Sehr ambivalentes Ding, sehr ambivalent.
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Warum ich nach über zehn Jahren denn noch immer jeden Tag bloggen müßte, wurde ich gefragt. Und ich erzählte zum wiederholten Male vom Anfang, vom Schaffen eines Erfolgserlebnisses, vom endlich etwas Durchhalten. Und dann begann ich den Satz: ”Mittlerweile aber ist es Gewohnheit – Nein nein nein, es ist ein Ritual.”
Gewohnheit nämlich … Gewohnheit nimmt mir sehr viel. Gewohnheit, ganz gleich ob im Beruf, in Beziehungen, in Gedanken, Hoffnungen, Gesten und wo noch überall, macht das Leben ärmer. Es fehlt dann die Bewegung, das Auf und Ab des Lebens, das die Neugier erhält. Ja, ich lebte lange Zeit nur noch im Gewohnten, hatte Angst vor jeder Veränderung. Aber war das wirklich ein Leben? (Wer sich mit Depressionen aus eigenem Erleben auskennt, wird diese Frage wohl wie ich beantworten.) Wenn etwas zur Gewohnheit wird, die Umarmung zum Abschied zum Beispiel oder ein Kompliment, dann verliert es seine Bedeutung, dann fehlen mir dieses kleine Staunen über das und die kleine Freude an dem, was zur Gewohnheit wurde. Oder empfindet ihr das anders?
Nein, ich plädiere nicht für das „Abschaffen” von Gewohnheiten. Die brauche ich in einigen Bereichen des Lebens wirklich; es gibt einiges, das ich mir angewöhnen mußte (FFP2-Tragen beispielsweise). Allerdings bin ich mir sicher, daß ich nicht so viele Gewohnheiten brauche, daß mich viele davon sogar an einem … an einem … ablenken von dem Leben, das ich leben kann. Wenn ich ein wenig aufmerksamer, ein wenig gleichmütiger, etwas sicherer, etwas offener bin und bleibe, nach Möglichkeit nicht abstumpfe … Wenn ich offenen Auges (und mit offenene Sinnen überhaupt) lebe und mich nicht von allem abschotte, mich nicht allem verschließe …
Ja, es ist eine „dumme Angewohnheit”, dieses öffentlich nachdenken und plappern über die eigenen Befindlichkeiten. Ach: Und dann sind ja da noch die liebgewordenen Gewohnheiten (die ich eben Rituale nenne) …
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 07.08.2022 den Tomatensalat (aus Gartentomaten), fünf weggebrachte Bücher, zwei von mir gestellte Fragen.
Für morgen zog ich die Tageskarte Fünf der Kelche.
© 2022 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Macht es denn nicht auch Spaß?
Du meinst das Bloggen?
Ja natürlich macht das auch Spaß, wie so manch anderes Ritual. Sonst wäre hier schon längst Stille eingekehrt.