Die Kunst des Nicht-Findens
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Was sucht wohl jeder Mensch mindestens einmal im Leben? Seinen Hausschlüssel? Die Ruhe? Einen Parkplatz? Eine Lebensabschnittsbegleitung? Seinen Platz in dieser Welt? Die große Liebe?
Das Glück?!
Es heißt doch bestimmt nicht umsonst, daß das Glück vor den Füßen herumliegt und man ganz sicher dann darüber stolpert, wenn man am wenigsten darauf gefaßt ist?
Aber zum Stolpern ist etwas ganz Bestimmtes nötig, wesentlich, grundlegende Voraussetzung. Der Mensch muß sich bewegen. Wer immer nur still an einunddemselben Fleck verharrt, kann nicht stolpern – wenigstens auf der Stelle treten (wobei sich der Körper ja doch bewegt) muß man, um aus dem Gleichgewicht kommen zu können.
Nun glaube ich bzw. weiß ich aus meiner eigenen Erfahrung, daß für das Finden von Orten und (materiellen) Dingen körperliche Bewegung notwendig ist (Parkplatz, Hausschlüssel), zumindest die Bewegung der Augen oder des Kopfes. Für alles andere, für die immateriellen, emotionalen, ideellen usw. Sachen braucht es geistige Bewegung, also Denken!
Damit bin ich plötzlich schon bei der Kunst des Nicht-Findens. Wer nicht finden will, muß nur genügend körperliches Beharrungsvermögen besitzen, darf sich nicht bewegen, nichteinmal mit den Augen rollen – denn schon dabei könnte einem ja etwas “ins Auge fallen”.
Ebenso im Geist: Bewegungsunfähigkeit, Dogmatismus, Vorurteile, sogenannte “feste (Klassen-)Standpunkte”, Selbstbetrug, fehlendes Selbstwertgefühl sind ideale Voraussetzungen für erfolgreiches Nicht-Finden.
Dann nämlich rühre ich mich selbst dann nicht, wenn ich von Etwas oder Jemandem gefunden werde, ich bleibe, was und wo ich bin. Ausnahme: Der ICE, der mich bei geschlossener Schranke mitten auf dem Gleis trifft, setzt mich in Bewegung und macht auch etwas anderes aus mir; und doch werde ich dabei nichts gefunden haben und danach wahrscheinlich nie wieder etwas finden.
Wie ich auf die Idee zu diesem Text kam, wollt ihr wissen? Manchmal, manchmal denke auch ich im Gehen besser – oder ich lasse mich, wie meist beim Schreiben von Texten, von Bus und Straßenbahn durch die Gegend kutschieren. Mir hilft’s. Irgendwo sah ich diesmal die Jahreslosung. Dabei kam der Nicht-Finden-Kunst-Text heraus.
Nicht weglassen möchte ich zum Schluß:
Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
(Hebr. 13,14)
Das ist die Jahreslosung 2013, die über der täglichen Bibellese in diesem Jahr steht. Ich wollte nicht auf die spirituelle oder religiöse Dimension des Suchens und Findens eingehen, sondern bei der Kunst des Nicht-Findens bleiben. Und einfach nur zeigen, daß das Thema 2013 vielleicht eine größere Rolle spielen wird.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 2. Januar 2013 war, daß ich tatsächlich nach langer Zeit einmal Wissen (über Word) weitergeben konnte. Und vielen, vielen Dank für die vielen positiven Rückmeldungen zu meiner täglichen Schreiberei.
© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
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Guten Morgen Emil,
du hast mir wieder sehr aus dem Herzen geschrieben ….
Danke für den Link zur Tageslosung!
Mit Herz & Segen!
M.M.
Ein wunderbarer Text! Hausschlüssel suche ich sozusagen permanten, genauso wie eine meiner zahlreichen Brillen 🙂 Glück suche ich nicht, es kommt, wenn man offen und beweglich ist und wenn man es reinlässt und die Wahrnehmung dafür überhaupt auf Empfang hat.
Das war es ja, was mich so … so forderte, anstachelte, ja inspirierte: Glück setzt Bewegung, Beweglichkeit voraus. Durchaus überraschend für mich, das mal so deutlich sagen zu wollen 😉
Ick bin ja Heide, aber in der Bibel steht vieles, worüber wir nachdenken können / sollten. Gute Gedanken, finde ich 🙂
mein Schwerpunkt hat sich verschoben, ich finde lieber, als dass ich suche-
du hast natürlich Recht, ohne Bewegung geht nix
hab einen feinen Tag
herzliche Grüße Ulli aus dem Winterland
Dann ist meine Faulheit noch größer: ich lassen mich am liebsten finden … Aber auch da muß ich mich bewegen 😉
Deine Gedanken zu diesem Thema gefallen mir.
Und Du hast recht. Bewegung ist wichtig um etwas zu finden. Körperlich sowie geistig.
Und „Starrhalsigkei“ sowie festgefahrene Denkweisen und Vorurteile empfinde ich als etwas ganz Schlimmes.
lg Gabi
Ein feiner Text, lieber Emil! Und es geht uns ganz ähnlich: in der Bewegung, bei einem schönen Spaziergang, alleine, zu zweit oder mit Hund, kommen und gehen die Gedanken einfach noch besser, und wenn man Glück hat, bleiben sie auch eine Weile.
Alles Gute für Dich beim Suchen, Finden und Gefundenwerden,
LG dm und mb
manchmal macht Bewegung aber auch Angst und deswegen fürchtet man sich davor…. manchmal will man einfach nur Stillstand, denn sich zu bewegen heisst auch das sich etwas verändern wird…
und manchmal will man das nicht bzw. kann man das nicht aushalten….
GLG TB
Ja, das kann ich mir gut vorstellen.