Immer wieder in den alten Tagebüchern lesen.
To get a Google translation use this link.
Es gibt Momente in seinem Leben, bei denen er nicht weiß, ob er sie zu den guten oder den beschissenen seines Lebens zählen soll. Und sie scheinen zahlreicher zu werden, je älter er wird. Meist enden die damit, daß er Tränen in den Augen hat und in seinen alten Notizbüchern liest. Und dabei stellt er immer wieder fest, daß … daß er von den vielen Dingen, die er in seinem Leben unbedingt ändern wollte, nur sehr wenig zu ändern geschafft hat. Ja, die Unsicherheit ist eine der Sachen, die sich nie änderte in seinem Leben und wohl nie ändern wird. Da steht es, in einem fast zwölf Jahre alten Journal:
Wann das anfing? Das frage ich mich auch. Und ich kann mich nicht mehr daran erinnern, daß und ob es einmal anders war. Gefühlt habe ich mein ganzes Leben lang schon diese Angst vor dem Mißverstandenwerden, vor der Ablehnung, vor der Ignoranz, vor dem Spott und der Häme. All das ist, was ich befürchte, wenn ich mit Menschen zu tun habe. Natürlich machte und mache ich auch andere Erfahrungen. Trotzdem ziehe ich mich immer wieder zurück. Natürlich glaube ich an das Gute im Menschen. Sonst wäre ich schon längst nicht mehr. Und dennoch. Ich spüre tagtäglich, wie unsicher mich das alles macht, diese Erwartung unschöner, ablehnender, mißverstehender Reaktionen.
Und heute? Kann er heute noch etwas ändern an dieser Unsicherheit? Er wischt die Tränen ab, nimmt einen Schluck Tee und greift zum Telefon: „Guten Abend, Klaus, ich bin's, Jens. Du hast mir am Montag Deine Karte gegeben im Zug, weißt Du noch, und mich gebeten, Dich anzurufen, mit diesem Blick … ——— Ja, heute erst, weil ich mir so unsicher war. Aber vielleicht, wenn wir uns wiedersehen könnten, dann …”
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 06.08.2022 das weggeworfene Papier (und jedes Zettelchen tat ein bißchen weh), die ersten Übungsbuchstaben einer Fraktur, der noch andauernde Grillabend bei der allerallerallerbesten Freundin.
Für morgen zog ich die Tageskarte III – Die Herrscherin.
© 2022 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

