Schreibfehler (#266)

Und keinen störts?

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Ich finde es ja gut, wenn die deutsche Schrift – also die Frakturschrift, die anno dunnemals in Nazideutschland als “Juden-Lettern” verboten wurde – heute wieder genutzt wird, um an historischen Stellen zum Beispiel Straßennamen auszuschildern.

Allerdings dachte ich, daß dabei von Seiten der Stadt sorgfältiger vorgegangen wird.

Beispielbild

Verschiedene Buchstaben …
… für den S-Laut im Fraktursatz machten das Lesen und Schreiben und das richtige Setzen und Drucken leichter.

Das heute noch im lateinischen Alphabet (mit dem die deutsche Sprache geschrieben wird) übliche “s” ist das runde, das Schluß-s. Es zeigt an, daß dort ein Wort oder ein Wortteil beendet ist und gefahrlos getrennt werden kann. In meinem Bild ist das Beispiel mit dem “falschen” s in der unteren Zeile dargestellt.

Das normale «(Lang-) s» [ ſ ] und das «t» als “st” wurden immer in einer Ligatur (verbunden) gesetzt oder geschrieben [ ſt ], d.h. für diese Buchstabenkombination (und für viele andere) gab es eine besondere Letter (Schriftzeichen, das im Bleisatz verwendet wird; auch die drei Punkte als Auslassung, das ch usw. waren eine Letter). Die richtige Variante des Fraktursatzes ist also in der oberen Zeile meines Bildes zu sehen.

Und hier in Halle? Hier habe ich gestern im Rathaus gefragt, wer für die Straßennamenschilder zuständig ist, denn ich habe etwas gegen falsch geschriebene Straßennamen. Es gibt in Halle (Saale) nämlich eine Kleine Ulrichs-traße und eine Große Ulrichs-traße (und eine Dachritzs-traße, die ich erst am Abend gesehen habe). Zum Beweis zeige ich diese beiden Bilder, die ich am 21.09.2012 gegen 12.00 Uhr aufnahm:

Straßennamen

Fehler:
Das Schluß-S ist da fehl am Platze.

Straßennamen

Fehler!
Das Schluß-S ist da fehl am Platze.

Richtig wäre in beiden Fällen nicht die Ulrichstraße, sondern die Ulrichſtraße.

Mag man mich auch für einen Krümelkacker halten, der sich an solch‘ unwichtigen Kleinigkeiten hochzieht – es gibt ja viele Baustellen, an denen eine Änderung notwendiger, dringender ist: Nach diesem Wochenende werde ich mich damit an den zuständigen Mitarbeiter der beinahe-Kulturhauptstadt, der Stadt der Wissenschaften und der Händelstadt wenden, und ihn auf diesen und noch andere Fehler in der Beschilderung hinzuweisen.

Obs was hilft? Weiß ich nicht, aber so hat die Stadt wenigstens die Gelegenheit, Fehler zu korrigieren oder korrigieren zu lassen.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 21. September 2012 war die Begrüßung (mit Stadtbummel) einer “unbekannten” Bekannten (wir kennen uns nur aus My(Leer) und dem sonstigen Netz) hier in der Stadt.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Schreibfehler (#266)

  1. Wieder was gelernt! Obs Krümelkackerei ist? Vielleicht. Aber wenn keiner was sagt, ändert sich auch nichts. Falsch geschrieben ist eben falsch geschrieben. LG Gabi

  2. piri ulbrich sagt:

    Ich bin gelernte Schriftsetzerin und hätte es nicht besser erklären können. Mich stört das auch so oft.

  3. Herbstbaum sagt:

    Es wäre ein Erfolg, wenn zukünftig darauf geachtet werden würde.

  4. Inch sagt:

    Bin gespannt, ob die das ändern. Das berichtest Du dann aber auch, oder?

  5. Himmelhoch sagt:

    Dieses falsch verwendete „s“ erwähnst du hier ja nicht zum ersten Mal – ich kann dich verstehen, das würde auch mein ästhetisches Empfinden stören. Ich hätte es ohne dich nicht gewusst.

  6. mayarosa sagt:

    Wenn die Schreibfehler nur in solchen Fehlern bestünden…
    … ein schlimmes Schicksal erleidet derzeit das von mir so gemochte und schön geschwungene ß. Es wird oft ignoriert. Lieber machen die Leute Rechtschreibfehler. Im Fall des Fußballs glauben manche sogar, es sei korrekt mit Doppel-S. Dabei ist Fussball ist aber nur in der Schweiz korrekt, weil die kein ß kennen, noch nie kannten. In Österreich, Deutschland und den deutschsprachigen Minderheiten anderswo gilt langer Vokal und Diphtong ß, kurzer Vokal ss

  7. hm, ja oke, aber das versteht dann auch nur jemand, der sich mit Fraktur auskennt. würd ich mal sagen. so ist das Straßenschild auch normal lesbar. trotzdem oder grad deswegen, erholsames Wochenende Dir. lg claus

  8. ullli23 sagt:

    Vielleicht ist ja auch „Ulrichs Trasse“ gemeint… 😉

  9. Amelie sagt:

    Ein wenig verspätet, aber mit nicht minderem Interesse habe ich Deinen Artikel gelesen.
    Ich denke, die Verwendung des falschen s ist in bloßer Unkenntnis erfolgt. Geändert wird es sicher nicht – fehlende Haushaltsmittel. Aber vielleicht in Zukunft beachtet. Und das wäre doch ein (Teil)Erfolg.
    Gruß Amelie

  10. Gabi sagt:

    Danke für die Erklärung. Ich kenne mich mit dieser Schrift nicht aus und fand das sehr interessant. Es mag vielleicht Krümelkackerei sein, aber mich stören solche Fehler (wenn ich sie erkenne :-)) auch und ich denke, eine Stadt sollte keine solchen Fehler auf Straßenschildern machen.
    LG Gabi

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