Alles ändert sich (Nº 004)

Und es bleibt doch, wie es immer war

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Leben wie im Privatfernsehen: In der ständigen Wiederholung. Im ewigen Reproduzieren exakt eingeübter Rituale. Aufstehen, Kaffeemaschine einschalten, der Gang ins Bad. Immer erst den linken und danach den rechten Socken anziehen, immer. Selbst der Zahnpasta- und Toilettenpapiermarke bleibt Mensch so lang als irgend möglich treu.

Nur selten wird das täglich sich wiederholende (Alltags-) Muster von Besonderem durchbrochen. Da ist die Frau, mit der ich gern frühstücke und nie unversöhnt einschlafen möchte. Da ist besonderer Tee in der Extra-Dose, für den das japanische Teeservice existiert. Das sind wieder Rituale, die Wiederholungen der Besonderheiten, die in ihrer Wiederholung zur Gewohnheit werden können.

Auch in der Ausnahme schleicht sich nach kurzer Zeit – nein, keine Routine, sondern eine ungeahnte und ungeplante Vertrautheit ein, die mich heftig überrascht. Jedesmal wieder. Und jedesmal wieder bin ich enttäuscht, wenn das Unbegreifliche zu abrufbarem Programm wird.

Gewohnheiten ändern, gar: nicht erst zulassen? Anerzogenes ablegen wie meinen aus der Mode gekommenen und kratzig gewordenen Strickpullunder. Antrainiertes Verhalten bewußt, ganz bewußt verändern.

Mein eigenes Leben kann ziemlich aus der Bahn geraten, wenn ich den Verlockungen nachgehe. Aber dadurch wird es auch interessant.

Was wird geschehen, wenn ich Dinge so erledige, als würde ich sie zum ersten Mal tun oder als wären sie die Erfüllung eines großen, langgehegten Wunsches?

Alles wird sich ändern. Und doch bleibt es, wie es ist. Dieses verdammt unsichere, verdammt lebenswerte Leben.

 

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 3. Januar 2013 waren ein erledigter Gang zum Jobcenter, der Besuch in der neuen Praxis meines Hausaztes und ein Supersonderangebot an Naschwerk.

© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Alles ändert sich (Nº 004)

  1. irgendlink sagt:

    Du hast mich überzeugt: Die Socken!

  2. Frau Momo sagt:

    Ich bin ein Mensch, der zumindest eine gewisse Struktur braucht und von daher sind manche alltäglichen Rituale für mich ein gutes Gerüst. Aufstehen, Duschen, zur Arbeit gehen. Aber manchmal wünschte ich mir schon auch mehr Freiräume für die Ausreisser aus der Routine. Übrigens beim Klopapier bin ich flexibel, bei meiner Solezahncreme nicht 🙂

    • Der Emil sagt:

      Wer nicht nur zuhause kacken geht, muß beim Klopapier wohl flexibler sein als bei der Zahncreme 😉

      Und ja, Rituale geben auch ein Gerüst, eine Tagesstruktur – das ist bei mir nicht anders.

  3. Inch sagt:

    Huch, da bin ich ja froh, nicht dem Privatfernsehen entsprungen zu sein. Toilettenpapier? Ich wüsste gar keine Marke, geschweige denn, dass ich der treu bleibe. Zahnpasta? Genau dasselbe. Steh jedesmal in der Drogerie und überlege und lese, was ich denn diesmal nehmen könnte.
    Socken? Könnte sein. Nicht mal das Aufstehritual inkl. Frühstück und Morgentoilette ist immer dasselbe. Ist es dann noch ein Ritual? Trotzdem. Aufstehen mit allem Drum und Dran. Arbeiten. Das ist ja schon ein Rhythmus. Und wenn ich direkt nach Arbeit nach Hause komme, dann muss eine Tasse Kaffee her und die 15 min Schlaf auf der Couch, bevor ich den restlichen Kaffee austrinke. 😀

  4. Ich habe Wochentags und Wochenendrituale. Wochentags Bad, Kaffee, PC, Arbeit. Wochenende: Kaffee, PC, Bad.
    Toilettenpapier wechselt auf Arbeit ständig. Zu Hause habe ich versucht zu wechseln, da hat Sohn4 anfälle bekommen 🙂 Zahnpasta ist uns aber egal. Ansonsten immer den linken Socken zuerst und den BH vorm Slip.
    LG Gabi

    • Der Emil sagt:

      Aua – jetzt tut mir der Bauch weh vom Lachen 😉 Bei mir kommt das Kopftuch zB auch immer vor dem T-Shirt. Klopapier geht zuhause wirklich nur die eine Sorte, und bei Zahnpaste ist es zumindest immer eine Marke, aber mit unterschiedlichen Varianten. Seit drei Jahren kaufe ich auch nur noch eine einzige Sorte Kaffee …

      Ist schon ein seltsames Ding mit den Ritualen: Manchmal sind sie hilfreich, manchmal nerven sie mich. Und immer dann, wenn sie zu selbstverständlich werden, möchte ich meine in diesem Jahr hinterfragen, vielleicht sogar umgestalten.

      • Nachdem ich hier gelesen habe, ist mir erst aufgefallen, was ich so für Rituale habe. Das ist mir nie so wirklich bewusst geworden. Ich werde mal mehr darauf achten und gucken wo ich was ändern kann. –und will–.

        • Der Emil sagt:

          Erstaunlich, wie viele das sind, nicht wahr? Und ich habe (immernoch) einige unsinnige, an denen ich mich einst festklammerte, um ja nicht aus der Depression aufzuwachen … Wozu nutze ich die heute? ich weiß es nicht!

  5. Frau Blau sagt:

    mir ist am liebsten das Ritual: aufstehen, Kaffee oder grünen Tee kochen (je nach Gusto) und mit diesem Getränk dann wieder zurück ins Bett, noch ein bisschen lesen, schreiben oder einfach nur aus dem Fenster schauen und den davonwehenden Träumen hinterher winken …

    schönes Thema, lieber Emil, und ich merke wieder einmal wie wenig rhythmisch mein Leben ist … es schon immer war, deswegen gibt es auch manchmal diese Sehnsucht nach mehr Takt …

    herzlichst Ulli

    • Der Emil sagt:

      „den davonwehenden Träumen hinterher winken“ – schön poetisch ist das.

      Mir ist manchmal zuviel (fremdbestimmter) Takt in meinem Leben.

      • Frau Blau sagt:

        oh ja, das verstehe ich nur zu gut … ich bin grad ziemlich glücklich mit meinem Minijob, der mir jetzt besonders viiiiel freie Zeit beschert 🙂 da habe ich wirklich Schwein gehabt!

  6. Gabi sagt:

    Stimmt. Auch ich merke jetzt, wieviele Rituale oder „Abläufe“ ich auch habe. Und um so älter ich werde, umso wichtiger und „starrer“ werden sie. Als junger Mensch war ich in dieser Hinsicht sicher flexibler. Heute komme ich mit Veränderungen nur schwer zurecht. Für mich denk ich mir, dass mir diese Rituale eine gewisse Sicherheit geben.
    Und mir geht es wie Dir. Ich habe auch einige unsinnige, die ich nur sehr schwer wegbekomme, bzw. auch gar nicht.
    lg Gabi

    • Der Emil sagt:

      Nun weiß ich zwar, daß ich einige unsinnige Rituale (Angewohnheiten?) habe, aber ich kann sie trotzdem nicht ablegen/aufgeben. Dabei machen sie mich unsicher, wenn ich bemerke, daß ich sie immernoch ausübe.

  7. Rituale

    R uhig und
    I ntuitiv
    T aten setzen.
    U msichtig denken und
    A lle Kräfte zentrieren.
    L iebevoll und achtsam handeln
    E infach Kraft schöpfen aus den Ritualen.

    Mit Herz & Segen!
    M.M.

  8. Amelie sagt:

    Hui, das ist alles sehr interessant zu lesen.
    Ich habe auf jeden Fall auch Wochentagsrituale und Wochenendrituale. Das muss einfach sein.
    Klopapier kaufe ich mal hier und mal da, aber vierlagig gönne ich mir immer. Zahnpasta seit mehreren Jahren eine Sorte. Wobei ein Wechsel unter Umständen denkbar wäre. Absolut undenkbar ist ein Wechsel bei meinem Lieblingstee. Seit über 15 Jahren kaufe ich ihn beim Teehändler meines uneingeschränkten Vertrauens. Und so soll es auch bleiben.
    Ansonsten Slip vorm BH ;o)
    Amelie

    • Der Emil sagt:

      Da ist ja der Unterschied zwischen Gewohnheiten / Gewöhnung (Markentreue) und Ritual. Wenn ein besonderes Ritual zur Gewohnheit wird: das finde ich traurig.

      Übrigens: Ich ziehe nie einen BH an, ehe ich in meine Boxershorts steige 😉

  9. Bei mir gibts natürlich auch Routine, mir macht das nichts ich liebe sie 😉

    Routine ist Alltag und den zu verlieren ist auch schlimm. denn meistens hat sich dann etwas drastisch im eigenen Leben verändert… freiwillig verzichte ich nicht auf meine Routinen ^^ nur wenn mich das Leben dazu zwingt .

    Ich finde das viel schlimmer das es Menschen gibt, die überhaupt nicht damit klar kommen, wenn sich etwas an ihrem Tagesablauf verändert. Das kann sehr belastend sein … für den jenigen selber, aber auch für sein ganzes Umfeld.

    LG und einen schönen Freitag !

    • Der Emil sagt:

      So einer bin ich: An meinem Tagesablauf hat sich nicht viel geändert, nur muß ich jetzt um halb fünf in der Früh aufstehen und spätestens um zehn ins Bett (es wird meist noch später) – mein normaler Tag beginnt um zehn und endet um drei. Und obwohl ich das seit Anfang September so habe und mittlerweile ohne Wecker halb fünf wach bin: Das ist nicht mein Tagesablauf. Das ist kein Leben für mich. Das ist wie seit Anfang September schon Jet-Lag haben (ich weiß zwar nicht, wie der ist, stell ihn mir aber so vor).

  10. ja, wg. hab ich auch das Thema aktualisiert.

    Ich wünsch dir ein gutes Neues, lieber Emil.

    claus

  11. minibares sagt:

    Es ist wahr, ich muss sogar vom Arzt aus gleichmäßig leben.
    Ich ziehe als erstes den Slip an, dann erst den BH. Die Socken erst erheblich später, manchmal, wenn ich die Jeans schon anhabe, manchmal, bevor ich die Jeans anziehe.

  12. Sofasophia sagt:

    so ganz alle kommentare habe ich nicht gelesen, aber was wir da alle über uns ausplaudern ist schon witzig. ich mag rituale und merke manchmal erst, wenn mal was anders ist, dass eben was anders ist.

    hast du den satz “ Alles wird sich ändern. Und doch bleibt es, wie es ist“ aus „Johnny“ zitiert oder ist das zufall?

    ein schöner text übrigens. und ja, beides, das immer-wieder-andere und das ritual haben ihre berechtigung. ohne strukturen wäre das leben wohl unerträglich hektisch und reizüberflutend.

    herzlich, soso

    • Der Emil sagt:

      Ich hab nicht zitiert. „Johnny“ – ich weiß grad nichtmal, was das ist.

      Findest Du „meine Ausfragetechnik“ nicht subtil genug? Nein, ganz ehrlich; ich war über die Ehrlichkeit auch erstaunt.

      Und vielen Dank fürs Lob.

      • Sofasophia sagt:

        johnny – die cd, die dir jürgen gebrannt hat. johnny ist das titellied. fällt mir jetzt aber grad nicht ein, in welchem song der satz steht: „alles wird angersch, oder es bliibt wies isch gsi“.

        die cd, die ich dir gebrannt habe, ist vom live konzert „johnny“. (haben wir vergessen, was auf die platten zu schreiben? *shameonus*)

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