Geräuschkulisse (Nº 308/2018)

Wie ihr Fehlen doch noch auffällt.

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Selbst im Gemüt ist es novembrig. Gut, es ist noch immer viel, viel zu trocken überall und der Nebel ist selten geworden. Es tut gut, beim Hellwerden aufzustehen und die Arbeiten, egal welche, mit der Abenddämmerung einzustellen. Dann singt er immer ein Lied aus seiner alten Heimat, 's is Feierohmd, und versucht, den seltsamen Zungenschlag des Liedschöpfers nachzuahmen. Am Abend brennen Teelichter, mehrere, schaffen mehr schlecht als recht etwas Licht am Tisch und wärmen das Zimmer ein wenig. Das Radio läuft. Und wenn es fast schon dunkel ist, dann hört er die Glocken der Kirche. Noch immer sechs Uhr abends. Zuhause wurde früher ab Allerheiligen schon um Fünf geläutet. Aber damals diente das Läuten wohl auch noch zur Benachrichtigung, daß es an der Zeit ist, die Arbeit ruhen zu lassen und heimzukehren. Ob es überhaupt jemandem auffällt, wenn die Glocken einfach nicht mehr erklingen? In den großen Städten? In den kleinen Städten? In den Dörfern auf dem Land? Auf dem Dorf wird es wohl zuerst und überhaupt bemerkt werden. Jetzt im November fallen ihm die Glocken wieder auf. Hat sie wahrscheinlich seit April nicht gehört, aber jetzt, in der Fastdunkelheit, da ist der vertraute Klang wieder da.

Aber es ist schon sonderbar, daß er soviel Wert auf dieses Geräusch legt, jetzt in der ihm liebsten Zeit des Jahres. Und auf das Kerzenlicht.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 04.11.2018 waren tatsächlich gebesserte Gesundheit, Müßiggang, Faulenzen..
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht derMünzen.

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Über Der Emil

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0 Antworten zu Geräuschkulisse (Nº 308/2018)

  1. Sofasophia sagt:

    (Pssst, ich würde das Fehlen der Glocken sofort merken und es jubelnd begrüssen.)

    Er klingt schon wieder fast genesen? 😉

    • Der Emil sagt:

      Mir ist das Läuten wie dem Protagonisten eine zeitliche Orientierung. Aber ich versteh Dich.

      (Nun, es ist jedenfalls nicht mehr so schlimm, daß ich nur liegenbleiben will.)

  2. wildgans sagt:

    Hervorragend, das mit der Besserung! Und das Nurliegenbleibenwollen verstehe ich nur zu gut, man muss sich liebevoll behandeln, man muss es sich erlauben! Wichtige Sache!
    Gruß von Sonja

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