Ein paar Gedanken zu verschwundenen Sprachen.
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Ich bin beim Lesen einmal mehr über etwas gestolpert, das mich beschäftigt:
Immer wieder bin ich erstaunt über die Leistungen, zu denen Menschen wegen ihrer Phantasie fähig sind. Wie zum Beispiel Menschen, die versuchen, längst untergegangene, ausgestorbene, verschwundene Sprachen zu sprechen. Es gibt in aller Regel keine Tonaufzeichnungen davon, die man sich anhören könnte. Und bei einer Sprache, die vor sechshundert oder eintausend oder dreitausend Jahren gesprochen wurde: Wie stellt ein Mensch es an, die Schriften in Lautsprache zu übertragen? Insbesondere dann, wenn es keine Weiterentwicklung jener Sprachen gibt, aus denen sich (sicher auch nur spekulativ) eine frühere Sprechweise herleiten ließe?
Die Philologen, insbesondere die Altphilologen haben sicherlich einige Regeln und Gesetzmäßigkeiten erkannt, wie sich eine Sprache, eine Lautsprache weiterentwickelt im Laufe der Zeit und des Gebrauchs, wie sie sich verändert (die Lautverscheibung im Slawischen hrad/grad, im Deutschen von T zu S: dat/das, eten/essen usw.). Aber kann mit diesen Regeln auch einfach rekonstruiert werden, wie Althochdeutsch, Etruskisch, Sumerisch u. v. m. damals ausgesprochen wurden bzw. jetzt auszusprechen sind, wie sie authentisch klangen? Oder ist der Haupt-, der größte Anteil dieser Wiederbelebung einer ausgestorbenen, verschwundenen, untergegangene Lautsprache nicht doch nur praktische Phantastie?
Leider habe ich zur Zeit keine Kapazitäten, mich durch tausende von Webseiten zu wühlen oder durch Fachbücher. Aber ich habe mir aufgeschrieben, daß ich schon verwundert bin über diese Arbeit. Und: Bei erfundenen Sprachen wie Elbisch, Klingonisch, Esperanto oder Drac (Ihr erinnert euch an „Enemy mine – Geliebter Feind”, den Wolfgang Petersen 1985 ins Kino brachte?) werden die Ausspracheregeln ja auch gleich miterfunden! Aber wie wird das bei den ausgestorbenen Sprachen wirklich gemacht? Na?
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 1. April 2023 war ich zufrieden mit der Vermeidung jeglicher Aprilscherze, mit der Denkarbeit zu Lautsprachen, mit weiteren fünf weggebrachten Büchern (die ich sowieso nicht lesen werd', weil Horror-Thriller).
© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Es faengt ja schon damit an, dass man sich streitet, wie rie alten Roemer „Cicero“ ausgesprochen haben, ob „Kikero“ oder „Zizero“. Wie wir als Schueler mal gescherzt haben: „Und dann gingen Kikero und Kaesar mit einer Kigarre in den Kirkus! 😉
„Ich saz ûf eime steine
und dahte bein mit beine:
dar ûf satzt ich den ellenbogen:
ich hete in mîne hant gesmogen
daz kinne und ein mîn wange.
dó dâhte ich mir vil ange,
wie man zer welte solte leben.“
Auch beim Walther von der Vogelweide (oder beim Wolkensteiner) frag ich mich, wie das gesprochen wurde ,,,
Ich probier’s erst gar nicht! 😉
Schade, dass du keine Zeit hast sonst würde ich dir die “ Junggrammatiker“ ans Herz legen, die meinten, dass Laute sich nicht beliebig verändern, sondern so einer Art Naturgesetze folgen. So kann man auch alles „zurückentwickeln“ in eine Zeit, in der es noch keine Schriftsprache gab.
Aus dem Indogermanischen und Urgermanistischem liegen keine schriftlichen Aufzeichnungen vor. Die entwickelten sich später.
Jetzt höre ich aber lieber auf. (Ich löse gerade mein Bücherregal auf, aber mein Buch zur Sprachgeschichte bleibt bei mir.)
Hab einen guten Sonntag, lieber Emil.
Bei denen* las ich schon, allerdings sind sie wohl sehr (sehr!) umstritten.
Und selbst die Verlautlichung der ersten Schriftsprachen erscheint mir ab und an sehr suspekt spekulativ.
Dann sollte man keine Worte darüber verlieren, oder? Und der Walter ( viel später) wurde vielleicht so gesprochen.
https://www.deutschelyrik.de/ich-saz-uf-eime-steine.297.html
Aber jetzt bin ich wirklich wieder weg.
Ik gihorta dat seggen …
Esperanto erfunden? Eher aus verschiedenen Sprachen abgeleitet (Ich habe das zu DDR-Zeiten gelernt und gesprochen, geschrieben mit Leuten aus vielen Teilen der Welt. War interessant!).
Nun ja, auch etwas zu konstruieren (aus Vorhandenem) kann eine Erfindung sein …
Esperanto fand ich immer interessant, dennoch konnte ich mich zum Lernen nie aufraffen.
Es ist wohl umstritten, ob Menschen überhaupt in der Lage sind, Sprachen selber zu erfinden, oder ob sie nicht zwangsläufig aus den ihnen bekannten Sprachen ableiten.
Wenn ich mich recht erinnere, ist Klingonisch ja mit dem Ziel entwickelt worden, eine Sprache zu erschaffen, die keiner menschlichen Spräche ähnelt. Man hat darin aber trotzdem Versatzstücke (ich weiß jetzt mehr, welche. Ich meine, es war in der Grammatik) von indogermanischen Sprachen gefunden.
Quelle: Mein schwammiges Gehirn.
PS: ,,Enemy Mine“! Da werden Erinnerungen wach!
Die erfundenen Sprachen sind hier ja nur Nebenschauplatz …