Keine Sorge: Ich erzähl' nur, wie gut ich damit umgehen kann.
Auch nach 31 Jahren muß mich mein Kalender nicht daran erinnern. Es sind drei Ereignisse, die dicht beieinanderliegen: ein Geburtstag, ein Sterbetag, ein Jahrestag. Der Geburtstag kann noch (zum 86. Mal) gefeiert werden, der Jahrestag ist für mich sowieso unvergeßlich – und der Sterbetag mittlerweile nur noch von sanfter Trauer begleitet. Ich weiß tatsächlich nicht mehr, was ich an diesem Tag damals getan habe, wo ich war und wie ich davon erfuhr: In diesem Fall nenne ich das Vergessen wirklich gnädig.
Heute vor 31 Jahren also. Ich denke immer wieder an jenen Menschen, anders geht das meiner Meinung auch nicht. Aber ich kann mir nicht (mehr) vorstellen, wie er heute aussähe, was er wohl machen würde. Das ging nur wenige Jahre. Und das Obduktionsprotokoll habe ich mir auch etwa 20 Jahre nicht mehr angesehen, aber entsorgen möchte ich es noch immer nicht.
Ich habe heute über Verluste sinniert. Darüber, wie ich zu unterschiedlichen Zeiten damit umzugehen versuchte. Akzeptieren ist nicht immer einfach, schien manchmal sogar unmöglich. Einige Jahre konnte und mußte ich sie verdrängen, die kleinen und großen Verluste. Heute breche ich nicht mehr sofort in Tränen aus, wenn eines der gewohnten, geliebten Dinge kaputt- oder verlorengeht, und es muß auch nicht alles ersetzt, wiederbeschafft werden. Und als mein Vater nach fünf Jahren Verschwundensein in der Demenz im vorigen Jahr verstarb, da stand ich da und wußte nur ganz kurz nicht, wie es weitergehen sollte.
Und noch etwas hat sich verändert. Ich stelle nämlich immer wieder fest, daß die verlustig gegangenen Dinge oder Menschen nicht immer ein Verlust, sondern sogar eine Erleichterung sein können. Das gilt insbesondere für Menschen, die sich einfach so aus meinem Leben geschlichen haben …
Der, der vor 31 Jahren verstarb, der gehörte aber nicht zu jener Art Menschen.
Erinnerung des Tages:
Siehe oben: die an meinen Sohn und an meinen Vater.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden machten mich am 07.07.2026 ein paar Nuggets aus der Heifri, ein selbstgemachter Gurkensalat, eine besondere Viertelstunde.
© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


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