2021,120: Hexenfeuer

Die Flammen der Walpurgisnacht.

Voraussichtlich wird ab dem 8. Mai nichts Neues mehr im alten Blog veröffentlicht.
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Früher im Dorf, da wurden von den Leuten auf ganz vielen Feldsteinhalden und anderen geeigneten Plätzen privat die Walpurgisfeuer aufgeschichtet – natürlich mit dem Wissen und dem zumindest stillschweigenden Einverständnis der die umliegenden Felder bewirt­schaftenden Bauern und der LPG. In manchen Jahren gab es ein Dutzend Feuer und mehr. Es trafen sich die Nachbarn, Schulfreunde, Familien, um mit dem Dunkelwerden die aufgetürmten Haufen zu entzünden. Und in denen war nicht immer nur Holz, leider. Früher nämlich waren (im Gegensatz zu heute) auch Auto- und Traktorreifen, Matratzen, sogar Dach­pappe, Förderbandgummis und anderes noch brennbar … Bei uns im Dorf wurde mit dem Walpurgisfeuer »de Haax vorbrennt« (Erzgebirgisch, Doppel-a ist nicht verlängert, sondern ein Laut zwischen ä und a und e, ein flacher und breiter intoniertes ä näher am e als am a). Manche hatten sich etwas zu trinken mitgebracht, andere Stockbrotteig oder Kartoffeln. Alles war frei von Kommerz. Nur die Erbauer der Feuer sahen sich im Dunkeln um, um festzustellen, wer denn das höchste, hellste, am längsten brennende Hexenfeuer hatte in diesem Jahr.

Später (kann sein, erst mit der Wende) gab es nur noch ein zentrales Feuer auf dem Sportplatz (Hartplatz, es kam also kein Rasen zu Schaden). Dieses eine konnte die FFW überwachen, schlußendlich auch sicher ablöschen, wenn alle heimgegangen waren. Und dann durfte natürlich niemand mehr seine eigenen Getränke mitbringen, schließlich wurde im Sportlerheim vom Fußballverein Bier und Sonstiges verkauft. Auch eigene Kartoffeln oder eigener Stockbrotteig waren ab dem Zeitpunkt tabu, da der Verein grillte und eine Gulaschkanone im Einsatz hatte und auch Kartoffeln und Stockbrotteig feilbot. Natürlich wurden die Spiritousen hinten am Zaun bereitgehalten und von einem der Kumpel, die schon »drinnen« waren, nach Anbruch der Dämmerung abgeholt. Ich denke, daß das den Organisatoren durchaus bekannt war, aber auf dem Dorf …

Ich weiß, daß das Walpurgisfeuer bis zum Jahre 2019 noch immer ein Höhepunkt im Dorfleben war – und ich hoffe, daß es das irgendwann wieder dazu wird. Denn am Feuer sitzend lassen sich Dinge bereden, die sonst schnell in Hader und Zwietracht umschlagen könnten. Am Feuer geschieht sowas nicht, beim Blick in die Flammen lassen sich selbst langjährige Feindschafteleien aus der Welt schaffen. Und außerdem: Walpurgis in meiner Jugend war auch immer ein sehr romantisch-interessantes Ereignis mit einigen (vielleicht nur kurzzeitig) entflammten Herzen.

 


Technischer Hinweis: Ich werde voraussichtlich ab dem 8. Mai 2021 neue Artikel nur noch unter der Adresse deremil.blogda.chVorsicht! Falle: Nur blogda vor dem .ch! NICHT blogdach! – veröffentlichen. Im alten Blog bei wordpress(dot)com wird ein Artikel zu finden sein, der darauf hinweist, in dessen Kommentaren ich auch Fragen zu Interaktionen mit dem neuen Blog beantworten werde. Ich werde mich freuen, wenn ich euch dort begrüßen darf.


 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 30.04.2021 waren positiv Einkauf im recht spärlich besuchten Discouter weitab, weitere entsorgte Dinge, höchst amüsante Erinnerungen.
 
Die Tageskarte für morgen ist III – Die Herrscherin.

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Über Der Emil

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8 Antworten zu 2021,120: Hexenfeuer

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  2. Nati sagt:

    Eine schöne Erinnerung Emil.
    Ich mag solche Geschichten.

  3. Gudrun sagt:

    Ob ich mir ein Feuerchen wünsche, weiß ich nicht so genau. Aber draußen zusammen sitzen am Abend, wenn es kalt wird in Decken wickeln und vor allem miteinander reden, das wünsche ich mir sehr.

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