Wie geht ein Mensch daran nicht zugrunde.
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Wohin nun mit all dem, das aussortiert wurde und als nicht mehr nützlich befunden? Eine passende Mülltonne gibt es nicht im Kopf, gab es noch nie. Herausschreiben funktioniert oft, aber nicht bei Gefühlen und bei Schmerz. Ja, doch, diese Gefühle und diese Schmerzen sollen nicht mehr Bestandteil seines Lebens sein. Die Beziehung, die eine Nicht-Beziehung war, ist beendet. Neue Anstrengungen seinerseits werden daran auch nichts ändern. Einseitige Bemühungen ändern in und an einer Beziehung sowieso nie etwas oder nur verdammt selten. Ist es nicht so? Außer vielleicht am Ende, und am Anfang, wenn einer oder eine das Entstehen einer (Paar-)Beziehung wünscht und alles für ihr Entstehen tut. Obwohl das letztlich auch nur funktioniert, wenn irgendwann beide, und nicht nur eine oder einer Interesse daran haben. Ob das all den Verliebten, in einen anderen Menschen Verschossenen überhaupt bemerken? Daß das nötig ist? Beiderseits?
Er sitzt am Fenster und schaut in den grauen Herbstabend. Im Zimmer erhellt Kerzenlicht den Platz, an den er bald zurückkehren wird. Während er noch am Tee schlürft – schlürfen muß sein, das erhöht den Genuß und macht viel Nuancen erst erschmeckbar –, denkt er über die Möglichkeiten nach, Gefühle und Schwerzen zu verbrennen. In Kerzenflammen, in einem Kamin, draußen im Park auf einem kleinen Scheiterhaufen. Kommt das Wort von dem Haufen an Holzscheiten, die aufgeschichtet werden, oder davon, daß die, die auf diesen Haufen verbrannt wurden, zuvor irgendwie gescheitert sein mußten? Aber im letztgenannten Fall hieße es dann wohl Scheiternhaufen, oder? Er geht in die Küche, stellt dort die leere Teeschale ab und nimmt seine große gußeiserne Pfanne. Dann sitzt er am Tisch, schreibt doch aus sich heraus, was er loswerden möchte. Eine lange Liste an jetzt überflüssigen Gefühlen, viele kleine Zettelchen mit erlittenen Schmerzen. Ein paar Streichhölzer schichtet er in der Mitte der Pfanne auf. Dann zündet er seinen Mini-Scheiterhaufen an und gibt Schmerz für Schmerz und Stück für Stück der in kleine Schnipsel gerissenen Gefühleliste in die Flammen. Es entstehen nicht besonders viel Rauch und auch keine Stichflammen, das Papier wird braun, brennt und es bleibt schwarze Asche zurück. Schwarz. Die Farbe, die vermutlich derzeit auch sein Herz hat. Schwarz. Wie verbrannt, wie ausgelöscht.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Positiv waren am 18.10.2020 das Ausschlafen weit über die Zeit hinaus, leckere Leberwurst, ein Weinbrand zum Abend.
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Schwerter.
© 2020 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


…schlürfen muss sein…
…fühlte sich das Herz dann anders, einen Moment?
..omit blauen🐘Grüßen
Ich weiß nicht?
Oh weh. Ich hoffe, dieses Ritual habe ihm geholfen.
Ich denke doch. Und ganz ehrlich: SO einen Pfannenminischeiterhaufen kann ich mir sehr befreiend vorstellen.
Oben, im Norden Europas macht man das. Wenn in der kalten Jahreszeit die Feuer brennen, bekommt jeder einen Wollfaden. Die Menschen machen Knoten in den Faden, für jede Sorge und jeden Kummer einen Knoten. Und dann wird der Faden dem Feuer übergeben.
Ich denke, solche Sorgenscheiterhaufen können sehr befreiend sein.
Siehste, das wußte ich nicht. Wieso hab ich dem Protagonisten genau einen solchen zugeschrieben?
Sonderbar. Merkwürdig.
…auch ein interessanter brauch, in diesem vielleicht ein Hoffnungsschimmer schwebt…
…mit blauen 🐘Grüßen