Nº 151 (2019): Ein Teil von mir

Aber welcher? Die Frage stell' ich mir.

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Wie sich das immer abwechselt: Mal Tiefsinniges und mal Trivia. Was eben so geflossen kommt aus meiner Hand.

 

Wenn ich mir ansehe, welche Schwierigkeiten ich mit dem Schreiben nach Konzeption habe! Das ist so mit Prinz Hans () und mit der Geschichte (), die ich nach der ungewohnten, unerprobten Arbeitsmethode weiterschreiben wollte. Und das ist wohl auch so mit den drei öffentlich konzipierten Teilen, die ich mittlerweile schon längst hätte haben sollen (). Ich weiß nicht, wieviele Schmierseiten ich schon entnervt zerknüllt und dann – wieder etwas glattgestrichen – durch den Shredder gejagt habe. Es sind zu viele.

Wenn ich mir also ansehe, welche Schwierigkeiten ich mit dem Schreiben nach Konzeption habe, dann frage ich mich, wer (oder was) die anderen Texte schreibt. Ja, wirklich, die kommen einfach so aus der Hand geflossen. Meist habe ich ein Wort, einen Halbsatz oder einen ganzen; aber immer entsteht aus einem solchen kleinen Anstoß ein Textchen, manchmal entstehen sogar mehrere. Ich habe ja nichtmal die Wahl zwischen Prosatext und Lyrik. Nein, wirklich nicht. Was geschrieben sein will, schreibt sich aus mir heraus. Von selbst. Was ich mir aus dem Hirn wringen muß, das gerät nicht zu meiner Zufriedenheit, geriet es auch noch nie. Das sind Texte, die auf dem Papier bleiben in den Kladden. Nur, wenn ich auf lose Blätter schreibe, wie jetzt wieder, nach Plan schreiben will (ja, ich will!), dann werden die Zettel gleich hinterher vernichtet: Früher wurden sie draußen irgendwo verbrannt, heute wandern sie in die Zettelzerkleinerungsmaschine.

Wer oder was schreibt die Texte, die ich als die meinen betrachte? Ich, ja, aber ich habe darauf so verdammt wenig Einfluß! Ist es möglich, daß tief in mir eine Teilpersön­lich­keit schlummert, die sich mit schriftsprachlichen Äußerungen befaßt, nur mit denen, und die ansonsten keinen Kontakt zu anderen Teilen von mir hat, weder zu mir noch zur Ausweisperson? Wenn ich das annehme, für Wahrheit halte, was tu ich da? Entziehe ich mich der Verantwortung für mein Unvermögen, “nach Plan” zu schreiben? Konstruiere ich mir da einen Homunkulus, dem ich die Verantwortung übertragen kann wofür auch immer?

 

Bei keinem der drei Versuche denke ich ans Aufgeben. Bei keinem. Aber ich bin frustriert, wirklich frustriert ob der vergeblichen Liebesmüh. 2014 – 2017 – 2019: Am Märchen versuch ich mich seit fünf Jahren schon. Ich gebe dem, was da in mir fürs Schreiben zuständig ist, jetzt mal den Auftrag, das Märchen zu vollenden oder neu zu schreiben vom Anfang bis zum Ende. Vielleicht hilft das ja, irgendwann. Und nächste Woche versuche ich das mit den zwei verbleibenden, öffentlich konziperten Texten. Vielleicht sogar an den Tagen, da ich als Marktmönch wieder im Scriptorium zugange sein werde. Vielleich, mit Göttlichem Beistand …?

Aber wissen möcht ich schon, wer oder was da in mir für das Schreiben von Texten zuständig ist.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 31.05.2019 waren positiv eine kleine Tour durch die Stadt, sehr interessante Nachrichten, etwas erledigter Bürokratiekram.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Königin der Kelche.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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13 Antworten zu Nº 151 (2019): Ein Teil von mir

  1. Nati sagt:

    Ich schreibe auch eher nach dem Prinzip was aus mir heraus kommt.
    Manchmal habe ich nur ein Wort im Kopf und es fängt an zu sprudeln (also schnell ein Zettel her), oder ich sehe ein Bild oder lese ein Text und mir fällt spontan dazu etwas ein.
    Aber nach Konzept habe ich noch nie geschrieben.
    Und ich stelle mir auch nicht die Frage wer oder was da schreibt.

    • Der Emil sagt:

      Also … Also mich wurmt die Unfähigkeit schon, heftig sogar. Und ich versuch es ja wirklich, nach Konzeption zu schreiben, weil das funktionieren sollte, gut funktionieren sollte.

  2. frauholle52 sagt:

    „Es gibt verschiedene Schreibtypen. Den planenden und den intuitiv-assoziativen. Wenn Sie ein planerischer Schreibtyp sind, werden Sie alle Aufgaben und Übungen fantastisch finden, die sehr strukturiert sind. Wenn Sie assoziativ arbeiten, werden alle strukturierenden Übungen Sie mit Grauen erfüllen, aber die spielerischen Übungen werden Sie ansprechen. …… Wenn Sie Ihren Schreibtyp kennen, stehen Sie sich selber weniger im Weg. Ob planerischer oder assoziativer Schreibtyp- beides ist gleich gut. Es ist einfach Zufall, zu welchem Typ man gehört.“…….Was viele Ratgeber (kreatives Schreiben, Regine) nicht erzählen: Wenn man weiß, welcher Schreibtyp man ist, erspart man sich viele Selbstzweifel und Frustrationen.“ aus: Kreatives Schreiben, Vom leeren Blatt zum fertigen Text BROCKHAUS, S.: 17, 18
    Das habe ich gerade noch einmal gelesen, weil ich selbst überhaupt nicht nach Plan schreiben will. Es macht mir einfach keinen Spaß. Einer meiner Lieblingsschriftsteller (Stephen King) macht das übrigens genauso: einfach los schreiben und dann gucken, was dahinter steckt!

    • Der Emil sagt:

      Dann bin ich wohl kein planender Schreiber. (Aber ich möchte es doch so gern versuchen, immer wieder versuchen, auch wenn das Ergebnis oft frustriert. Mir gehen viele gute Ideen verloren, wenn ich sie nicht in Texte umwandeln kann.)

      • frauholle52 sagt:

        Na, dann schreib doch einfach alles auf, was Dir so einfällt und zum Schluss veränderst und sortierst Du die Texte und bringst sie in die Form, die Dir gefällt. So mache ich das. Nach Plan zu schreiben ist mir nie gelungen, es machte mich einfach nur fertig und so gab ich es auf. Wahrscheinlich bringe ich darum keinen Roman zustande. Dazu fehlt mir die Geduld. Obwohl….Ideen habe ich eigentlich genug. Vielleicht setze ich mich doch mal ran und mache das. Nur so für mich. Liebe Grüße und heute hat mir meine Nachbarin einen witzigen Satz gesagt: Mein Garten ist ein Tummelplatz der Entschleunigung. Vielleicht kann das Schreiben auch so ein Tummelplatz sein: Ein pulsierender Marktplatz der kreativen Freude vielleicht!

        • Der Emil sagt:

          Das schaff ich ja auch nicht, jedenfalls nicht, wenn ich mir nur Stichworte gemacht habe. Es ist zum Haareraufen.

          • frauholle52 sagt:

            Du schreibst doch fast jeden Tag in Deinem Blog und zwar so, dass wir Freude am Lesen haben. Das ist doch schon mal gut, oder?
            Aber vielleicht freut Dich das Haareraufen, aber sei dabei ganz vorsichtig, so dass es Dir nicht weh tut. Vielleicht hilfts! Liebe Grüße aus dem kühlen Zimmer. Draußen ist es mir schon wieder viel zu warm. Alle Welt tummelt sich gerade draußen und genießt die kulturelle Landpartie, nur ich hocke im Haus. Es ist ein Graus.

            • Der Emil sagt:

              Mir ist’s draußen auch zu warm, und bald wird es das auch in der Wohnung wieder sein …

              Ja, ich schaffe es, täglich ziemlich viele Sachen zu schreiben. Aber eben nix großes, planbares 😉

              (Langhaarträger, da ist das raufen eher ein lüften.)

              • frauholle52 sagt:

                Na ja, dann geben wir uns erstmal mit dem Kleinen zufrieden und wenn die die Zeit reif ist, wird sich auch das Große ergeben. Nur Mut, wenn Du es so sehr gerne möchtest, schaffst Du es auch.
                Viel Spaß beim Haare lüften und leider kriege ich meine Haare nicht lang. Sie wollen nicht, wie ich wohl will. Vielleicht sollte ich sie auch mal liebevoll raufen?😂

  3. wildgans sagt:

    Dein schreibender Emil, tätschel den mal schön, immer und überall, auf dass er dir nicht verloren geht. Mach ich mit meinem schreibenden Ich auch so. Egal, wie man das typisieren könnte.
    Gruß von Sonja

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