Papier sortiert.
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Heute Abend saß ich völlig erschöpft eine ganze Weile vor dem leeren Blatt. Das Uhrenumstellen war nicht für die Erschöpfung verantwortlich. Eher die beiden großen Haufen Papier: Eine Klappbox und zwei der Großeinkaufstaschen vom Discounter voll Altpapier blieben und ein streichholzschachtelhoher Stapel zu scannender und teilweise nicht wegzuwerfender Zettel, Fahrkarten, Briefe – und da sind drei Photographien dabei. Doch die beiden Haufen sind weg.
Aber …
Aber dieses “bißchen” Papier zu sortieren, das war anstrengend, Schwerstarbeit. Denn jedes einzelne Stück hatte (und hat) seine Geschichte, seine Bedeutung. Da war eine Fährkarte aus Koblenz. Eine aus Pillnitz. Eine Zeltplatzrechnung vom Ostseecamp Suhrendorf auf Ummanz. Eintrittskarten, Zeitungsartikel, handgeschriebene Programmlistings in Turbo-Pascal. Kassenbons von einstmals wichtigen Erwerbungen. Konzertprospekte. Alte Entwürfe für irgendwelche Projekte, an denen ich beruflich (oh ja, ich hatte auch Berufe) beteiligt war. Briefumschläge von Absendern, die ich seit Jahren aus meinen Adreßbüchern gestrichen habe. Unabgeschickte Briefe. Ansichtskarten.
Alles, wirklich jedes einzelne Stückchen hatte ich in den Händen. Jedes sah ich mir an und spürte in mir seiner Bedeutung für mich nach. Und sehr, sehr oft bemerkte ich, daß all das seinen Wert als Erinnerungshilfe verloren hat, die Erinnerungen aber waren und sind in mir, viele sehr schöne Erinnerungen, einige unschöne, tiefe Verletzungen hinterlassende aber auch. Jetzt bleibt mir nur noch, all das in den Altpapiercontainer zu bringen. Doch ich weiß, damit ist nichts davon auf dem Müllhaufen meiner Vergangenheit gelandet, es ist nur in die entsprechenden Kartons einsortiert, die in den Regalen in meinem Gedächtnis stehen.
Ich bin für heute am Ende. Ich bin erschöpft. Ich bin unendlich müde. Ich möchte heute Abend auf meiner Couch liegen, das Stapelchen Papier nocheinmal ansehen und die drei Bilder, und über den angenehmen Erinnerungen einschlafen. Vielleicht, vielleicht träume ich dann ja auch von meiner nie gehabten Vergangenheit mit ihr …
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Das Gute am 29.10.2017 waren die endlich wieder geltende, für hier richtige MEZ, die geschaffte Arbeit, Loslassen und Behalten.
Die Tageskarte für morgen ist die Neun der Stäbe.
© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ich bin jetzt im Alter manchmal etwas traurig, dass ich frueher den Wert der „gedruckten Erinnerung“ nicht richtig geschaetzt und daher zu viel weggeworfen habe – teilweise auch meinen Umzuegen, insbesondere dem nach hier in die USA, geschuldet.
Nun ja, das ganz wichtige (das, was nach der großen Verbrennung übrigblieb) scanne ich ein — so habe ich wenigstens Bilder davon.
Ja, ich habe vor vielen Jahren versucht, alles, was an meine Vergangeheit als Ausweisperson erinnerte, zu verbrennen. Es ist zum Glück einiges den Flammen entkommen.
Die Erinnerungen zählen mehr als jedes Stück Papier.
Da ist natuerlich was Wahres dran. Selbstverstaendlich. Aber manchmal ist das Stueckchen Papier doch auch schoen.
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Bei mir sind es Fotos. Da ich aus meiner Kindheit kaum welche habe, mach ich im Erwachsenen Leben umso mehr und lasse sie entwickeln.
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Zum Glueck habe ich ein paar Fotoalben aus meiner Kindheit gerettet.
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Wenn es bei mir wenigstens welche zu retten gebe, wäre ich schon froh. Aber so ist es halt.
Manches kann man eben nicht aendern, so bedauerlich das ist.
Ja, damit habe ich mich abgefunden. Deshalb sind die Erinnerungen auch am Wertvollsten.
Zu viel Balast ist aber auch nicht gut.