Hilfreicher Herbststurm.
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Ums Haus weht ein heftiger Wind, ein Sturm gar, der Fensterscheiben klirren und ein leises Heulen an irgendeiner Tür erklingen läßt. Es regnet, beinahe in Wolkenbruchstärke. — Welch außerordentlich seltsames Bild: brechende Wolken, zerbrechende oder auseinanderbrechende Wolken, die ihre Wassermassen in einem einzigen Guß auf die Erde fallen lassen. — An diesem Nachmittag nun ist es duster wie in tiefster Nacht. Und der Strom ist weg. Vielleicht riß ein umstürzender Baum, ein herabbrechender Ast irgendwo eine Freileitung entzwei. Wieder merke ich, wie abhängig ich bin von Elektrizität. Immerhin waren Tablet und Smartphone geladen, doch scheinen auch alle Mobilfunknetze vom Stromausfall betroffen zu sein, denn es gibt keinen Empfang. Ich könnte aber, wenn ich es wollte, auf beiden Geräten noch weiterschreiben …
Ich bin aber auch jemand, der viel mit der Hand schreibt. Und ich liebe Kerzenlicht. Ihr könnt euch sicher vorstellen, daß ich dasaß am Tisch, umringt von Kerzen, die das Papier in ein weiches Licht tauchen. Ab und an tauche ich die Feder ins Tintenfaß, wieder erklingt diese Geräusch, das nur beim Schreiben mit Feder zu hören ist, dieses leise Scharren und Kratzen auf dem Blatt. Obwohl ich heute DIN A4 fülle, sind schon mehrere Blätter beschrieben und zur Seite gelegt. Die Stimmung, das Licht, die Stille (und trotzdem höre ich das Klirren der Scheiben, das Heulen und das laute Rauschen von Wind und Regen) im Raum. Ich schreibe. Keine Texte für den Blog hier, nein: Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend kann ich notieren, noch eine und noch eine und die auch noch, Namen finden sich in meinem Hirn, Namen von Menschen, die im selben Haus in den beiden Eingängen lebten, Szenen aus sehr sonderbaren Spielen und von unterhaltsamen Ausflügen und Spaziergängen. Eintunken ins Tintenfaß, weiter, Tintenfaß, neues Blatt, Tintenfaß, ein Dutzend Worte, Tintenfaß, Worte, TintenfaßWorteNeuesBlattTintenfaßWorteTintenfaßWorte …
Ich schrieb mich beinahe leer, obwohl das ja nicht geht. Und plötzlich summt der Kühlschrank wieder, ein Radio plärrt los, die Lampen sind wieder an.
Hoffentlich kann ich mich dann, wenn ich wiedereinmal nichts zu schreiben weiß, daran erinnern. Und alles Elektrische abschalten und Kerzen anzünden werde. Vielleicht ist es ja wirklich ein hilfreiches “Setting” für mein Gedächtnis, meine Konzentration, meine Phantasie, mein Schreiben.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Das Gute am 30.10.2017 waren meine Suche nach Ersatz für etwas Kaputtes, der Besuch in der Bibliothek, die erledigte Bestellung.
Die Tageskarte für morgen ist XIII – Der Tod.
© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ein schönes Bild, ich hatte dich direkt vor Augen. Da kann es stürmen und toben, solange man es warm und gemütlich hat.
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Ich schreib auch lieber und besser, wenn alles Elektrische aus ist, außer dem Licht…
Mir hilft i.d.R. ein menschliches Hintergrundrauschen (Cafe, Bahnhof, Straßenbahn).
Erich Kästner ist extra in Cafés gegangen, zum schreiben…
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