Abenteuerland der Kindheit.
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Heute versuchte ich, mich an bestimmte, gute Dinge aus meiner Kindheit zu erinnern, als ich mit der alten Kaffeemühle zugange war (eine Stunde Handkurbelbetrieb). Ich bin mir sicher, daß ich in meinem Leben ein Abenteuer nicht erlebte:
Ich war als Kind (und auch später) nicht ein einziges Mal in einem Baumhaus. Es hätte wirklich genug Gelegenheiten gegeben, ein solches zu bauen, auch selbst zu bauen. Doch das passierte nicht. Weder bei meinen Großeltern noch in den Wohngegenden, wo ich zuhause war.
Dafür standen im Hof der erzgebirgischen Großeltern alte, zweistöckige Holzschuppen, in denen Krempel der Böttcherei lagerte. Ausgediente oder nur noch selten gebrauchte Werkzeuge und Holz aller möglichen Arten und Zuschnitte. Halbfertige Bobs, Leitern, Behältnisse aus eigener Herstellung. Oben fanden sich sie längeren Bretter und Balken, die Leiter dorthin war selbsgebaut vom Opa und wirklich nicht besonders stabil. (Ja, das kam daher, daß das Holz der Leiter im Laufe der Jahre sehr gut getrocknet und daher etwas geschrumpft war. Für uns Kinder war sie aber noch stabil genug, und um das Verbot des Hinaufkletterns kümmerten wir uns selten.) Ein zweiter Spielort war nach dem Abbruch der Holzschuppen der Spitzboden über dem gemauerten Teil der Wekstatt (zwei Drittel waren ein Holzanbau mit vielen großen Fenstern, unter denen die Hobelbänke standen). Auch dort lagerte Holz und Glaswolle. Die war vor 1978 noch nicht so verteufelt wie danach. Und der Spitzboden war ein sehr beliebter Schlafplatz der Katzen, die sich von den Kindern nur selten gestört fühlten. Beides, Schuppen und Spitzboden, waren Räuber-, Piraten- und Indianerhöhlen, in denen wir auch unsere Schätze und Waffen aufbewahrten. Aus Holzresten hatten wir uns gewerhähnliche Gebilde geschnitzt, auf denen ein Einweckgummi und eine hölzerne Wäscheklammer angenagelt waren: Erbsengewehre. (Manchmal auch Eichelgewehre, wenn es genügend kleine Eicheln gab, die von der Holzklammer gehalten werden konnten.)
Und irgendwann hatte einer der Nachbarn in seinem Garten direkt an den Zaun auf der Bachmauer eine Hütte gebaut. Zweieinhalb mal anderthalb Meter vielleicht, und knapp zwei Meter Firsthöhe im Spitzdach. Mit Tür, einem grßen Fenster, einer Sitzbank, einem Tisch und zwei Regalen an der Wand. Das war geradezu ein Palast für uns Kinder! Darinnen saßen wir und haben gelesen, Schach gespielt, manchmal auch Hausaufgaben gemacht. Als ich fünfzehn oder sechzehn war, paßte ich nicht mehr hinein … Aber kurz bevor die Hütte abgerissen wurde, trafen wir uns nochmal und versuchten uns hineinzuquetschen, vier Halbstarke, zwei sogar schon über 18 Jahre alt. Es funktionierte nicht. Das war dann auch die Zeit, in der meine Kindheit und Jugend endgültig endete.
Als Kind war ich nie in einem Baumhaus. Aber überall fanden wir andere Möglichkeiten, immer wieder einen Unterschlupf, in dem Kinder sich wohlfühlten (weil Erwachsene nur selten wirklich hineinpaßten). Mit der Höhenangst, die ich seit Jahren habe, werde ich wohl auch nie in einem Baumhaus gewesen sein werden. Aber ich habe diese Erfahrung nie vermißt. Und noch immer vermisse ich das Abenteuer Baumhaus nicht, ich hatte dafür andere schöne.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 09.01.2022 das Liegenbleiben im Bett bis weit nach Zwölf, das Kaffeemahlen mit der Hand, den weggebügelten Wäschehaufen.
Für morgen zog ich die Tageskarte I – Der Magier.
© 2022 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ich mag solche Gedanken aus der vergangenen Zeit Emil.
Und oft denke ich dann wie wenige Erlebnisse die heutigen Kinder doch haben was für uns früher normal war. Traurig irgendwie.
Eine wunderschöne Erzählung. Danke.
Mary haette sogar heute noch gerne ein Baumhaus! 😉
Liebe Gruesse,
Pit
gefällt mir, was du erzählst. ich hatte auch nie ein baumhaus, mädchen ohnehin nicht. aber auch mein bruder hatte mangels geeignetem baum keines. dafür hatten wir, ähnlich wie du, hühnerställe, holzhütten, einen kleine höhle unter der eingangstreppe. und die enkel bekamen von uns viele decken und planen und bauten damit häuschen. im winter auch unter einem tisch. irgendwie scheint es, wollen kinder auch eigene behausungen gestalten.