Nº 004 (2022) – Die Aufforderung

Mit einem späten Lächeln zu lesen.

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„Geh!”

Nur dieses eine Wort. Und sein Tonfall treibt ihn hinaus vor die Tür. Mantel, Mütze, Tasche – nur die Handschuhe fehlen, wenn er sie nicht doch in die Tasche gepackt hat. Er dreht sich um zu dieser Tür, sieht sie an, minutenlang. Darauf wartend, daß sich hinter der beleuchteten Scheibe ein Schatten zeigt, doch das geschieht nicht. In dem Moment, da das Licht hinter der Tür erlischt, hört er auch wieder die Hupe. Jaja, murmelt er vor sich hin und steigt – noch immer zögernd – in das wartende Taxi. Sein „Zum Bahnhof!” ist alles, was er bis zu seinem Ziel sprechen wird.

Die Nacht verbringt er im Zug. Und morgen wird er in den Bergen stehen vor einem Wald und wird für vier Monate in aller Abgeschiedenheit arbeiten können. Und irgendwann wird er lächelnd bemerken, daß in jenem „Geh!” ein sehr deutliches „Und komm bitte wieder.” mitklang.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 04.01.2022 das dritte ausgelesene Buch, ein Redaktionsgespräch mit verschobener Entscheidung, Gnocchi am Abend.
 
Für Morgen zog ich die Tageskarte Ritter der Münzen.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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7 Antworten zu Nº 004 (2022) – Die Aufforderung

  1. piri sagt:

    Liebe Abendgrüße – mir ist aufgefallen, dass du bei deinem P. S. Im falschen Jahr bist. Seit Beginn 2022!

  2. Gudrun sagt:

    Das ist ein schöner Text, ein bisschen traurig schon, aber auch hoffnungsvoll. Er hat mich sehr berührt.
    Es ist faszinierend, wie du mit Worten umgehst und ich wünsche mir, dass dir das immer bewusst ist, was du da kannst.

    • Der Emil sagt:

      Bewußt bin ich mir dessen nur sehr selten. Dann, wenn es mir gesagt wird, dann ja, vielleicht. Also: Vielen Dank dafür.

      Außerdem ist das ein besonders entstandener Text: Die hier zu lesende ist die vierte Version (1: Zeiten zu sehr vermischt. 2: Alles in der Vergangenheit. 3: Alles zukünftig und konjunktiv.) – vorher war ich damit wirklich nicht zufrieden

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