Nº 144 (2019): Loch mit Folgen (1)

Gartenüberraschung.

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Hier also, was in Teil 1 der Konzeption großspurig angekündigt wurde.

 

 

Endlich weiß ich, wo genau ich den Geräteschuppen hinstellen werde. Es gibt nicht nur eine neue Gartenlaube, auch die Einzelteile der neuen Werkzeugbehausung liegen seit Wochen hier. Nach Tagen der Vorbe­reitung habe ich Mut und Zeit, auch die noch aufzubauen. Wie gut, daß es dafür kein Fundament braucht: Bei einem der Gartennachbarn habe ich gesehen, daß der Schuppen auf Balken steht, die auf Erdnägeln befestigt sind. Die vier Holzstücke für die Balkenschuhe sind fertig, die siebener Kanthölzer auch. Die Punkte für die Erdnägel sind gekenn­zeich­net und das Richtscheit und der Bello liegen ebenso bereit wie eine Richtschnur mit Knoten, die mir beim Rechten Winkel half. Nun denn. Der erste der Erdnägel kommt ziemlich dicht an den Zaun. Das geht hier, denn das Nachbargrundstück ist nur ein Stück Wiese, das nicht genutzt wird. Sonst müßte ich ja Abstand von der Grund­stücks­grenze einhalten und könnte den Schuppen (beinahe buchstäblich) nur in der Mitte des kleinen Schrebergartens aufbauen.

Schwierig ist es, den Erdnagel soweit genau senkrecht und exakt am vorgesehenen Platz einzuschlagen, daß ich mit dem Bello keine Schäden mehr anrichten kann. Aber ehe ich den jetzt zur Hand nehme, mache ich noch eine Zigarettenpause mit einem kühlen Sternquell. Ach, immer wenn ich etwas wirklich Gutes und Wichtiges tu, ist niemand da, der das zu schätzen weiß. Na dann: Schlagholz in den Balkenschuh, in die Hände gespuckt und drauf mit dem Vorschlag­ham­mer aufs Holz! — Scheiße! Was ist denn das? Himmelarschundzwirn! Mit einem einzgen Schlag habe ich doch nicht den Erdnagel auf ganzer Länge? — Heilige Scheiße! Was soll denn jetzt dieses … Das gibt’s doch nicht! Das ist unmöglich! Da kann doch nicht einfach! Rotze, verflixte! Der Scheißschuppen sollte heute fertigwerden, ist doch nur Lego für Erwachsene, also Blockbohlenbauweise! Und statt Schuppen hab ich jetzt ein Loch? Was soll denn das? Herrgottnochmal!

Okay. Ein Loch. Nicht tief. Ungefähr ein Meter, bis das … Ja, das ist nur Anstehendes, also Fels. Und das Loch ist wohl das Ende eines Stollens. Eines Kriechstollens in einem sehr alten Bergwerk. Daß die damals so dicht an die Oberfläche aufgefahren haben!? Ich denke, ich sag den Leuten im Museum und Besucherbergwerk da drüben hinter der Wiese gleich mal Bescheid, denn ich vermute, daß ich auf ein Stück der alten Zeche “Sankt Andreas” gestoßen bin. Ach, das mit dem Schuppen kann ich jetzt wohl vergessen. Aber Moment: Da glänzt was. Nein, das ist nicht der Erdnagel, da ist noch etwas anderes. Ob ich mit dem Rechen rankomme? Hier kann ja nur noch etwas Deckboden abrutschen, unten steht gewachsener Fels, es ist der Stollenfirst eingebrochen und wenn ich das richtig sehe, war das der Ort, also das Ende des Stollens im Stein. Ich versuch mal … Der Rechen ist grad lang genug, den Erdnagel hab ich schonmal raufgeholt. … Und das andere … Na … Komm schon! – Ah! Nun sieh sich einer das mal an! Ein Gezähe ohne Rost! Direkt aus einem uralten Stollen. Da dürfte doch kaum noch was an blankem Metall übrig sein nach der Zeit. Schlegel und Eisen, die sind ähnlich wie Hammer und Meißel, das wird doch seit über hundert Jahren nicht mehr benutzt? Und dann ohne jeglichen Rost, damals gab's noch keinen Edelstahl. Irgendwas ist damit, daß das nicht verrostet ist. Das Werkzeug heb ich mir auf, das leg ich zu der alten Bergmannsleuchte, diesem Öllämpchen. Dazu paßt es, obwohl es irgendwie viel zu neu aussieht.

So, dann melde ich mein Unglück mal drüben im Museum. Das wird eine Unmenge an Bürokratie und ewige Arbeit der Bergsicherung geben. Und dann … Übrigens: Da war irgendwann mal was mit “Blankem Gezähe”. Da war mal was … Ich komm wieder drauf, das weiß ich.

 

 

Ich befürchte, die Konzeption war schon zu detailliert.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 24.05.2019 waren positiv einige geschaffte Arbeit, ein vermiedener Aufbaufehler, Döner satt.
 
Die Tageskarte für morgen ist Das As der Schwerter.

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Über Der Emil

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