Die Schatten der Veränderung (92/273)


Ernsthafte, lebenswichtige Identitätsspielerei

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Seit Tagen schon ist da dieser stille Sturm in mir. Dieser Sturm im Inneren, der eine nach außen gerichtete Stille verursacht. Ich korrigiere: Seit Wochen schon ist das so, seit ich anfing, an dem wunderbaren Projekt 1000 Tode Schreiben teilnehmen zu wollen. Der vorgesehene Text wurde dann nicht die Nr. 388, aber der Todestext ist es, der mich so … beschäftigt, aufwühlt, zweifeln läßt an allem, was bisher hier geschrieben steht.

Und dann noch dieses eine Blog, dem ich seit langer Zeit folgte und das plötzlich nur noch einen Abschiedstext enthält – und das ich gestern nichteinmalmehr wiederfand: Wieder zweifele ich an dem, was hier steht und an dem was ich tu. Soll ich vielleicht auch?

Ich meine, im echten Leben schaffe ich so vieles ja auch nicht. Weil ich nachfrage, wenn ich etwas nicht verstehe, spiele ich Spielchen. Wenn ich eine Voraussetzung für etwas haben oder schaffen wollte, dann spielte ich Spielchen … Gut, ich spiele nicht mehr.

Das alles bringt mich, der ich gerade mit einem wirklich unschönen Teil meines Lebens beschäftigt bin und so ziemlich Alles und mein ganzes Leben und meine hiesige Identität anzweifle, infragestelle, nur noch schwerer ins Zweifeln. Irgendetwas muß sich ändern. Nicht gleich in der Weltpolitik, aber in mir und bei mir und überhaupt muß etwas passieren. Vielleicht ist es nur dieser eigene, innere Zwang, jeden Tag zu veröffentlichen. Die Angst, wenn ich das nicht mache, wieder wegzurutschen. Nur fühlt es sich gerade an, als würde eben dieser Drang, das Jahr noch vollzumachen, dieses Wegrutschen anschieben.

Ich will täglich veröffentlichen, doch Frank sagt „nein, das reicht“. Jetzt wäre er mal wieder dran. (Das ist dieser Kerl doch sowieso grad, denn der (vorgesehene) Todestext dreht sich um ihn, um sein Verhalten, seine Stärke, sein Gefühl, sein Versagen. Aber das scheint ihm nicht zu reichen.)

Frank trägt grad einen Kampf aus mit mir. Ich bin der trainiertere Kämpfer, er ist motivierter als ich. Er drängt, ich blockiere. Ich fühle mich grad einsam, er will sich zurückziehen, noch weiter. Und so versuche ich wenigstens, ihn halbwegs ruhig zu halten. Er muß, ehe er in die große weite Welt aufbricht, eine ganze Menge klären und reaktivieren. Frank muß zum Beispiel auch seine eigene Sprache wiederfinden (ich weiß, er hat sie, aber der Umgang damit fällt ihm noch schwer).

 

Lange Rede, kurzer Sinn:

Weder Der Emil noch ich wissen heute, ob es hier ab sofort wirklich täglich weitergeht. Macht euch also bitte keine Sorgen; wir schreiben beide weiter, auf Papier ganz sicher, im Computer auch mit Sicherheit, in Blogs auch. Aber in welcher Frequenz, in welcher Qualität wer was weiterhin veröffentlicht, das wissen grad weder Frank noch ich. Nur eines ist noch sicherer: Es wird nichts gelöscht, es bleibt alles zugänglich.

 

War das jetzt verwirrend für euch? Tja, für uns ist es das auch. Und: das ist kein verspäteter Aprilscherz.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 1. April 2015 war das Durcheinander.
 
Tageskarte 2015-04-02: I – Der Magier. Eine absolut positive Karte. Fest aufrecht stehend zeigt er, daß er sich seinen Aufgaben stellt und zuversichtlich ist. Mit der erhobenen Hand bezieht er Kraft “von oben” und entfaltet sie da, wo er steht. Die Unbegrenztheit dieser Kraft wird durch die Lemniskate über seinem Kopf symbolisiert.

© 2015 – Der Emil/Frank Manthey. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Die Schatten der Veränderung (92/273)

  1. Arabella sagt:

    Alles Gute

  2. Wolfhilta sagt:

    Weiterhin alles liebe für dich…

  3. S. Meerbothe sagt:

    Danke, für’s Bescheidsagen, weil Du Dir Gedanken machst, weil wir uns sorgen könnten. So sehe ich, Du kümmerst Dich um Dich und das ist gut. Vielleicht war es Zeit das Thema endlich anzugehen. Ein Retreat kann da nicht schaden. Sende ab und an mal ein „Ping“, damit wir wissen, wie es steht. Denn so, wie Du Dich um uns kümmerst, kümmern wir uns um Dich.

    Alles Liebe, Du wirst es hin kriegen.

    Deine Silvia Meerbothe

  4. Sofasophia sagt:

    Danke für deine Offenheit!
    Mich verwirrt das nicht – ich ahne, verstehe irgendwie.
    Ich mail dir die Tage mal.

  5. Elvira sagt:

    Mir stockt der Atem, wenn ich an diesen Kampf denke. Ihr braucht beide viel Kraft. Aber wahrscheinlich geht es auch gar nicht darum, wer als Sieger aus dem Ring geht. Ihr müsst einen Konsens finden, eine gemeinsame Sprache. Ihr müsst euch zulassen, die Schwäche des einen zur Stärke des anderen machen.
    Ich denk an euch!
    Liebe Grüße,
    Elvira

  6. Bruder Indiana sagt:

    Vom Zwang befreit – nutze das Leben

  7. Gabi sagt:

    Manchmal gehen mir Deine Texte so nah, dass ich dann keine Worte finde.
    Ich sehe es aber erstmals als positiv, weil ich gesehen habe, dass Du weiterhin täglich gepostet hast.

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