Ich bin wieder zuhaus (#265)

Ein “kurzer” Bericht

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So. Da bin ich wieder. Zuhause seit etwa 12.00 Uhr, an meinem geliebten Linux-Maschinchen, auf dem Fußboden vorm Schreibtisch. Jaja, ich sitz immer auf dem Boden, hier zuhause, wenn ich am PC herumtüddele oder wenn ich am PC arbeite. (Wußtet ihr schon, daß ich das Schreiben zur Arbeit zähle?) Und ich darf “im Bad” wieder rauchen.

Also ein Bericht. Hypertensive Krise bei arterieller Hypertonie WHO-Grad III (diastolisch lag über 110) bei Cor hypertonicum (bluthochdruckgeschädigtes Herz) lautet die Diagnose auf den Entlassungspapieren.

Am Mittwoch wartete ich bis gegen 14 Uhr, immernoch “nüchtern”, d.h. ohne gegessen oder getrunken zu haben. Dann ging es zum Herzkatheter. “Die Unterhose müssen Sie aber ausziehen” meinte eine der Schwestern. Nein, mußte ich nicht, denn ich habe ausdrücklich auf Katheter durch die Arteria Radialis bestanden. Ich zieh meine Unterhose doch nicht ohne Vollnarkose aus (und das hat Gründe). Also war auch das geklärt, und ich wurde in meinem Bett, angetan mit dem berühmten AF-Hemd und meiner Boxershort ins Schlachthaus in das Herzkatheterlabor gebracht.

Das Team dort sorgte gut für mich, lenkte mich gut ab. Der Arzt erwähnte etwas von “jetzt wirds bißchen heiß” und im rechten Arm explodierten Wunderkerzen. Als ob der Arm innerhalb von Sekunden aus größter Kälte wieder aufgewärmt wird (erzgebirgisch hieß das “niegeln” oder “nägeln”) oder ein eingeschlafenes Bein in einer halben Sekunde das Aufwachkribbeln durchläuft. Schon war der Katheter auf dem Weg zum Herzen (und bis zum Ellenbogen spürte ich ihn auch).

Dann sollte es nocheinmal “heiß im Kopf” werden. Ja, dasselbe Gefühl wie im Arm wiederholte sich vom Brustbein aufwärts bis Kinn und Ohren. Allerdings trat es noch heftiger in der südlichen Region meines Körpers auf (und das war wirklich unangenehm im Genitalbereich). Und dann, dann sah ich auf dem Monitor mein eigenes Herz, in dem ein Fremder mit einem Draht herumstocherte … Eine völlig absurde, skurrile Situation.

Tja, nach etwa zehn oder fünfzehn Minuten war der “Spuk” vorbei. Kein Verschluß, keine wesentliche, akute Verengung der Herzkranzgefäße. Schlimmste Folge des Katheters war ein sehr unangenehmer Druckverband aus Plaste und Luft auf der Stelle, an der sonst der Puls gemessen wird, direkt am rechten Handgelenk. Unangenehm, aber erträglich; vor allem, wenn ich mir ein gleichwertiges Gefühl in der Leiste vorstelle.

Nachmittags, nach drei Flaschen Mineralwasser, als meine allerallerallerbeste Freundin zu Besuch kam, weigerte ich mich dann, liegen- oder auf der Station zu bleiben – ich mußte “eine rauchen”. Zur Tarnung waren wir auch in der sehenswerten Krankenhauskapelle. Bei unserer Rückkehr stand mein erstes Essen des Tages auf dem Nachtschrank bereit: Zwei kleine Scheiben Brot, eine Scheibe Käse, eine Scheibe Wurst, Möhrensalat. Vier Bissen und sechs Teelöffelchen – ein Witz.

Weil ich ziemlich gnatzig war – ich benähme mich wie ein kleines trotziges Kind – wusch mir meine allerallerallerbeste Freundin Sabine ziemlich heftig den Kopf (jaja, jedes trotzige Kind hat eine sorgende Mutti! 😉 Oder etwa nicht?) während ihres Besuches. Als sie gegangen war, wurde der Druckverband ein wenig gelockert. Um Mitternacht – ich lag noch lesend wach, wartete wohl auch auf die Erleichterung – wurde er ganz entfernt.

Donnerstag wurde ich kurz vor acht wach – als Patient wird man nicht mehr früh um halb sechs geweckt (“Werner Beinhart” läßt grüßen) mit Fiebermessen und Bettenmachen. Kaum hatte ich meine Morgentoilette erledigt, ging es auch schon zu Sonographie, zum Herzultraschall. Beim Betrachten des erzeugten Bildes mußte ich so heftig lachen, daß die Untersuchung für eine Minute etwa unterbrochen wurde: Die Herzklappen bewegten sich wie ein im Wasser strampelnder Frosch. Schade, daß ich trotz Bettelns kein Video davon auf meinen USB-Stick gespielt bekam.

Aber auch dort waren am Herzen keine Auffälligkeiten feststellbar. Die Leistung ist gut, die Klappen werden alle als “zart”, mit guter Mobilität beschrieben. Allerdings hielt der Arzt den Ultraschallkopf kurz an eine andere Stelle, machte eine Aufnahme und konnte mir mitteilen, daß ich einen erbsgroßen Gallenstein habe. Um den muß sich aktuell keiner kümmern; wenn allerdings einmal Beschwerden auftreten sollten, soll ich an das Steinchen denken.

Hernach war Frühstück angesagt, mit Kaffee, richtigem Kaffe (leidliche Qualität). Und ich sollte eine Thrombosespritze bekommen, was ich aber zuerst mit dem Arzt besprechen wollte. Nun, Thrombosespritzen sind Standardrepertoire nach operativen Eingriffen bei Liegendpatienten – und ich war keiner (Zugang per Handgelenk, nicht Leiste)! Irrtum vom Arzt, mit einer Enschuldigung seinerseits wurde die Verordnung zurückgezogen. Ach ja, beim Hinausgehen sagte er mir noch, daß ich dann bald meinen Arztbrief erhalten würde und somit entlassen sei.

Von 9.45 Uhr bis 11.30 Uhr wartete ich noch – und dann war ich auch schon raus aus dem Krankenhaus.

Am Nachmittag war ich bei der Vertretung meines Hausarztes, wollte wenigstens bis zu dessen Urlaubsende krankgeschrieben werden. Der Arzt füllte die Rezepte aus, aber eine Krankschreibung bis Dienstag sei nicht möglich. Dann müsse ich eben zu meiner Maßnahme vom Jobcenter gehen (und ich erklärte ihm kurz den Maßnahmeinhalt). Trotzdem sei wirklich keine Krankschreibung bis Dienstag möglich, sagte er nochmal, denn bei dieser Diagnose ist weniger als eine Woche nicht machbar. Puh!

Bleibt mir nur, allen, die sich in der Notaufnahme, auf den Stationen 3 D und 3 C, beim Herzkatheter, beim Ultraschall und auf den Wegen dazwischen um mich kümmerten, herzlich zu danken für ihr gezeigtes Verständnis und ihre Arbeit und Mühe. Auch all denen, die im Verborgenen wirken und besonders auch dem Wachmann, der mir am Mittwoch Abend zeigte, wo ein Internet-Terminal zu finden ist, danke ich.

So. Nun wißt ihr also Bescheid. Falls jemand mal zum Herzkatheter muß, kann ich die Methode über dier Arteria radialis nur empfehlen. Die Einschränkungen am Handgelenk sind weniger massiv als die an der Leiste (Gehschwierigkeiten u.a.).

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 20. September 2012 waren die Entlassung und der Besuch bei der Vertretung meines Hausarztes (jetzt weiß ich nämlich, daß ich auch mit dem zurechtkomme).

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Ich bin wieder zuhaus (#265)

  1. Ellen sagt:

    Mensch Emil…dem Himmel sei Dank.
    Mehr kann ich nicht dazu sagen, außer…ich freue mich, dass nichts wirklich Lebensbedrohendes gefunden wurde.
    Glückauf
    Ellen

  2. Follygirl sagt:

    Wie sagt man da? Noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen…?
    Zum Glück gute Neuigkeiten von Dir!

  3. Schön das du wieder zu Hause bist. Wichtiger noch, das nichts schlimmes gefunden wurde. Danke auch für die Aufklärung, wie so eine Untersuchung stattfindet. LG Gabi

  4. die luzie sagt:

    Danke – es wird uns bei der Entscheidung helfen, die mein Bruder schon lange hätte treffen sollen. Und du – Kopf hoch! Es gibt sooo viele Menschen, die an dich denken <3

  5. piri ulbrich sagt:

    …und? Gehst du nun zur Maßnahme?
    Wenigstens ist nichts schlimmes…

  6. syntaxia sagt:

    Dann pass noch gut auf dich auf, nicht gleich Bäume ausreißen gehen! 😉
    ..grüßt dich Monika

  7. kreadiv sagt:

    Gute Erholung wünsche ich Dir nach der ganzen Aufregung !
    Liebe Grüße, Andrea

  8. Mandy sagt:

    Emil, Emil, du machst Sachen! Bloß gut, dass dein Pumperl gut arbeitet und du auch ansonsten gut in Schuß bist. Aufatmen.

  9. nextkabinett sagt:

    Puh! Das sind doch wirklich erfreuliche Neuigkeiten. Ich bin froh, dass alles so glimpflich abgelaufen ist. Jetzt schon Dich und ruh Dich aus. Das mit dem Krankschreiben habe ich nicht verstanden. Wollte der Arzt Dich nicht krankschreiben oder verstehe ich den Satz nicht richtig: „Trotzdem sei wirklich keine Krankschreibung bis Dienstag möglich, sagte er nochmal, denn bei dieser Diagnose ist weniger als eine Woche nicht machbar.“ Bin deutlich verwirrt …

    • Der Emil sagt:

      Ach, ich saß genauso da … Wollte doch nur bis Dienstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung von der Vertretung haben. So kurz war das aber nicht möglich, mindestens eine Woche mußte er mich krankschreiben – und tat das bis nächsten Freitag … Er hatte sichtlich Spaß daran, mich etwas zu verwirren 😉

  10. christA sagt:

    Mütter sterben nie aus! – (Das zu Deiner treusorgenden Freundin.)

    Sei froh, Emil! – Und, … der Blutdruck wird sich sicherlich mit Medikamenten einstellen lassen, oder?

    • Der Emil sagt:

      Wegen des Blutdrucks bin ich doch schon seit Jahren gut mit Medikamenten versorgt. Wer weiß, vielleicht war es doch nur der Ärger, der einen solchen Ausreißer nach oben verursachte.

      Allerdings muß jetzt nocheinmal neu eingestellt, nachjustiert werden.

  11. Frau Momo sagt:

    Ich stell mir das gerade vor, wie Du da grantelnd im Krankenhausbett gelegen hast….. und erinnere mich daran, wie ich Martin 3 Wochen im Krankenhaus versorgen mußte, weil er auch mit dem Essen soooo unzufrieden war und auch über alles und jedes schimpfte, allerdings zu Recht, wie ich ihm zugestehen mußte.
    Erhol Dich erstmal ordentlich und wenn ´s Dir zu langweilig wird, guck einfach uns bei der Arbeit zu… Martin bastelt gerade unseren neuen Kleiderschrank zusammen.

  12. colorsigns sagt:

    erhole dich und gute Besserung das wünsche ich dir
    herzlichst Christin

  13. minibares sagt:

    Lieber Emil, wie schön, dass du wieder zu Hause bist.
    Aber auf was man doch alles achten muss. Das ist echt interessant. Danke, dass du alles so gut berichtet hast. So kann ich das alles mehr oder weniger nachvollziehen.
    Zum Glück habe ich noch keine Erfahrungen mit sowas. Aber es kann ja kommen…
    Erhole dich weiter von diesen Eingriffen. Denn so ganz ohne war das alles ja nicht.
    Liebe Grüße Bärbel

  14. Inch sagt:

    Zusehen, wie jemand mit einem Draht in Deinem Herz rumfuhrwerkt?? Das ist wirklich skurill

  15. Alles Liebe und gute Besserung lieber Emil 😉

  16. hi emil, das ist ja dann noch mal gut aus gegangen. Immerhin hatte ich heut einen “Primary master hard disk fail”. Allerdings am Büro-PC. oke. ich hab noch Sicherungen bis 05.09.2012. vllt ist der Rest auch noch zu retten. trotzdem alles Arbeit und hat auch seinen Preis. hm. also, erholsames Wochenende Dir. lg claus

  17. Anna-Lena sagt:

    Ich habe deinen Leidensweg erst einmal nachgelesen. Puh! Da hast du aber richtig Schwein gehabt und bist zur rechten Zeit am richtigen Ort und unter den richtigen Händen gewesen 🙂
    Pass gut auf dich auf!

    LG Anna-Lena

  18. Sofasophia sagt:

    puh, da bin ich froh, sind wir froh, dass das alles doch relativ glimpflich abgelaufen ist.
    herzliche grüsse von soso und irgendlink

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  21. Gabi sagt:

    Ich freue mich wirklich für Dich, dass es nichts Schlimmes war. Pass aber weiterhin auf dich auf.
    Danke auch für den ausführlichen Bericht. So einen Herzkatheter hatte ich als Kind (hatte einen Herzfehler, der operiert wurde). Bei mir wurde der von der Armbeuge aus gemacht. Damals war ich auch ganz begeistert, dass ich mein Herz im ‚Fernseher“ sehen konnte, allerdings nur in schwarz-weiß und in für heutige Begriffe, schlechter Qualität. 🙂 Aber das Ganze ist ja schon 40 Jahre her.
    LG Gabi

  22. mmandarin sagt:

    So, und nun achtsam sein. Sei froh, dass du die Mühle hinter dir hast. Genieße jede Minute, wenn möglich. Marie

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