Nº 223 (2019): Verschwindende Farbe

Dystopisch weitergedacht.

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Früher war das hier alles grün. Früher! Der Boden war bedeckt mit Gräsern und anderen Pflanzen. Ab und zu schlängelte sich ein Trampelpfad über die Flächen, meist sehr geradlinig, weshalb schlängeln vielleicht die falsche Benennung ist, und doch bleibe ich beim Schlängeln. Es waren Linien anderer Farbe, diese Trampelpfade, meist nur ein abweichendes Grün, ganz selten mischten sich braune Stellen blanken Erdbodens darunter. Heute ist alles nur noch grau und braun: Alle Pflanzen sind vertrocknet, gut, fast alle, doch die wenigen noch lebenden Blätter und Halme sind versteckt wie die Fehler in Vexierbildern. Der Fluß führt noch Wasser. Weniger als in all den Jahren, die ich hier spazie­ren­ging. Vom Ufer aus bis zu nassen Füßen brauche ich ein paar Meter, vielleicht vier, vielleicht zehn; ich weiß es nicht und es hängt ja auch von der genauen Beschaffenheit von Ufer und Flußgrund ab. Wasser, das die Bäume hier noch erreicht, wenigstens deren Blätter sind noch grün.

Da verschwindet nach und nach eine Farbe von der Erde, aus der Stadt, aus der Natur. Das Grün weicht immer weiter zurück, ist nur noch vereinzelt, selten zu beobachten. Es staubt hinter mir, als ich schlurfenden Schrittes durch die Hitze den Heimweg antrete. Und ich freue mich auf meine drei Zimmerpflanzen, zu deren Gunsten ich täglich auf einen kleinen Teil meiner Trinkwasserration verzichte.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 11.08.2019 waren positiv ein sehr langes Bad in der Wanne, wenige Einzelheiten eines fernen Geschehens, die wiederaufgenommene Scannerei.
 
Die Tageskarte für morgen ist der König der Kelche.

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Über Der Emil

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10 Kommentare zu Nº 223 (2019): Verschwindende Farbe

  1. Nati sagt:

    Man könnte meinen es wäre ein Zukunftsszenario, dabei ist es jetzt schon Wirklichkeit. Ich sehe immer mehr tote Bäume.

  2. Sofasophia sagt:

    Dystopia … ich habe auch ein paar so Texte im Kopf und fragmentarisch notiert.

    Gruslig. Vermutlich unvermeidlich.

  3. Gudrun sagt:

    Ich war immer gern in meinem Park gegenüber. Und nun drücke ich mich. Zum zweiten Mal schon mussten 50 (!) uralte Bäume gefällt werden. Das Baumsterben ist noch nicht zu Ende und ich fühle mich so ohnmächtig.

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