Morgengrauen (123/242)

Nicht mehr grauenhaft

To get a Google translation use this link.

 

Es gab Zeiten, da graute mir vor dem Morgen und dem nächsten Tag und vor dem Abend und vor der Nacht. Es gab keine schlimmere Geräuschkulisse als die morgens zwitschernden Vögel.

Abends konnte ich nicht einschlafen, hatte Angst vor der Zeit, in der ich meine Umwelt nicht argwöhnisch beobachten konnte, mich nicht voller Abscheu und Verachtung selbst beobachten konnte, mich nicht kleinmachen konnte. So lag ich wach bis dieser Lärm begann und lernte, daßVögel auch nachts nicht schweigen, beim ersten Dämmerschein jedoch ihre Lautstärke vervielfachen.

Davor graute mir. Und wie einst irgendwo einmal zu lesen stand: Das Wort “Morgengrauen” hat(te) einen fahlen Beigeschmack von Wahrheit.

 

Heute stört mich das nichtmehr. Manchmal kann ich es sogar genießen, das Gezwitscher, die ersten Strahlen der Sonne, der ich aber noch immer lieber aus dem Weg gehe. Wegen der Hitze, die ich so schwer ertragen kann. Im Winter macht sie mir nichts aus, aber jetzt … Und erst im Sommer!

Aber die Morgendämmerung, die stört mich wirklich nichtmehr, verursacht keinen Fluchtreflex, keinen Versteckzwang mehr. Nein, ich kann sie mir sogar rund um die Uhr anhören, wie gestern und heute. Es war und ist interessant, diesen sonderbaren Tönen zu lauschen, die z.B. japanische Rinder von sich geben. Völlig angstfrei funktioniert das. Und ganz ehrlich: Das ist für mich schon ein ziemlich deutlich erkennbarer Fortschritt.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 2. Mai 2015 war die gute Stimmung auch nach 18 Stunden Morgendämmerung.
 
Tageskarte 2015-05-03: Das As der Münzen.

© 2015 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter Erlebtes, Gedachtes, One Post a Day, postaday2015 abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 Kommentare zu Morgengrauen (123/242)

  1. blinkyblanky sagt:

    Ich fühle mich morgens dem Kind näher, das ich mal war.

  2. Sofasophia sagt:

    So lässt sich Heilung beobachten.
    Ich kenne das bei andern Themen auch. Tut gut, solche Veränderungen zu erkennen.

  3. minibares sagt:

    Meinen Glückwunsch ♥
    ich höre schon immer gern das morgendliche Konzert. Kein falscher Ton, kein Eintrittsgeld, es funktioniert einfach.
    Wunderbar.

  4. Gudrun sagt:

    Weißt du, was ich mir für dich wünsche? Dass dir morgens jemand einen Kuss auf die Nase gibt.

  5. Gabi sagt:

    Find ich schön und ich freue mich für Dich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert