Nachlassend im Traum (Nº 319/2018)

Beim Erwachen stellte ich die Wichtigkeit des Themas fest.

To get a Google translation use this link.

 

Ich träumte letzte Nacht sonderbares. Ich träumte letzte Nacht vom Sterben.

Nein, das ist nicht ganz korrekt: Ich träumte letzte Nacht von meinem Nachlaß, seiner Ordnung und seiner … seiner Verteilung.

Das heißt: Ich träumte letzte Nacht, ich sei schon tot.

Ich träumte also davon, wie im jetzigen Zustand die Verteilung meines Krempels geregelt ist und dann verwaltet und umgesetzt wird. Da sind viele Dinge, die einfach nur entsorgt werden müssen, weil sie für niemanden als für mich irgendeine Bedeutung haben könnten. Erinnerungsstücke an Orte und Personen und meine Zeugnisse zum Beispiel. Die Briefwechsel und Kladden hingegen gehen an die festgelegten Empfänger, befinden sich ja mittlerweile auch in einem gesonderten Fach im Schrank. Die Bücher, die überall in meinem Zimmer zu finden sind, weil in den Schränken zu wenig Platz ist, die Bücher werden wohl zum Altpapier kommen, so leid mir das tut, denn da sind ein paar Erstausgaben dabei bzw. wirklich antiquarische Exemplare darunter, um die es wirklich schade wäre. Sind testamentarische Sachspenden möglich?

Dann ist da noch alles das, was ich zum Wandern auf den Pilgerwegen besitze und benutze. Zelt, Kocher, Schafsack, Isomatte, Topf, der ganze Kleinkram dazu. Ich glaube, niemand wird mein Zeug erben wollen, was also geschieht damit? Bisher habe ich dafür noch keine Regelung gefunden. Ein Vermächtnis könnte das aber entsprechend regeln, da bin ich mir sicher. — All meine Taschen und Rucksäcke, die Kleidungssücke und sonstigen textilen Habseligkeiten: Bis auf drei Ausnahmen ist alles alt und schäbig bzw. für andere Menschen kaum noch brauchbar. Haushaltgeräte und Hausrat haben nach der langen Nutzungsdauer durch mich sicher keinen Wert mehr, daraus wird wohl (Sperr-)Müll. Und falls noch irgendwelche Vorräte voranden sein sollen, werden die bestimmt auch entsorgt werden müssen.

Die meisten Verwicklungen ergaben sich, als ich träumte, aus meinem digitalen Nachlaß. Die Geräte – Rechner, Tablet, Telephone, Festplatten und andere Speichermedien – sind noch einfach zu handhaben. Doch was wird aus den Dingen, die sich auf irgendwelchen Servern in irgendwelchen Teilen des Internet (das ist nicht nur das WWW) befinden? Was wird mit all den Blogs und Beiträgen darin, mit all den Bildern in den entsprechenden Plattformen, was wird aus meinen Posts im Usenet (nntp) und all den Mailkonten? Es gibt ein kleines Notizbuch, in dem alle Accountnamen samt zugehöriger Angaben versammelt sind, das müßte ich einmal hernehmen und in zwei Teile für zwei unterschiedliche Menschen teilen, denen ich ihren Glauben an mich erhalten möchte. Und diese beiden Menschen sollen dann darüber befinden, was mit all den Präsenzen im Internet geschieht. So träumte ich letzte Nacht.

Ich träumte letzte Nacht tatsächlich von meinem digitalen Nachlaß. Ich träumte, ich sei schon gestorben. Und wie ich das träumte, stellte ich fest, wie viele meiner Nachlaßangelenheiten noch überprüft und geregelt werden sollten. Ehe es ernsthaft zu Streitereien kommt darum.

Ich träumte letzte Nacht und werde etwas unternehmen. Wie weit seid ihr mit diesen Angelegenheiten?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 15.11.2018 waren die erledigte Hausarbeit, ein paar wichtige Ideen, andere Bilder im Kopf.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Stäbe.

© 2018 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter 2018, Erlebtes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

0 Kommentare zu Nachlassend im Traum (Nº 319/2018)

  1. Nati sagt:

    Ich habe, ehrlich gesagt, noch gar nichts geregelt.
    Man denkt ja immer, man hätte noch Zeit.

  2. Kai sagt:

    An den – auch digitalen – Nachlass zu denken, ist eine gute Idee. Für alle, die hier mitlesen einige Tipps aus meiner Praxis, wenn ich zum Thema Nachlass und Testament mit Menschen spreche (beraten darf ich als Nicht-Jurist ja nicht):

    1) Erbe(n) einsetzen
    Es braucht immer (!) einen Erben (oder mehrere Personen), welcher die Rechtsnachfolge des Verstorbenen eintritt. Ohne Erbe ist ein Testament in der Regel nichtig. Der Erbe muss nicht am meisten erben, aber seine Aufgabe ist es, die Vermächtnisse zu erfüllen und sich z.B. um Beerdigung, Behördenkram etc. zu kümmern.
    Beim digitalen Nachlass ist das wichtigste Kennwort das E-Mail-Kennwort. Denn darüber kommt man meist an alle anderen Kennwörter ran.
    2) Vermächtnisse verteilen (fakultativ)
    Die Vermächtnisnehmer haben den Anspruch auf Herausgabe der Vermächtnisse (Geld, Gegenstände) gegenüber dem Erben. Hier habe ich als Erblasse völlige Freiheit.
    3) Auch privatschriftliche / handschriftliche Testamente können für rund 100 Euro beim Zentralen Testamentsregister hinterlegt werden, wenn man sicher gehen möchte, dass es auch aufgefunden wird.

    … aber da gibt’s viel Literatur – im Netz oder bei der Stiftung Warentest.

    • Der Emil sagt:

      Vielen Dank für die Hinweise. Was aber, wenn der Erbe das Erbe ausschlägt? Wär da ein Testamentsvollstecker nicht eine Idee?

      (Ich glaub, ich muß wirklich mal über das Testamentsregister nachdenken.)

      • Kai sagt:

        Für den Fall der Erbausschlagung ist die Einsetzung eines Ersatzerben möglich (auch dann, falls der Erbe vor einem versterben sollte). Bei unvollständigen Testamenten oder Ausfall des ERben wird anhand der gesetzlichen Erbfolge solange gesucht, bis das Nachlassgericht einen Erben (ggf. sehr entfernten Verwandten) gefunden hat. Sollte niemand gefunden werden, erbt der Staat.
        Ein Testamentsvollstrecker kann eingesetzt werden, wenn man den Erben nicht mit der Abwicklung des Nachlasses behelligen möchte (z.B. aus altersgründen). Der Vollstrecker ersetzt aber nicht die Erbeinsetzung!

  3. Tina Doll sagt:

    Hab ja auch schon das ein oder andere Mal darüber nachgedacht. Und mich auch schon ertappt, dass ich einige Dinge wegwerfe, weil dann auch nach mir keiner sich damit abmühen muss. Ansonsten…Nach mir die Flut. Wertvoll ist eher wenig, und das Virtuelle. ..hmm… Vielleicht die Passwörter hinterlegen, ja. Ich hoffe, wir haben alle noch viiieeel Zeit .

  4. freudenwege sagt:

    Mit diesen Gedanken habe ich mich vor ein paar Wochen auch beschäftigt, als ein guter Freund von mir verstorben ist. Bei ihm war es einzig die Mutter, die sich um seinen Nachlass zu kümmern hatte und wahrscheinlich mit all seinen künstlerischen Dingen und Basteleien nichts anfangen könnte. Ich frage mich bis heute was damit passieren wird..
    Auch für mich habe ich dann überlegt, wie ich es regeln sollte, mich dann aber doch vor einer intensiveren Beschäftigung damit gedrückt.. Im Grunde kann es mir egal sein, was mit all den Dingen passiert. Wenn ich tot bin wird es mich nicht mehr ineteressieren.. So denke ich zumindest und hoffe einfach, dass wir noch ein langes und schönes Leben haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert