Sozusagen Selbstbedienung.
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Der Tag vor irgendetwas wird oft als Abend bezeichnet, oder? Der Weihnachts- oder Christabend vorm Weihnachts- oder Christtag, Helloween – von All-Hollows-Eve(ening) abgeleitet – vor Allerheiligen – und ups! Hört es damit schon auf? Nein. Sonnabend. Der Tag vorm Sonntag. In anderen deutschen Gegenden wir er Samstag genannt, mein Sonnabend. Der Tag, an dem ich unterwegs bin, meinen Sonntag vorbereite. Oh, ich zelebriere keine Messe am Sonntag, nein, das nicht. Und doch gibt es ein Ritual, auf das ich am Sonntag nicht verzichten möchte: ein Frühstück im Bett.
Wer jetzt an Brötchen oder Porridge (Ürgs!) denkt, die irrt. Mein Frühstück ist sonntags immer männlich, meist jünger als ich, und ziemlich erregend. Und ebenso, wie ich kein einziges Brötchen ein zweites Mal essen kann, wird auch keiner der Kerls sich ein zweites Mal sonntags in meinem Schlafzimmer finden lassen. Und es wird auch nicht an jedem einzelnen Sonnabend sich einer finden, den ich mitnehmen möchte. Das ist völlig unabhängig vom Ort, an dem ich auf die Suche gehe. Ballsaal, Perron, Opernhaus, Theater, ordinäre Gaststube, Hotel, Stadtpark. Überall sind Liebhaber zu finden, die wie ich auf nicht mehr als eine Nacht und den Morgen danach aus sind. Am Sonnabend sind sie unterwegs und hoffen, Beute zu machen. Allerdings machen sie die nicht, wenn sie an mich geraten: Dann werden sie zu Beute. Einer wird zu Beute, zu meiner Beute. Und die muß nicht nur körperlich meinem Geschmack entsprechen. Meine Beute muß mir auch intellektuell ebenbürtig sein. Und das ist, wer nur in meinen Ausschnitt fällt oder mir nur auf den Arsch starrt, nicht. Es braucht Kultur, um in mein Schlafgemach zu kommen. Kultur, nicht Geld. Kraft, nicht Gewalttäigkeit. Interesse an mir, nicht nur Geilheit.
Sonnabend ist mein Abend. Die Vorüberziehenden sind wie ein Schaufenster, wie eine Auslage, aus der ich mir meine Delikatesse für Nacht selbst auswähle und mitnehme für das Frühstück im Bett. Das ist wie jeden Sonnabend mit roter Wäsche frisch bezogen.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Am 23.03.2019 waren positiv Anisbrötchen zum Frühstück, ein Hund zum Knuddeln, eine gelungene Überraschung.
Die Tageskarte für morgen ist die Neun der Münzen.
© 2019 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Rot bezogen, und hoffentlich kein Schaf im Gemach…
Lebenskünstlerschön!
Verflixt! Unzählige Male prüfe ich auf orthographische Korrektheit (nach den Regeln von 1980, nicht nach der Schlechtschreibreform) und dann das …