Reimspielerei (#297)

Gereimte Zeilen. Sinnfrei?

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Ich wollt‘ kein Goethe sein, kein van Beethoven,
auch kein Tucholsky und kein Liszt.
Ich konnt‘ das “Soll” auch nicht mit Müh‘ erreichen,
gab mich zufrieden mit dem “Ist”.

Das Träumen hatte ich schon längst gelassen.
Das Habenwollen war vorbei.
Des Lebens Herbst, schien mir, wurde zum Winter.
Doch jetzt blüht mir ein neuer Mai.

Frag ich’s Orakel, ob das Blatt sich wendet:
Da liegt der Narr neben dem Tod. 
Das Ganze nocheinmal? Und immer wieder?
Die Welt färbt sich mir rosarot …

 

 

Drei Zeilen davon hatte ich mir am Freitag notiert, übers Wochenende kamen einzelne Wortspiele dazu. So recht wußte ich nicht, was ich damit anfangen sollte – bis mir die Idee kam, es zu reimen. Vielleicht ergibt sich ja für den Betrachter ein tieferer Sinn?

Ursprünglich sollte die Überschrift allerdings auch Fünfzig. Gereimte Zeilen. sein – als fiktives Lebensfazit und als Anspielung auf mein im nächsten Jahr beinahe biblisch zu nennendes Alter 😉

Schade, daß solches Zusammenpfriemeln∗∗ nicht mit all den angefangenen, manchmal mitten in einem Satz abgebrochenen Prosastücken funktioniert. (Oder sollte ich auch das einmal versuchen?)

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 22. Oktober 2012 war der herrliche Nebel, der über der Stadt lag.

 Narr, Tod: die Karten Der Narr (“0”)und Der Tod (“XIII”) des Tarot, eines zur Divination / Zukunftschau verwendeten Kartendecks.
 
∗∗ pfriemeln: geduldig (mit den Händen) an etwas arbeiten; hantieren; basteln; pulen; herumprobieren

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Reimspielerei (#297)

  1. Mir gefällt das Gedicht. Und das „biblische“ Alter habe ich schon längst überschritten 🙂 Es lebt sich gut damit. Hab einen schönen Tag. LG Gabi

  2. Herbstbaum sagt:

    Jeder vom Author gesetzte Satz macht Sinn und hat seine Berechtigung.
    Ich empfinde die 2. und 3. Strophe zusammengefasst als Gedicht.
    Liebe Grüsse – Uta

    • Der Emil sagt:

      Dankesehr. (Zeilen 1, 2 und 4 der ersten Strophe waren das „Ausgangsmaterial“, welches durch „Narr neben Tod“, „Das Habenwollen war vorbei“ ergänzt wurde. Der Rest fand sich dazu.)

  3. Frau Blau sagt:

    aber ja, lieber Emil, versuch es… es ist so vieles möglich, wir müssen es nur tun!
    viel Freude beim ausprobieren… dir und uns 😉
    herzlich grüßt dich Frau Blau

    • Der Emil sagt:

      Ich werde es testen, versprochen. (Einstweilen bastel ich mir in einem Tabellenkalkulationsblatt die Formeln, mit denen ich die Texte mischen kann 😉 )

  4. sternchen21 sagt:

    ich finde das gedicht sehr gut. irgendwie wiederholt sich doch alles immer wieder und manchmal fragt man sich: macht das einen sinn? warum nochmal? immer so weiter? immer das selbe?
    zum beispiel wenn man immer wieder vor herausforderungen steht und das sein ganzes leben. man will sie nicht wie goethe unglaublich gut meistern sondern es einfach nur schaffen. und hat man eine überwunden kommt die nächste.
    ich glaube dein gedicht macht sinn:D
    ….jetzt kommt mir die frage auf ob alles was man zusammenwürfelt sinn machen kann…?:D:D
    liebe grüße und weiter so;-)

    • Der Emil sagt:

      Ob alles, was man zusammenwürfelt, Sinn machen kann:

      In der Küche ja (siehe Eintopf, Soljanka und Resteverwertung). Beim Brennholz ja. Bei Gereimtem ja. Selbst bei Alkoholika ja (berüchtigte studentische „Bring-a-Bottle-Party!, alles wird in eine Babybadewanne zusammengeschüttet).

      Aber sonst? Wir wedern probieren müssen …

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