Traditionell erzgebirgisch (Nº 296)

Für Vegetarier nicht empfohlen

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Gestern abend roch es bei mir zuhause wie es vor 40 Jahren in der Küche meiner Eltern roch. Nein, es roch dort nicht immer so, aber manchmal. Gestern habe ich mir etwas “gemacht”, was für mich ganz eindeutig mit dem Erzgebirge verbunden und ganz typisch für das Erzgebirge um Annaberg-Buchholz, Schwarzenberg, Johanngeorgenstadt, Schneeberg, Oberwiesenthal herum ist.

    Dazu braucht es nicht viel außer:

  • viel Ausdauer
  • ein richtig scharfes Messer
  • einen Topf
  • eine gute Nase, die einiges aushält
  • eine Kochstelle
  • einen Löffel
  • Gefäße für das Fertige und
  • viel Speck (1200 g).

Dann geht es los. Etwas mehr als 1 kg Speck wird mit einem scharfen Messer in kleine Würfel geschnitten. Die Würfel kommen in den Topf. Der Topf muß auf den “anenen” Herd. Ich muß daneben stehenbleiben, denn zunächst werden aus den weißen Speckwürfeln glasige Speckwürfel. Und immer fleißig rühren. Dann werden aus den glasigen Speckwürfeln wieder weiße. Und immer schön rühren. Dann werden die Speckwürfelchen – manchmal unter einer recht undurchschaubaren Schaumschicht – zu kleinen braunen Speckwürfeln. Und immer fleißig rühren! Wenn aus den braunen Speckwürfelchen schwarze Speckwürfelchen geworden sind, dann ist alles zu spät und der Topf mit Inhalt kann entsorgt werden.

 

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So wird es gemacht. Speckfett.

 

Soweit ließ ich es aber nicht kommen. Kurz nach dem Beginn der Bräunens – Rühren nicht vergessen! – ist dann der Schaum wieder verschwunden. Und nach einer Weile beginnt das flüssige Speckfett, in dem die “Grumbele” (svw. Krümelchen, Grieben) langsam nach unten sinken, leicht zu rauchen. Jetzt das Rühren nicht vergessen und knapp den idealen Bräunungsgrad abwarten. Aber Vorsicht! Auch vom Feuer genommen gart und bräunt das Speckfett noch etwas nach!

Ja, und dann füllte ich zwei Gefäße: eines nur mit dem flüssigen Fett und in das zweite kommen im Verhältnis 1:1 die “Grumbele” und flüssiges Fett. Auf frischem Schwarzbrot zu frischem Bohnenkaffee ist Speckfett echt lecker. Allerdings mag ich es nur pur, während andere es mit Äpfeln, Zwiebeln und verschiedenen Gewürzen “verfeinern”. Nein, das mag ich dann nicht.

Das erzgebirgische Nationalgericht “Spackfettbemm”, das mag ich noch immer. Hach, wie das hier riecht …

 

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 22. Oktober 2013 waren ein netter Nachmittag im Radio und das fertige Speckfett.

© 2013 – Der Emil. Text & Bilder (nicht das Video!) stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Traditionell erzgebirgisch (Nº 296)

  1. irgendlink sagt:

    Mhmm, also so ähnlich wie Griebenschmalz? Der anene Herd erinnert mich an das abbe Bein in einem Monty Python Film.
    Lass Dirs schmecken.

  2. Gudrun sagt:

    Oh ja, Fettbemmchen gab es bei uns im Altenburgschen auch, zu Hause bei Muttern und an der Penne im Internat. Schön, wie du das beschreibst. Da würde ich auch mal das Rühren übernehmen.

  3. nextkabinett sagt:

    Hat dies auf Germanys next Kabinettsküche rebloggt und kommentierte:
    Sozusagen ‚Herbstfett für den Winterspeck‘

    Och ja! Das machen wir bei uns auf dem Land auch so, mit frisch geschlachtetem Fett. Das mit den Grieben geht hier auch so und ich mag die verfeinerten Varianten lieber. Frischer, starker schwarzer Kaffee muss sein und salzen nicht vergessen. Es gibt die verfeinerten Varianten auch als vegane Brotaufstriche. Die schmecken auch sehr sehr gut.
     

    • Der Emil sagt:

      Aber die Erzgebirger haben Lieder dazu! 😉 Und es muß aus ordentlich geräuchertem Speck sein.

      Speckfett als veganer Aufstrich?

      (Du warst aber wieder schnell …)

      • nextkabinett sagt:

        Stimmt, die Erzgebirger singen sich was dazu. Eine Ode an das Wurstfettbrot.

        Ja, z.B. die von iBi‘, auf Sonnenblumenölbasis mit Äpfel und Zwiebeln drin. Schmeckt wirklich gut. Aber halt teuer: ein 180 g – Glas kostet 3,30 €. Oder auf dieser Seite, diese Marken kenne ich aber nicht, weiß deshalb nicht, wie sie schmecken … http://www.vegan-wonderland.de/Lebensmittel/Aufstriche/Schmalz/

        PS.: Das heute-schnellsein war wirklich nur Zufall …

        • Der Emil sagt:

          Ach so. Sonnenblumen. Ja.

          Schmalz gabs ja dann auch noch, meist aus Gänsefett. Meine Großeltern machten sowas in Notzeiten auch noch aus Dachs (richtig gelesen).

          • nextkabinett sagt:

            Aus Dachs? Das beschreibe doch bitte … Dachsfallen? Gänseschmalz, damit wurde viel gekocht und gebacken, meiner Erinnerung nach.

            • Der Emil sagt:

              Ich kenns nur aus Erzählunbgen. Ja, Dachsfallen (illegal) … In den schlimmen Notzeiten zwischen den Kriegen, im zweiten und nach dem zweiten Krieg. Muß ziemlich böse gemüffelt haben.

              • nextkabinett sagt:

                Danke. Ja, das köchelt man am besten im Freien … Outdoorküchen sind ja wieder modern geworden … auf den Terrassen lassen sich die, die es sich leisten können, eine Küchenzeile hinstellen. Darüber wollte ich doch auch mal was schreiben. Ist leider untergegangen. Ist bestimmt nicht ganz billig, Strom- und Wasseranschluss und alles noch witterungsbeständig und wetterfest … Man kann das Dachsfett ja auch über einer Propangasflasche köcheln … Nächstes Jahr kümmere ich mich darum …

  4. dieSommers sagt:

    Mein veganes Herz erfreut sich am Gefühl von Heimeligkeit…
    Viele Grüße

  5. Sofasophia sagt:

    so ähnlich gehts bei mir zu, wenn ich aus etwa einem kilo butter das aus der ajurvedischen küche stammende ghee gewinne. da wird dann „der dreck“ aus dem butter geholt und das gelbe gold extrahiert. wie das dann duftet! das flüssige gold wird in gläser gefüllt und zum braten gebraucht.

    mjam … auch auf heissem toast mit honig göttlich! 🙂

  6. wildganss sagt:

    Keine vegane oder vegetarische Missionarische rümpft nicht ihre zarte Knollennase, nein, die wird ganz lang vor lauter beseligtem Geschnupper…

  7. castagir sagt:

    Das jetzt im Verhältnis 1 zu 1 gemischt mit dem ausgebratenen Fett, und den Resten eines vorweihnachtlichen Gänsebratenmassakers, und das sind die leckersten 3 Millionen Kalorien die es für mich gibt.

  8. Frau Momo sagt:

    Ich hab früher immer Schmalz aus Flomen gemacht. Ich mag es auch am liebsten ohne Äpfel

  9. Anna-Lena sagt:

    Hmmm, Schmalz und frisches Brot dazu – ein Genuss 🙂 .

  10. Ach, was lecker .. !! Phantastisch …

  11. Pingback: Kochen im Freien (❥ 130) | Germanys next Kabinettsküche

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