Wie ich mich überlisten kann.
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Ich bin, wie ich wiederholt feststellte, nicht der einzige, dem immer mal wieder ein Text im Kopf „querliegt”. So fragte erst gestern @Zwischenzeiten in einem Trööt bei Mastodon, was dagegen unternommen werden könnte, unternommen wird. Im ersten Moment fiel mir nichts anderes ein als das Aushalten. Aber wie das so ist: Der Gedanke setzte sich fest und ich kaute darauf herum. Bis ich dann etwas aufschreiben konnte.
Mir ist das ja auch schon oft passiert, daß ich mich blockiert fühlte, daß z. Bsp. viel zu viele Gedanken auf einmal herauswollen und deshalb nichts herauskommen kann (Verstopfung). Also versuchte ich, mich zu erinnern an das, was ich dagegen unternahm und unternehme. Ja, oft mußte ich es einfach aushalten. Aber manchmal, manchmal schaffte und schaffe ich es, den Text einem fiktiven Protagonisten in die Hände zu legen; der war in der Lage, diese klemmenden Worte und Sätze aufzuschreiben. Ich hatte sozusagen die Verantwortung dafür abgegeben. Und als ich mich von meiner scheinbaren Verantwortungslosigkeit überzeugt hatte, konnte ich frisch ans Werk gehen. Also: nicht ich, sondern der Protagonist konnte das. Ich erinnerte mich gestern daran und bemerkte, daß das doch – genauer besehen – ein geradezu genialer Selbstbetrug war, eine sehr erfolgreiche Selbstüberlistung: Wenn ich es nicht schreiben kann, dann sorge ich dafür, daß es jemand anderes schreibt. Und wenn ich die dazu notwendige Schreibende erst erfinden muß, dann ist auch das vollkommen in Ordnung. Außerdem muß ich an diese Figur keine „großen Anforderungen” stellen, ihr keine besonderen Fähigkeiten zuschreiben. Sie muß für mich einfach nur existieren.
Da stolperte ich über die Absurdität genau jener Situation, jenes Konstruktes. Der Text ist in meinem Kopf, und ich kann ihn nicht schreiben. Aber ich bin durchaus in der Lage, eine Person zu erschaffen (von mir abzuspalten?). Eben jene Figur, die meinen Text, der in meinem Kopf querliegt, sich dort verklemmt hat, ausformulieren und aufschreiben kann. Eine Figur, der das sogar leichtfällt, beinahe mühelos gelingt? Welches psychologische Problem steckt da dahinter? — Nein, sagt es nicht; schließlich ist es für das Ergebnis, für den verfaßten, geschriebenen, veröffentlichten Text unwichtig, egal. Und: Ich stehe zu der von mir geschaffenen Figur und zu ihren Sätzen. Am Ende bin ja doch ich dafür verantwortlich und fühle mich auch dafür verantwortlich, sowohl für den Text als auch für die von mir extra für diesen Text erschaffene Figur.
Aber während des Vorgangs, während des Schreibens, da kann ich für mich die Illusion aufrechterhalten, daß da der Text einer Figur entsteht, für den ich im Moment nicht verantwortlich bin. Mein Hirn braucht manchmal sehr sonderbare Umwege. Und wenn ich gründlich hinsehe, dann habe das nicht nur einmal gemacht, sondern ich habe diese Umwege schon ziemlich oft eingeschlagen.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 17. Februar 2023 war ich zufrieden mit dem frühen Aufstehen (ich möchte einen geänderten Tagesablauf haben), der Mittagsruhe, dem nach knapp zwei Stunden wieder verfügbaren Internet.
© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


@deremil Trick 17 mit Selbstüberlistung ist oft ne feine Sache 🙂 Und ich kann dir nur zustimmen: Am Ende ist es egal! 🙂
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