2023/049 – Feuerwehrrot


Momentesammlung auf dem Weg.

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Es war heute tatsächlich sehr windig. Echtes Drachensteigewetter für Profis, aber eben nicht im Herbst, sondern im Februar. Und ich packte meine Kamera und ein Stativ ein und hatte eine feuerwehrrote Jacke an (ungewöhnlich für mich, der ich nur Schwarz trage, aber die ist zur Zeit die einzig regenfeste). Am Ziel der Fahrt mit Bus und Straßenbahn wollte ich ursprünglich nur nach etwas Moos suchen, ein paar Makroaufnahmen machen. Ja, die sind auch entstanden, aber …

Die vorausgewählte Stelle war nicht sehr ergiebig, was Motive für die Kamera betrifft. Es war sehr windig, dadurch wackelte alles. Und noch ist die Vegetation (zum Glück) nicht so weit, wie ich das annahm. Es blieb trocken. Deshalb beschloß ich, den Heimweg zu Fuß zurückzulegen. An der Saale und der Wilden Saale entlang von Giebichenstein bis zur ehemaligen Stasi – ich lebe seit über 20 Jahren hier in der Stadt und bin diesen Weg noch nie komplett gegangen. Dann über die Weinbergwiesen und mit Extra-Runden um die Ententeiche bis nach Hause. Die meiste Zeit blieb die Kamera in der Jackentasche, weil ich selbst etwas am Wegesrand sehen, entdecken wollte. Besonders am Ufer der Wilden Saale schaute ich mich immer wieder um: Es quietschte laut, fast klang es wie ein Vogel; dann aber waren es doch nur die Äste, an den Bäumen des Auenwaldes, die sich im Wind bewegten und (beim Aneinanderreiben zum Beispiel) diese Töne hervor­brachten. Über den Fluß hinweg sah ich ein den Hals hoch aufreckendes Ungeheuer (das zeige ich später). Außerdem war noch dies und das zu entdecken (winzige Blüten eines Krautes, Moos, Flechten, eine Hektometermarke, andere kleine Dinge). Selbst die Menschen zogen meine Auf­merksamkeit auf sich, wie sie sich in den Wind lehnten, wie sie eine Ziga­rette anzuzünden versuchten, wie sie sich ansahen … Es war viel zu sehen, von dem mich ein Fotoapparat in der Hand nur abgelenkt hätte. Und die mich in einer Böe beinahe streifende Krähe war für ein Foto sowieso zu schnell.

So habe auch ich mich durchpusten lassen vom Wind der Stärke 8 bft bis 9 bft, was schon Sturmböen genannt wird. Und für die vom Telefon ermittelte Strecke von 6¼ km brauchte ich genau zwei Stunden, eingerechnet all die Zeit, die ich zum Aufnehmen der etwa 60 Bilder benötigte. Jetzt, da dieser Text zu lesen ist, sitze ich wahrscheinlich über den Bildern. Ich habe schon gesehen, daß vieles vom Wind verwackelt wurde und ich weit mehr als die Hälfte an Bildern löschen werde. Egal. Selbst, wenn nur sechs oder sieben bleiben: Das Wichtige des heutigen Weges ist vorerst in meinem Kopf, und ein paar Stichworte stehen in meiner Kladde. Wer weiß, was alles daraus irgendwann irgendwo irgendwie entstehen wird.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 18. Februar 2023 war ich zufrieden mit dem Weg, den gemach­ten Beobach­tungen, der frischen Luft.

© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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6 Kommentare zu 2023/049 – Feuerwehrrot

  1. Gudrun Ebert sagt:

    Es freut mich sehr, dass du unterwegs warst. Ein schöner Beitrag ist es geworden, auch ohne Bilder. Ich glaube, es ist normal, wenn man eine ganze Menge der gemachten Bilder entsorgt. Ich kenne einen Profifotografen, der mehrmals an einen Ort geht, bis das Foto seinen Vorstellungen entspricht, nicht nur technisch, auch was die Bildgestaltung betrifft. Nun, ich habe es da einfacher. Ich brauche nur meine Erinnerungen.
    (Ich höre gerade Heilung, Wardruna, Danheim u. Co. weil ich Heimweh habe. Das hilft immer.)

  2. Wie gerne würde ich mal wieder einen Spaziergang an der Saale oder auch der heimatlichen Elbe machen. Heimweh ist fast genauso schlimm wie der Ischias-Schmerz…

  3. Gudrun Ebert sagt:

    Oh ja, das stimmt, liebe Gerel.

  4. Sofasophia sagt:

    Ha, wir haben gestern (zeitgleich?) auch eine Auenwaldwanderung mit ähnlicher Fotoausbeute, Länge und Dauer unternommen. Das finde ich gerade sehr schön. 😍

    • Der Emil sagt:

      Die Fotoausbeute … Starker Wind (8 bis 9) sorgte für soviel Bewegung in den Bildern, daß am End wirklich nur weniger als zehn übrigblieben …

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