Nº 315 (2019): Platz geschaffen

Ich bin dem Karrnefall entwischt.

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Einhundertunddrei Scans sind heute auf meine externe Festplatte gewandert, zum großen Teil habe ich sie auch schon mit sprechenden Namen versehen. Der Schreibplatz bietet wieder Platz zum Schreiben; nachdem ich jetzt wochenlang Papier darauf haufenisierte, liegen jetzt nur eine große Kladde und ein kleines Häuflein “Schmierpapier” bereit. Auch der Aktenvernichter bekam heute genug zu fressen. Nebenbei wurden auch noch ein Dutzend CDs in mein persönliches OGG-Vorbis-Archiv eingepflegt. So schwer es mir auch fiel, heute wanderten auch vier Füllfederhalter, die sich wirklich nicht mehr zum Schreiben bewegen ließen, in den Müll. Ja, es waren keine besonderen Exemplare – und doch ist es mit den Füllfederhaltern wie mit den Büchern: Die schmeißt man doch nicht weg! Also ich kann das nicht, nicht wirklich; Bücher bringe ich allenfalls zu einem Öffentlichen Bücherregal, aber niemals gebe ich Bücher ins Altpapier, es sei denn, sie gehören zu … Ich schweige besser, ehe ich mich jetzt unnötig errege.

Zwei Ordner wurden mit weiterem Aktenmaterial gefüllt. Staatliche (und gleichgestellte) Stellen bedienen sich ja gerne der Strategie des “Kunden”-Archives: Unsereiner sollte Unterlagen so ungefähr mindestens dreißig bis neunzig Jahre aufbewahren, wohingegen sie nach zehn Jahren schon alles vernichten, was zu künftigen Leistungsgewährungen führen könnte. Ist euch das auch schon aufgefallen? Ja? Tolle Sache, nicht wahr? Sobald es aber darum geht, daß aus den Unterlagen Forderungen an die Bürger – Verzeihung: Konsumenten, Steuerzahler, Gebührenpflichtigen entstehen könnten, schaffen sie es, nach 48 Jahren noch inflationsberichtigt und korrekt verzinst und gebührenversehen Zahlungsbeitreibung zu realisieren.

Ich hasse diese Bürokratie, dieses überflüssige Anfordern von Papier zum wiederholten und immer wieder wiederholten Male. Wehe! Wehe, ich brauche mehr als die gnädig zugestandenen zwei Wochen, um den Bescheid einer anderen Behörde zu beantragen, zu erhalten und an die auffordernde Institution zu schicken! Das ist meine Schuld. Das muß ich mir als persönliches Versagen anrechnen lassen! Jawoll! Aber falls ich einmal etwas von einer Staatlichen (oder gleichgestellten) Stelle benötige: Drei volle Monate Zeit alleine für die Eingangsbestätigung, und die reicht, um weitere volle sechs Monate Wartefrist, Verzeihung, Bearbeitungszeit rechtswirksam zu verschaffen. (Jaja, ich weiß. Aber es ist dieses Prinzip, das mich ankotzt, immer wieder, immer heftiger.)

Allein: Heute darf ich den Erfolg genießen. Ich habe den Schreibplatz wieder, es ist auch einer der Haufen vom Boden daneben verschwunden, und ich bin tatsächlich zufrieden mit dem Geschafften. Wenn ich noch ein paar Hängeschränke mehr in meiner Wohnung haben könnte, oder wenn an den Wänden Platz für Bücherregale wäre: Das würde mir tatsächlich gefallen und für das Verschwinden des einen oder anderen Bücherstapels sorgen. Aber für beides fehlt der Platz.

Ich weiß übrigens, daß ich auf dem Schreibplatz wieder haufenisieren werde. Ja, dort werden sich wieder Papiere ansammeln, die für mich und mein Leben und vielleicht sogar für meine Zukunft wichtig werden können. Und Zettel, die mir aus irgendeinem Grunde interessant zu sein scheinen (die gehören unter keinen Umständen zur vorher genannten Kategorie). Heute und morgen aber werde ich den freien Platz ausgiebig genießen können, vielleicht sogar nutzen können.

 

Ach ja: Karneval/Fasching, Halloween und Valentinstag sind für mich, was Weihnachten für andere ist. Ich mag keines dieser Feste.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 11.11.2019 waren positiv geschaffener Platz, infarktfreie Beschäftigung mit bescheuerter Bürokratie, echter Grusinischer Tee mit Kirschkonfitüre.
 
Die Tageskarte für morgen ist III – Die Herrscherin.

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Über Der Emil

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2 Kommentare zu Nº 315 (2019): Platz geschaffen

  1. hummelweb sagt:

    Haufenisieren – eine treffende Beschreibung auch meiner Tendenz, alles zu stapeln – und zu vergessen… bis um nächsten großen Reinemachen. Tatsächlich bieten sich ungeliebte Feiertage dafür geradezu an.
    Machst du deinen „grusinischen Tee“ auch im Samowar? Ich musste erstmal nachlesen, was das wohl ist 😉

    • Der Emil sagt:

      Einen Samowar habe ich leider nicht. Und es war auch eine echte Krux mit der Beschaffung des Tees; letztendlich war ich im Магазин (russ. Laden).

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