Oder ist das – ja wozu gehört das denn?
Ich brauche keine Antwort mehr auf diese Frage.
To get a Google translation use this link.
Ich scannte heute einmal mehr Zettel und mir fiel dabei etwas auf, daß sich (äußerlich, formal, technisch) ganz plötzlich geändert hat:
Früher schrieb ich zu kaum einer Notiz, zu kaum einem Text das Datum dazu. Die Information darüber, wann ich etwas zu Papier brachte, schien mir wahrscheinlich unwichtig: Ist es nicht so, daß das, was endlich den Weg aus dem Kopf heraus schafft, dort schon länger (und das ist in der überwiegenden Mehrheit der Fälle ein völlig unbestimmbarer Zeitraum) herumrumorte? Wozu sollte die zeitliche Einordnung des Aufschreibens hilfreich sein? Sie sagt doch nichts über den Zeitpunkt, den Zeitraum des Entstehens dessen aus, was da aufgeschrieben wurde.
Tja. Seit über fünfzehn, seit fast zwanzig Jahren allerdings ist das kalendarische Datum das erste, was auf dem Papier erscheint. Ich weiß aber nicht mehr, was genau dazu führte. Ich kann mich auch an keine bewußte Entscheidung für das Datieren erinnern, darüber findet sich (bisher) gar nichts in meinen Aufzeichnungen. Selbst als ich in der Tagesklinik ein Therapietagebuch führen mußte, da war das Datieren schon Routine für mich. Es ist eine mittlerweile als fast zwanghaft zu betrachtende Geste, die zumeist auch eine Seitenanzahl für den jeweiligen Tag einschließt. Wenn ich alte Texte zur Hand nehme und daran weiterzuschreiben versuche, dann notiere ich auch da das aktuelle Datum. Nur deshalb bemerkte ich vor Kurzem, daß ich erst nach über 10 Jahren an etwas weiterarbeiten konnte.
Doch ich weiß ums Verrecken nicht, wieso ich mit dem Datieren anfing. Warum mir das seit Jahren so wichtig ist. Ich habe in diesem Jahr damit begonnen, wieder Texte mit Bleistift zu notieren (zu sehen im dritten Bild dieses Eintrages vom 3. Februar 2023). Bei jenen „vergänglichen” Texten halte ich bewußt kein Datum fest. Jedesmal, wenn ich eine solche Notiz beginne, muß ich mich tatsächlich zum Weglassen zwingen (zweimal hab ich das Datum schon wegradieren müssen). Das fühlt sich für mich einfach ungehörig, wie nicht ganz richtig an. Es … Es erscheint mir sonderbar, daß sich mitten im Jahr 2006 wie aus dem Nichts heraus etwas bisher für mich völlig Unwesentliches zur Notwendigkeit wandelte.
Im Ergebnis des Nachdenkens darüber habe ich jetzt entschieden, daß der Anlaß und der Grund für diesen Spleen (so werden es sicher einige nennen) nichts ist, was ich wissen muß. Ich kann es jetzt – wie so viele andere meiner Marotten – akzeptieren, „wertungsfrei” akzeptieren.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 19. Februar 2023 war ich zufrieden mit meiner Anwesenheit beim Training der Ritterschaft, mit der Anzahl der gescannten Zettel, mit dem Geschmack eines mir geschenkten Tees (Kräuterteemischung Nr. 1163: Österreichischer Bergkräutertee).
© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Das klingt nach einer weisen Entscheidung. Ich habe auch mit der Notizdatierung irgendwann angefangen. Ich meine, es habe bei mir zwei Gründe/Auslöser gegeben. 1.) Eine Notiz, die undatiert war und irgendwie wichtig und bei der ich dachte: Warum, in welchem Kontext, habe ich das bloß aufgeschrieben, was ist da passiert? 2.) Das Abschreiben ins Tagebuchblog unter „Randnotizen“ fällt mir leichter, wenn ich die Notiz datieren kann.
Ich bin allerdings nicht konsequent, mal tue ich es, mal lasse ich es.
Dennoch stelle ich dabei fest, wie sich zuweilen Perspektiven verändern. Und dann finde ich das Datum immer ziemlich spannend.