Ziemlich nahe an den kleinen Bäumen sammelte er sich zu ihr zurück. Der Korb war etwa zu drei Vierteln voll mit Zapfen.

Es knackte und krachte im Dickicht ein paar Meter vor ihm. Der Junge hatte keine Angst, denn das – er hörte ihn husten – war der Großvater. Hinter sich her zog der ein ziemlich großes Bündel der immergrünen Äste. Die waren mit einem Koffer­riemen zusammengebunden. Sie hätten jetzt beide genug gesammelt; auf dem Heimweg könnte der Enkel ja weiter aufzusammeln, was im Korb noch Platz hat. Großvater hievte sich das Reisig auf die linke Schulter, hielt es mit dem Ledergurt dort fest und ging los.

Nach kurzer Zeit trat das ungleiche Paar aus dem Wald heraus auf den Feldweg, dem sie bis ins Dorf folgten. Großvater lobte den Mut, den der Junge gezeigt hatte. Denn statt der Viertelstunde, wie er dachte, brauchte der alte Mann eine halbe Stunde für das Reisig. Und er erzählte seinem Enkel von früher, als er als kleiner Junge mit seinem Opa in den Wald ging. Stöckraustun nannte er das Aufsammeln von abgebro­che­nen Ästen, das Abbrechen von Bäumchen, die dürr und braun im Wald standen. Und ja, auch er hatte damals Zapfen und Kuttern gesammelt. Und der Großvater erzählte und erzählte den ganzen Weg lang. So verging die Zeit des Heimwegs recht schnell.

Das Reisig legte der Großvater vorm Haus unters Vordach. Den Korb mit Zapfen nahm der Junge mit hinein in Großmutters Küche. Erst, als er den neben dem Ofen abgestellt hatte, zog der Junge sich aus. Draußen war es doch kalt gewesen, merkte er. Während die drei, Oma, Opa und der Enkel, bei Kaffee und Kakao und Stollen im Licht einer Kerze am Tisch saßen, begann es draußen zu dämmern. Und dann fielen vor dem Fenster auch noch Schneeflocken vom Himmel. Weihnachten war jetzt wirklich nimmer weit, und jetzt könnte es sogar ein weißes Fest werden.

Im Ofen verbrannten die gesammelten Zapfen, die neben der Wärme auch einen Geruch verströmten. Einen Geruch, den der Enkel viel später vermissen wird.

 

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Adventszeit.

Der Emil

 

Am 17. Dezember 2023 war ich zufrieden mit dem Treffen beim letzten diesjährigen Training, mit dem wiedergefundenen uralten erzgebirgischen Weihnachtsbuch (es stand im Schrank in zweiter Reihe), mit aussortiertem Papier.

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Über Der Emil

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3 Kommentare zu 352 im #Advent 2023 – Die 18. Tür

  1. Gudrun sagt:

    Vielleicht macht der Enkel mal wieder einen alten Ofen an, wenn er zu Besuch fährt, und legt Zapfen und Rindenstücke auf.
    Eine wunderbare Geschichte ist das, voller Ruhe und Frieden. Sie ist so schön und ausgewogen geschrieben, dass ich sie in Bildern sehe. Sie hat mich sehr berührt. Danke für dieses Türchen im Adventskalender.

  2. Wir haben immer Kienäppel gesammelt damit das Feuer im Küchenherd und im Kachelofen angezündet werden konnte. – Ja das riecht gut!!!

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