Diemal aber war das etwas Positives.
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Es ist Dienstag. Nachdem ich gestern Abend aus dem Mittelalter zurückgekehrt war in die Gegenwart, tauchte ich heute wieder in die Vergangenheit ein. In meine ganz persönliche Vergangenheit. Auf der Suche nach zwei uralten Fotos durchwühlte ich meine diversen Festplatten (fünf liegen immer griffbereit, vier weitere sind in einer Schublade verstaut). Da ich – gerade bei Bildern – schon lange sogenannte sprechende Verzeichnisnamen verwende, suchte ich nach dem Namen des Ortes, in dem die Aufnahmen meiner Erinnerung nach entstanden sein sollten. Gut, der Suchbegriff war vorerst nicht der richtige; und so fand ich auch mehrere komprimierte Dateien, v. a. RAR-Archive in der ausführbaren, selbstextrahierenden Version. Nein, unter Wine funktionierten sie nicht, aber ich kenne ja die Syntax des Befehls ‘unrar’.
In einem jener Archive fand ich Scans vom allerersten offiziellen „Merkblatt für Arbeitslose” in der DDR, das die „Zentrale Arbeitsverwaltung der DDR” erstellt hatte: Vier Seiten allgemeinverständlicher Text, ohne das Rechtsbehelfsbelehrungskauderwelsch, das heute in solchen Publikationen enthalten ist. Die Behördenstandorte hießen anfänglich Amt für Arbeit und kurze Zeit später dann Arbeitsamt. Es gab auch in der DDR Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe. Eines allerdings fand ich nicht wirklich im Netz: Wann genau wurde diese Institution geschaffen (hab's doch noch gefunden: mit der Verordnung über „Aufgaben, Rechte und Pflichten der Arbeitsämter und der Betriebe zur Sicherung des Rechts auf Arbeit” vom 8.3.1990). Am 2.10.1990 endete die Existenz der ZentrVA mit der DDR.
Später fand ich – mit dem richtigen Ortsnamen – dann auch noch die gesuchten Bilder (Familienfotos). Und nicht nur die zwei von mir gesuchten, sondern insgesamt 35 Negativ-Scans von Aufnahmen, die ich an jenem Ort an jenem Tag machte. Und die fand ich sogar auf zwei verschiedenen Festplatten. Manchmal freue ich mich über meine Angst vor Datenverlusten. Und weil die Suchvorgänge immer eine Weile dauerten, hatte ich Zeit, den Mittelalterkrimskrams zu sortieren (und je nach Zustand zu reinigen). Puh. Der Tag war voll.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 30. Mai 2023 war ich zufrieden mit dem Mohnzopf zum Frühstück (ja, mehr als der obligatorische Keks), mit der verräumten Ausrüstung, mit den gefundenen Bildern.
© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

